Mann, das war nix!
„Heat“ und „Collateral“ waren gestern, die TV-Serie „Miami Vice“ vorgestern.
Ich erinnere mich bruchstückhaft an vorgestern: Da gab es einen Don Johnson, den ich aufgrund der Schleimerpräsenz nie mochte, einen total unauffälligen Philip Michael Thomas und Flamingos.
Ein Theme von Jan Hammer und natürlich typische 80er Edel-Popper-Klamotten.
Michael Mann war seinerzeit Ideengeber und ausführender Produzent der Serie.
Und nun, nach so langer Zeit der Kinofilm „Miami Vice“.
Nun denn, wird schon ein ordentlicher Actioner mit wortgewandten Cops, einer Menge Humor in tollem Styling sein.
Flötepiepen.
Die einstigen Helden Sonny und Tubbs verkommen zu austauschbaren Miami-Cops innerhalb einer X-Mal gesehenen 08/15-Handlung ohne Tempo.
Es wird viel gepimpert und viel telefoniert und die Action bleibt, bis auf den Showdown, komplett außen vor.
Sonny und Tubbs schleusen sich Undercover in ein Drogenkartell ein, um als Transportexperten zu fungieren. Sonny verknallt sich dummerweise in die Geliebte des Oberbosses und ein argwöhnischer Zwischenboss wittert Verdacht und will die neuen Mitarbeiter ausschalten.
Es hätte so schön werden können, denn mit Colin Farrell als Sonny und Jamie Foxx als Tubbs wäre ein Dreamteam mit zahlreichen One-Linern drin gewesen.
Aber der spannungsarme Aufbau der Story, die im Schneckentempo erzählt wird, greift überhaupt nicht.
Von den beiden Cops erfährt man so gut wie gar nichts, nur wie ihre nackten Oberkörper aussehen, weil es mehr Softsex als Charakterzeichnung gibt.
Man erfährt recht viel vom Aufbau eines großen Drogenkartells und sieht Sonny mit eisernem Gesichtsausdruck seine neue Liebe im Motorboot zum nächsten Pimperschauplatz bröddeln, aber spannend ist das zu keiner Zeit.
Tubbs pötert seine Frau Trudy, aber das ist auch nicht ansprechender.
Solche Szenen kann man einbauen, um sich vom Actiongewitter, beispielsweise einer Verfolgungsjagd oder einer Schießerei zu erholen, aber nicht, wenn es zuvor überhaupt keine Action gibt.
Ein paar Schauwerte liefern nur einige wirklich imposante Landschaftsaufnahmen, ein paar Explosionen und der finale Showdown, der aus einer knallharten Schießerei besteht.
Aber auch hier gibt es negative Kritikpunkte. Denn so stilvoll wie die Digitalkamera zuvor ein paar bemerkenswerte Aufnahmen liefert, versickert die Ballerei zwischen Gut und Böse in einem unüberschaubarem Wirrwarr, bei der nur schwer ersichtlich wird, aus welchem Lager der Getroffene stammt.
Das können ein paar realistisch wirkende Shoot-Outs und ein erstklassig angelegter Sound nicht über mangelnde Übersicht hinwegtäuschen.
Was dem Film ebenfalls das Genick bricht, sind die Darsteller, die zu keiner Zeit das halten, was ihre Namen versprechen.
Farrell und Foxx bekommen kaum eine Möglichkeit, ihr schauspielerisches Talent zu beweisen, beide Figuren bleiben furchtbar blass und unauffällig.
Da sind die Bösewichter, - Luis Tosar und John Ortiz – um Längen präsenter.
Ebenfalls eine Enttäuschung ist Li Gong, die als Love Interest durchweg spröde und unmotiviert durch die Gegend huscht, nur in den letzten Minuten bringt sie ein wenig Emotion in ihr Spiel.
Emotion, die man ansonsten zu keiner Zeit wahrnehmen kann.
Michael Mann hat hier einen Langweiler kreiert, der zwar visuell einigermaßen punkten kann, aber dessen Geschichte austauschbar und selten spannend daherkommt.
Ein Actionfilm, bei dem man keine Action erwarten darf.
Da mag die düstere Inszenierung mit farbreduzierter Digitalkamera den ein oder anderen angesprochen haben, - mir ist´s nicht knackig genug und bietet nicht in Ansätzen das, was ich erwartet habe.
3,5 von 10