Review

Wilson Yip und Donnie Yen spielen für den Nachfolger ihres herrlich traditionsbewussten SPL dezidiert auf Synergien. Die Vorlage für DRAGON TIGER GATE ist ein in Hongkong seit Jahrzehnten immens populärer Comic. In diesem und selbstverständlich nicht minder in der Leinwand-Adaption steht der Titel für eine Kampfkunstschule, in die Meister Wong (Yuen Wah) vornehmlich verwaiste Bälger aufnimmt und so lange in hartem Training durchwalkt, bis sie sich auf der Straße behaupten können. Unter der Knute rivalisierender Gangs ist der zeit- und realitätsentrückte Moloch, der zur Bühne der sich vornehmlich über superbe überdrehte Action rechtfertigenden Geschichte wird, wahrlich kein angenehmer Platz zu verweilen - die Assoziation mit einer der Banden überlebenswichtig. Zwischen denen würde man zerrieben werden. Das letzte Bollwerk der Guten: DRAGON TIGER GATE.

Aber auch dessen Mauern bröckeln, als der maskierte Oberschurke Shibumi höchstpersönlich in die unentschiedenen Machtkämpfe eingreift. Diesem Dämon ist keiner der Protagonisten gewachsen. Nicht der alte Wong. Nicht dessen designierter Nachfolger Tiger Wong (Nicolas Tse), nicht dessen verschollener Bruder Dragon Wong (Donnie Yen), der an der Seite eines der Gangsterbosse wieder auftaucht, aber im Herzen zweifelsfrei ein Guter ist. Und auch der Vagabund Turbo (Shawn Yue) hat nicht den Hauch einer Chance - er kann zwar beeindruckend mit seinen Nunchakus fuchteln, beherrscht seine Waffe jedoch nicht ansatzweise. Um zu wissen wie DRAGON TIGER GATE nach der Exposition seiner Figuren fortfährt, dazu braucht man nun freilich weder Inhaltsangaben noch Rezensionen lesen. Im Grunde ist es doch sonnenklar. Eines der ehernen Gesetze für Filme dieser Art verlangt, dass sich die Protagonisten nach einer heftigen Niederlage wieder aufrappeln, ihre Kräfte bündeln, überirdisches Kungfu meistern und es schließlich noch einmal vereint mit dem Unhold aufnehmen.

Insofern ist DRAGON TIGER GATE sicherlich nicht die Innovation, die das Genre in Hongkong dringend braucht, aber es gelingt dem Regiegespann Yip/Yen immerhin, während der knackigen Laufzeit ihren ordentlich Rabatz fast ohne Atempause durchzuhalten. Wie hier mit Körpern Wände eingerissen werden, erinnerte mich einige Male gar an „Heroic Trio" - einen der wunderbaren Höhepunkte des Hongkong Kinos aus den frühen Neunzigern (minus Charme, plus cheesige „Storm Riders"-CGI, wohlgemerkt). Die zügellose, dezidiert überzeichnete Action dient sich augenscheinlich adäquat seiner Comicbuch-Vorlage an - genau wie die Helden dieses Films, ihre Scheitel grandios wie mit der Schablone gestylt und ganz sicher nur zweidimensional ausgeleuchtet. DRAGON TIGER GATE ist Genrestoff, von dem man sich prima unterhalten lassen kann. Wenn jedoch Yuen Wah den Löffel abgibt und gleichzeitig einen Bubi wie Nic Tse in die Verantwortung für die Nachgeborenen beruft, dann mag das im Rahmen dieser Geschichte unabdinglich sein, es muss aber hoffentlich nicht als aufrichtige Metapher auf den überfälligen Generationswechsel im Hongkong-Kino gedeutet werden. Auf dem Weg in die Zukunft sind Wilson Yip und Donnie Yen mit diesem Film ganz sicher noch nicht.

Details
Ähnliche Filme