Review

Gut, die Erwartungen waren sowieso niedrig.
Wenn ein Kolportage-Klassiker im SF-Gewand wie „Butterfly Effect“ einen Überraschungserfolg abräumt , dann planen sofort fünf Firmen die typischen zwei Billigfortsetzungen für arme Allesfresserseelen.
Tatsächlich funktioniert das meistens auch noch ganz gut, denn das erste Sequel nimmt man wegen der guten Erfahrungen mit Teil 1 und Teil 3 schaut man sich manchmal noch an, weil Teil 2 bestimmt nur ein Versehen war.

Ganz so mies fällt „BE2“ dann aber doch nicht aus, er fällt nur ungemein gegenüber dem Original ab, der so richtig in der Moralgülle wühlte und stets das Schlimmste aus einem Zeitsprung und einer Realitätsmodifikation heraus zu destillieren wusste.
„BE2“ ist kleiner an Budget, wesentlich braver und filigraner auf der Skala, eignet sich so aber besser zum Schauen mit der zartbesaiteten Freundin.

Statt apokalyptischer Lebensumstände gibt es hier nur die persönliche Tragödie, dass der Bürohengst Nick als Einziger das Duell mit einem bremsenden Truck überlebt, als seine Freunde und er auf der Urlaubsrückreise sind. Mit an Bord waren die besten Freunde als Paar und die liebe Freundin, die gern Fotografin wäre, aber nun schwanger ist – wovon Nick gar nichts wusste, als der Unfall geschah.
Als alles wieder heil gewachsen ist und die Depression gar zu sehr drängt, verspürt er dann plötzlich seine (offenbar familiär vererbten) Fähigkeiten für Zeitreise und Realitätsmanipulation und reist zurück, um den Unfall zu verhindern. Leider gibt es wie üblich immer wieder einen Haken, die aber alle enorm zahm ausfallen und sonst die Mühe einer Zeitreise gar nicht wert scheinen: es handelt sich eigentlich um Luxusprobleme.

Mal will er sich einen Posten gegenüber einem Schleimer sichern, mal geht die Firma flöten, mal wird sein bester Kumpel von einem brutalen Investor bedroht. Zwischendurch gibt es dann Beziehungskrach ums liebe Geld, dann ist die Holde abgehauen, schließlich fängt sie sich ne Kugel.
Das ist alles ganz nett und sauber runter gespielt, aber wenig aufregend – und auch nicht so ganz schlüssig, wie das mit den Sprüngen jetzt hier funktionieren soll. Offenbar muss Nick nur angestrengt auf ein Foto starren, dann fängt die Kamera schon an zu wabern und er kriegt Nasenbluten – noch so ein Punkt, der noch eine Pointe verspricht, die dann doch nicht kommt.

Der größte Horroreffekt, abgesehen von Singledasein, ist dann der Moment, wo er vom brutalen Investor niedergeschlagen wurde und bei dessen offenbar homosexuellen Kumpan nackt im Bett aufwacht – da haben die anachronistisch homophoben Tendenzen wohl die kleinbürgerlichen Ängste des US-Start-up-Könners eingeholt.
Die Szene ist so schockierend, weil sie in der Anlage so peinlich ist (und dabei total keimfrei).

Das Finale ist dann genauso dramaturgisch bemüht und hätte in einem weiteren Durchspielversuch eigentlich brauchbar beseitigt werden können, aber so geht ein überschaubarer und seichter Film dann auch verkehrberuhigt zuende, ohne dass er wirklich jemand weh getan hätte. Hat man bald vergessen, auch ohne Zeitreise. (3/10)

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