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Blutüberströmt und am Ende ihrer Kräfte irrt ein Mädchen durch die Gänge ihrer Schule greift zu einem Telefon, schreit und bricht zusammen. Dies ist der Anfang von Nick Hamms "The Hole". Ein packender Psychothriller, der schwer in ein Genre einzuordnen ist, aber leider viel zu oft als Horror-Thriller abgestempelt wird und ganz schlaue Leute ordnen ihn sogar in die Teenie-Slasher-Reihe ein. Wer den Film aber auch nur ein paar Minuten lang gesehen hat, wird schnell feststellen, dass diese Annahme komplett falsch ist.
Die Geschichte um 4 verschwundene Jugendliche gibt sich zu Beginn noch recht undurchsichtig und irreführend. Hauptdarstellerin Thora Birch (“American Beauty“, “The Smookers“) als Liz ist die einzige, die man zu Gesicht bekommt, obwohl die Nachrichten mitteilen, dass alle "Kinder" wohlauf sind. Diese Tatsache macht den Zuschauer ebenso stutzig wie, dass Liz einer Psychologin eine etwas verschönigte Version ihres Erlebnisses schildert. Quasi die Märchengeschichte eines Alptraumes, bei dem alle Jugendliche lebend das Spielfeld verlassen. Aber die Realität sieht anders aus. Liz ist die einzige Überlebende, hält aber an ihrer Geschichte fest und behauptet, dass ein Schulfreund die 4 in einen Bunker eingesperrt haben soll. Aus den 3 Tagen Party wurden jedoch 2 Wochen Hölle, aber Liz Geschichte endet schon nach den 4 Tagen mit einem Happy End. Von Minute zu Minute wird dem Zuschauer jedoch deutlicher, dass Liz gar nicht das schüchternde Mädchen ist, wie sie sich selbst schildert und es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass ihre krankhafte Liebe zu Mike die Ursache für das Drama im Bunker wird. Nach und nach kehren die wirklichen Erinnerungen an die 14 Tage Bunker zurück und es ist fantastisch, wie sich von Erinnerung zu Erinnerung die Optik des Bunkers verändert. Aus der anfänglich spielerischen Version, die wie ein Kinderstreich wirkt, wird ein purer Alptraum. Dreckig, verkommen und verstörend. Nick Hamm und seine beiden Drehbuchautoren Ben Court und Carolin LP erschaffen hier eine klaustrophobische Stimmung und spielen mit den Ängsten der Menschen. Eingesperrt und nur einen begrenzten Vorrat an Essen und Wasser. Wie lange wird man überleben? Wer wird als erstes sterben?

Wo „The Hole“ sich von Minute zu Minute steigert und immer mehr von seiner grausamen und verstörenden Wahrheit Preis gibt, die ich an dieser Stelle nicht verraten möchte, kränkelt der Schluss des Filmes jedoch deutlich an seiner konventionellen Wendung und nimmt ihn etwas von seiner Intensität. Auch wenn der depressive Schluss das Publikum weit mehr verstören wird als das Gezeigte im Bunker und ganz nebenbei einige sogar recht schlecht gelaunt die DVD aus den Player nehmen werden, ist die Plot-Wendung am Ende einfach zu einfallslos und erinnert überdeutlich an das Ende von “Zwielicht“. Dafür ist die Idee, verschiedene Geschichten der Ereignisse erzählen zu lassen recht gut, wenn auch nicht ganz neu. Wie oben schon erwähnt, sind gerade die Bunkerszenen das Beste an “The Hole“, denn hier wandelt sich die ausgelassene Partykeller-Atmosphäre in ein Loch, das immer kleiner, dunkler und schmutziger wird. Ja selbst die Psyche der Personen ändert sich fortlaufend bis hin zum totalen Wahnsinn und einen Todeskampf um eine einzelne Cola-Dose.

“The Hole“ überzeugt durch seine tollen Optik und seine guten Schauspieler, vorne weg Thora Birch, die hier eine hervorragende Performance abliefert. Trotzdem stören hier eindeutig der Schluss und die flache Charakterisierung der Darsteller, der man deutlich mehr Leben hätte einhauchen können. Eingefleischte Genrefans, die eine Gewaltorgie erwarten, sollten lieber die Finger weglassen, wer allerdings mehr auf den psychologischen Horror wert legt, wird 98 Minuten gut und spannend unterhalten.

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