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„Ghost World“ basiert auf dem gleichnamigen Comic. Es geht um einen zynischen, aufsässigen Teenie, der mit der Welt und mit der Liebe nicht so ganz klarkommt. Die Comicverfilmung war beliebt bei der Kritik, und auch die Schauspieler Thora Birch und Steve Buscemi stehen ja eigentlich für Qualität. Doch „Ghost World“ ist in vielen Bereichen eine einfache Enttäuschung.

Da die postpubertäre Verwirrtheit im Fokus der Geschichte liegt, wird es schwer sich in die sprunghafte, etwas extrem latschige Story einzufinden. Je länger der Film dauert, und je mehr Thora Birch die Orientierung in ihrem eigenen Leben verliert, desto wüster und chaotischer wirkt der Film. Viel zu viele Plotpoints werden eingesetzt, die den Zuschauer immer wieder aufmerksam werden lassen, jedoch wieder in eine Sackgasse steuern. Auch von exzentrischem Humor ist nichts zu finden. Klar, einige Szenen regen schon zum Schmunzeln an, jedoch ist nichts klug, beobachtend, oder einfach intelligent-zynisch. Die Figur Thora Birchs ist pauschal gegen alles, was normal ist. Gründe – und genau diese machen ja oft die triviale Komik aus – gibt sie so gut wie nie an. Ihre Freundschaft zu ihrer einzigen Gefährtin scheint nur auf Hass auf ihre Umwelt gegründet zu sein; ihre Faszination für den Plattensammler Seymour (Steve Buscemi) ist zwar eher feinfühlig und interessant, aber genauso haarsträubend. Die Charaktere sind zwar alle ganz gut, jedoch fehlt die wirkliche Wärme, die solche Filme doch ausmachen sollte.

Bis auf das großartige Finale bleibt Terry Zwigoff einfallslos. Er driftet in der Abneigung auf die 08/15-Amerikaner dahin, schwelgt in Hasstiraden, ohne je wirklich amüsieren oder unterhalten zu können. Motivation oder Gefühle macht er nie deutlich, manche Szenen scheinen sogar überflüssig zu sein. Kritiker bejubeln „Ghost World“ als wahres, ehrliches Teeniedrama mit viel Tragikomik. In Wahrheit ist es jedoch ein schlecht gelauntes Depressivum ohne Höhepunkte, dafür mit vielen, vielen Enttäuschungen.

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