Dragon Tiger Gate
Donnie Yen ist einer von den ganz wenigen Darsteller aus den achtziger Jahren, der auch noch Heute aktiv, und gleichzeitig erfolgreicher denn je, im HK-Filmgeschäft tätig ist. Das er dabei einen Reifeprozess hinter sich hat durfte er dann auch schon öfters unter Beweis stellen (zuletzt in Flash Point). Wobei das primär auf die schauspielerischen Fähigkeiten bezogen ist. Als Martial Arts-Darsteller war und ist er schon immer Weltklasse und kann auf etliche Produktionen, bei denen er als Regisseur, Drehbuchautor, Darsteller und auch Choreograph tätig war, zurückblicken. Seit der Kollaboration mit Filmemacher Wilson Yip findet dieses Können einen anhaltenden Höhepunkt und die dabei hervorgebrachten Produktionen haben sich noch immer von der Masse abgehoben.
„Dragon Tiger Gate“ war die zweite Arbeit beider Filmemacher und auch hier gibt es einige Momente mit dem so genannten AHA-Erlebnis. Inhaltlich bleibt der Film weit hinter ähnlich gelagerten Geschichten, da dieses Genre von Fantasie-Kampfsport-Action einfach zu ausgelutscht ist und sich gerade im hier besprochenen Film nicht so richtig entscheiden kann, was es nun eigentlich sein will. Zwei Brüder leben seid ihrer Kindheit für eine Kampfsportschule, doch dann werden ihre Wege getrennt und man trifft sich Jahre später als Gegner wieder. Erst gegen-, und dann miteinander versucht man alte Fehler aus der Welt zu schaffen und neue Ziele zu erreichen, dabei bleiben Freunde, Verwandte und alte Erinnerungen auf der Strecke. Happy End und aus. Nun ja inhaltlich bleibt „Dragon Tiger Gate“ totaler crap, und da kann man es noch so wenden wie man will, aber das Erzählen an sich ist auch nicht die ganz große Stärke der beiden Filmemacher. Vielmehr sind das die Umsetzung, sowie die Kameraarbeit und dies sind, vor allem bei Actionproduktionen, nicht zu unterschätzende Komponenten. Während Wilson Yip als Megaphonschwinger für die Inszenierung verantwortlich ist, darf sich Donnie Yen als Actionchoreograph austoben.
Diesbezüglich macht der Film eine ungünstige Entwicklung durch, weil er sehr stark beginnt und dann mit fortschreitender Laufzeit ein wenig abbauen tut. Schuld daran sind die Fantasieeinflüsse und die daraus resultierenden unrealistisch werdenden Kampfsequenzen. Und das alles vor einem realen Hintergrund, zwischen Wolkenkratzern und New Age-Kiddies, die mit Handy und Nunchaku, zu Werke gehen. Zweifelsohne sind die Sequenzen absolut über dem Durchschnitt, doch wollten sie mich hier nicht gänzlich überzeugen. Epik hin und her, gerade der finale Kampf schießt über das Ziel hinaus und reißt, in Verbindung mit dem erzwungenen Happy End, das Gefühl sich gut unterhalten zu haben wieder zu Boden. Dabei war der Einstieg erste Sahne und spiegelt die Finesse eines Wilson Yip’s, beim inszenieren, unabsprechbar wieder. Da gibt’s nämlich einen Massenfight zu bestaunen, welcher in einem Teehaus stattfindet, und den der Bildschirm zeitweise als „One Take“ wiedergibt. Die Kamera fährt dafür gekonnt in eine Vogelperspektive und schwenkt dabei in die verschiedenen Räumlichkeiten, zoomt dabei aus der totalen in einzelne Fights hinein und hinterließ zumindest bei mir ein staunen. Dies in Verbindung mit den teilweise kreativen Choreographien ergibt ein Schauspiel was man nicht alle Tage zu sehen bekommt und legt die Meßlatte, für die restliche Laufzeit sehr hoch an. Um nicht zu sagen zu hoch. Nun will ich nicht suggerieren das der Rest unbrauchbar ist, doch die gebotene Klasse wird zu keinem weiteren Zeitpunkt erreicht. Da helfen auch die vielen involvierten Figuren nicht, auch wenn sie noch so austeilen können.
Der Cast kann sich sehen lassen und bietet mit Yuen Wah (Eastern Condors) auch noch einen alternden Star vieler achtziger Jahre Klassiker. Ein wenig Herzschmerz, ein wenig Moral, viel Coolness und Attraktivität werden geboten und die Darsteller geben sicher ihr Bestes, doch das auf eine jugendliche Zielgruppe zugeschnittene Drehbuch ließ einfach nicht mehr zu. Dafür hätte der Film bodenständiger bleiben müssen. Da sind SPL und Flash Point eindeutig bessere Genrevertreter von Yen und Yip, und auch die letzte Kollabo „Ip Man“ sieht unglaublich viel versprechend aus!!!
Fans von asiatischer Kampfkunst werden aber prinzipiell zufrieden gestellt.
6/10