Review

Achtung! Das folgende Review enthält Spoiler!


"The Hole" mit einer Note abzutun ist eigentlich unmöglich. Das liegt nicht an einer nicht möglichen Kategorisierbarkeit der Qualität, als vielmehr an den großen Differenzen zwischen Anspruch und Umsetzung.

Einen düsteren Psychothriller verspricht uns die Werbung und sie hat recht. Auf gar keinen Fall in die Tradition der modernen Teenslasher einzuordnen, lebt er aber von deren Schwächen und inhaltlichen Elementen und verhindert so eine vereinfachte Einordnung.

Überdies ist "The Hole" ein Konglomerat geschickten Ideenklaus. Die Prämisse, ein Ereignis rückwirkend zu erzählen und das Geschehen aus mehreren Blickwinkeln unterschiedlich darzustellen, geht bis auf den japanischen Klassiker "Rashomon" zurück, doch wird dieser Ansatz zwar be-, jedoch nicht vollständig ausgenutzt. Der Zuschauer erhält zunächst die blütenreine Version dieses Klaustrophobie-Thrillers geboten und weiß doch schon, daß hier irgendwo der Haken sein muß. Und tatsächlich sieht die Wirklichkeit ganz anders aus. Doch es gibt hier nur zwei Versionen zu bestaunen und die stammen beide von der Überlebenden Liz (Thora Birch), die sich an die wahren Erlebnisse nur nach und nach erinnert.

Hier liegen die größten Qualitäten dieser Inszenierung, denn wie sich der Bunker in den Erinnerungen Liz' nach und nach verändert, düsterer, verzweifelter, dreckiger und verkommener wird, das hat schon Klasse. Doch gleichzeitig tun sich hier Mängel auf. Regisseur Nick Hamm läßt sich in seinem Erzählrhythmus bisweilen zu viel Zeit, so daß deutlich wird, daß ihn die Idee fasziniert hat, nicht die psychologische Umsetzung.

So gewinnen die vier Eingeschlossenen nur wenig wirkliche Tiefe, sondern werden charakterlich gerade so weit geformt, wie es nötig ist, die erforderlichen Reaktionen hervorzurufen, die die Ereignisse bestimmt haben. Während die optischen Unterschiede zwischen Liz' Wunschsicht und Martins eigener Sichtweise zwar interessant wirken, geht Hamm auf den Prozeß des Eingeschlossenseins, der Paranoia und des schleichenden Verfalls gar nicht ein, daß es nur darum geht zu dem Ergebnis zu kommen, daß der Film letztendlich dem Zuschauer bietet.

Dumm nur, daß die wahre Natur der Dinge von vornherein in allen Szenen mitschwingt. Obwohl uns eine Newsreporterin anvertraut, alle vier seien nun wieder bei ihren Eltern, sehen wir tatsächlich immer nur Liz, was dem aufmerksamen Zuschauer schon nach einer halben Stunde komisch vorkommen sollte. Der erwartete Plot-Twist, die Überraschung, die auf die wahre Natur der Eingeschlossenen hinweist, folgt dann bereits nach der Hälfte des Films und es soll auch gleich der letzte sein.
Der später eingebaute und kleinere Kniff rund um Martin ist ebenfalls schon erahnbar und führt am Ende kaum zu einer wahren Überraschung. Stattdessen wird die zweite Hälfte mit den wichtigen Stationen des Verfalls im Bunker aufgefüllt, die zwar recht nett rüberkommen, aber inhaltlich kaum über eine Psycho-Fassung von Dawsons Creek herauskommen.

Auch das angesprochene und in der Presse oft zitierte Abrutschen des Films in den Gore (angeblich im letzten Viertel) ist nicht nur übertrieben, sondern schlichtweg falsch, denn es kommt kaum zu wirklich blutigen Szenen, und wenn überhaupt Blut fließt, resultiert das aus der Handlung und ist nie selbstzweckhaft.

Die Schauspieler an sich machen das Beste aus ihren mittelmäßig geschriebenen Rollen, wobei Thora Birch natürlich ein wenig heraussticht, obwohl auch von ihr keine wirklich herausragende Leistung kommt. Ansonsten fällt nur noch die Liz' untersuchende Psychologin überhaupt auf, deren Rolle jedoch so schlecht geschrieben ist, daß jeder echte Psychologe sich dauerhaft an den Kopf schlagen würde.

Ist das Lüften der Bunkergeschichte die Essenz der Handlung, so bietet der Film dann doch mehr das Portrait eines durch und durch psychisch zerrütteten Teenagers, deren Wunschvorstellungen in eine furchtbare Katastrophe geführt haben.

Doch leider beläßt es Hamm nicht dabei: er klaut schon wieder und zwar diesmal den finalen Plot-Twist aus dem Richard Gere/Edward Norton-Thriller "Zwielicht". War dieser im Orignial noch eine wahre Überraschung, so kommt der Klau überhaupt nicht gut, denn die kaltblütige Tour steht der sonst superlabilen Liz so überhaupt nicht. Darüber hinaus wissen wir als Zuschauer schon zu lange im Film, daß da noch ein paar Schräubchen locker sind, als wenn wir ein so offenes Ende ohne weiteres akzeptieren würden.
Drum auch die große Überraschung, wenn der Film dann plötzlich vorbei ist, ehe Gerechtigkeit einkehrt in dieser Tragödie, eine Entscheidung, die bei den Zuschauern lediglich Ärger provozieren dürfte und im Gesamtzusammenhang den Film in eine unpassende Richtung kippt.
Das überschattet die manchmal schön düstere Inszenierung und die gute Kameraarbeit leider mehr, als sie es verdient und macht die schön morbide Atmosphäre des noch in Ungewißheit begrabenen Anfangs vergessen.
So bleibt ein atmosphärisch gut aufgebauter, doch charakterlich flacher Thriller, der es sich mit seinem "bösen" Ende leider mit den meisten gutwilligen Zuschauern verscherzt, selbst mit denen die nicht immer ein Happy-End brauchen.

Hier kann nur der Mix die Benotung machen: 5/10.

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