Neben „Sha Po Lang“ ist „Dragon Tiger Gate“ einer der heißesten Actionknüller Hongkongs des Jahres 2006. Nach langer schauspielerischer Abstinenz feiert Donnie Yen in gleich beiden Filmen ein fulminantes Comeback, welches er ein Jahr zuvor in „Seven Swords“ einläutete. Nach Yens wenig ruhmreichen Ausflug nach Hollywood, kehrt der einstige Superstar des asiatischen Martial Arts-Kinos nun wieder zu seinen Wurzeln zurück.
Dennoch könnten sich beide Filme nicht krasser unterscheiden und was besonders für Yens Wandlungsfähigkeit spricht. War SPL ein lupenreiner Actioner mit geradliniger Story und bodenständigen Fights, erweist sich „Dragon Tiger Gate“ als moderner Mix aus Fantasy und Martial Arts. Schon beim grafisch-aufwendigen Opener wird klar, das dieser Film in seiner Gestaltung eher an japanischen Animes orientiert ist. Glücklicherweise bleibt „Dragon Tiger Gate“ über weite Strecken ziemlich bodenständig, lediglich in den rasanten Fights kommt hier und da Wirework zum Einsatz.
Die Martial Arts Szenen bilden deshalb das Aushängeschild des Films, denn an inhaltlicher Substanz wird recht wenig geboten. Wenn die Kontrahenten gegeneinander antreten, fliegen gehörig die Fetzen und das wörtlich. Nicht nur das Inventar wird mit in die Keilerei einbezogen, auch die unterschiedlichsten Waffen finden Verwendung. Zudem wurden die Kämpfe ziemlich abwechslungsreich gestaltet, von eindrucksvollen Massenschlägereien bis zum packenden Zweikampf ist alles dabei. Mit Donnie Yen konnte zudem ein erfahrener Kampfsportler gewonnen werden, der zwar nicht zu der hochkarätigen Form alter Zeiten aufläuft, aber dennoch eine Bereicherung darstellt. Ein Manko des Films wird dabei besonders eindrucksvoll kaschiert, denn obwohl die Choreographie der Kampfszenen durchaus ansehnlich geworden ist, liegt sie nicht wesentlich über dem Genredurchschnitt. Was die betreffenden Sequenzen dennoch aufwertet ist die rasante Inszenierung. Besonders optisch machen die Kampfszenen einiges her und verdecken so manche Schwäche. Ein furioses Highlight ist beispielsweise die Kampfszene im japanischen Restaurant, die über weite Strecken aus der Vogelperspektive gefilmt wurde. Zwar ist mehr als offensichtlich das gestalterisch bei anderen Filmen wie „Kill Bill“ abgekupfert wurde, wenn das Ergebnis so stimmt wie in diesem Fall, soll es nicht weiter stören.
Die Action ist sicherlich die treibende Kraft in „Dragon Tiger Gate“, dennoch hat der Film auch andere Qualitäten. Besonders der Look ist durchaus gelungen und überdeckt so manche inhaltliche Unzulänglichkeit. So gefällt vor allem die malerische Farbgebung, auch wenn Farbkorrektur vielleicht der passendere Ausdruck wäre. Auch der gängige Score geht sofort ins Ohr und ergibt ein stimmiges Gesamtbild. Hin und wieder finden auch CGI Tricks Verwendung, welche aber meist durchaus passend sind. Etwas gewöhnungsbedürftig hingegen die Aufmachung der drei Hauptfiguren (Donnie Yen, Nicholas Tse & Shawn Yu), die mit ihren frisch gegelten Designerfrisuren aussehen als wären sie frisch dem Laufsteg entflohen. Da es sich bei „Dragon Tiger Gate“ aber um einen lebendigen Comic handelt, der auch nicht vorgibt etwas anderes zu sein, kann man sich auch mit dieser poppigen Entgleisung durchaus anfreunden. Im Übrigen kann ein Fable für cooles Posing und ausdrucksstarke Gesten nicht schaden, denn davon gibt es reichlich zu sehen. Style macht einen nicht unwesentlichen Teil der Aufmachung aus, womit sich anfreunden kann oder auch nicht. Ärgerlicher ist da schon das ziemlich dreiste Product Placement für diverse Mobiltelefonanbieter.
Eigentlich ist „Dragon Tiger Gate“ ein richtig unterhaltsamer Fantasyactionfilm, wäre da nicht noch ein großes ‚Aber‘: Das Finale ist leider eine herbe Enttäuschung und gestalterisch voll in die Hose gegangen. Statt einen würdigen Abschluß zu präsentieren, meinte Wilson Yip wohl noch etwas ganz cooles zeigen zu müssen und griff dafür extra tief in die Wundertüte. Herausgekommen ist ein Showdown der aussieht wie aus dem Videospiel gepellt, inklusive völlig überzeichneter Charaktere, Supercombos und schlechten CGI.
Die gerade frisch vereinten Helden treten gegen einen übermächtigen Oberschurken an, der von einer Sekunde auf die nächste aus dem Hut gezaubert wird. Die Frage wo er herkommt und was er eigentlich will, bleibt man dem Publikum bis zum Ende schuldig. Die muntere Superheldenklopperei erinnert etwas an den quitschbunten „Zu Warriors“ und besitzt in etwa das Niveau von „Mortal Kombat“. Die zahlreichen super-mega tollen Spezialangriffe sind in einer Parodie wie „Kung Fu Hustle“ ja noch witzig anzusehen, wirken in diesem Fall aber nur albern.
Fazit:
Schade, der kunterbunte Schlußakt schmälert den Gesamteindruck dann doch etwas, ist aber der einzig größere Kritikpunkt an einem über weite Strecken wirklich gelungenen Comic-Actionvehikel. Die Klasse der ziemlich zeitnah produzierten Wilson Yip/Donnie Yen Kooperation „Sha Po Lang“ wird nicht erreicht, wer sich von der Fantasyaufmachung nicht abschrecken lässt wird aber dennoch gut unterhalten. Ihr nächstes gemeinsames Projekt „Flash Point“ dürfte Fans harter Action da wohl wieder mehr zusagen.