Im Oeuvre von Michael Mann gibt es eine Art „Dauerthema“, das von (fast) all seinen Filmen - ganz gleich ob sich die Handlungen um Tabakkonzerne, Bankräuber oder Serienmörder drehen - in irgendeiner Weise tangiert wird, mal in der Peripherie, mal im Zentrum stehend: Der einsame, vom Rudel abgeschnittene Wolf in der Großstadtmetropole, fleischgeworden als Protagonist in seinen Erzählungen. Schon insofern unterlief „Miami Vice“ 2006 die Erwartungshaltung des Publikums, weil sich Mann erstmals von diesem roten Faden in seiner Biographie abwendete, und obendrein einen erschreckend reinrassigen Genrefilm präsentierte, in dessen Focus in erster Linie, so schien es, das Ausstellen ästhetisch-berauschender Hochglanzbilder und eigenwillig inszenierter Actionszenen stand und erst in zweiter Linie die Lust am Geschichtenerzählen.
Es hat eine ironische Anmutung, dass man im Falle von „Miami Vice“ einen Regisseur in Bezug auf ebenjene Dinge tadeln muss, mit denen er in seinen vorangegangenen Filmen stets besonders positiv aufgefallen ist, den inhaltlichen Werten nämlich. Schon die Grundidee – die beiden Detectives der Polizeibehörde von Miami, Sonny Crockett (Colin Farrell) und Rico Tubbs (Jamie Foxx), werden als Undercoveragenten in eine Drogenschmugglerbande eingeschleust - ist reichlich altbacken und wird in Gestalt der Beziehung von Sonny mit Isabel, die zugleich auch mit dem Anführer intim ist, und der Figur Yero, die den beiden von Anfang an misstrauisch gegenübersteht, um zwei ebenso profane wie ausgelutschte Plot-Bausteine ergänzt.
Muss man dementsprechend das Skript betreffend zuallererst konstatieren, dass es sich um das schwächste handelt, das Michael Mann bislang verfilmt hat, ist seine audiovisuelle Umsetzung des Stoffes gewohnt über jeden Zweifel erhaben. Insbesondere verfeinert er jene Ingredienzien, die bereits in „Heat“ und „Collateral“ zum Einsatz kamen: Die penible Realitätsnähe, durch die die Actionszenen aus dem Raster klassischer Hollywoodproduktionen fallen, die Durchtränkung der Bilder mit einem kalten Blauton und der konsequente Einsatz von Digitalkameras, der für eine höhere Tiefenschärfe der Aufnahmen sorgt. Spürbare Faszination wird des Weiteren nicht nur den Schießereien zuteil, sondern ebenfalls den schnellen Luxuskarossen, den Sportflugzeugen und speziell den Speedbooten; all das nicht zuletzt unterlegt von geschmackvoller Musik.
In „Miami Vice“ mögen zwar dieselben Zutaten zur Hand genommen werden, die bisweilen auch bei Michael Bay oder Tony Scott Verwendung erfahren, gleichwohl aber wird diesen in Form von Michael Manns unverkennbarer Handschrift eine ansehnliche und dazu filmisch reizvolle Hülle übergestülpt. Last but not least ist die dramaturgische Ausstaffierung seit je her eine Stärke seiner Regiearbeiten, die ihren bisherigen Höhepunkt in „Heat“ fand, wo nahezu jede Nebenfigur genauer ausgearbeitet wurde und eine eigene Charakterisierung spendiert bekam. In Anlehnung dazu erweist sich die präzise Ausleuchtung der Affären von Sonny und Rico mit ihren Partnern als spannungsfördernder und Tiefe bringender Hauptgewinn für den Gesamteindruck.