Horror und Western gehen ja nicht unbedingt organisch Hand in Hand, also gibt es da eher wenig Beispiele, wo diese Genres miteinander verbunden wurden, aber bisweilen ist es gerade diese kuriose Kombination, die die Filme erinnernswert macht.
Eine dieser Kombis findet sich in dem fast vergessenen „Black Noon“, einer CBS-TV-Produktion, die Westernmotive recht gelungen mit Folkhorror und Satanismus mischte, ohne dass die Fernsehtauglichkeit der Wirkung schadete.
Erzählt wird eine recht bekannte Geschichte, die sonst eher weiter zurück in der Geschichte oder näher an der Realität dran inszeniert wurde: die Ankunft von Fremden in der berühmten „mysteriösen Kleinstadt“, die sich zunehmend als Gefahr erweist.
Unsere Protagonisten sind ein Prediger und eine Frau, die vom Weg abgekommen in einer wüstenähnlichen Einöde fast den Tod durch Verdursten erleiden, als sie von Leuten aus der Kleinstadt San Melas gerettet und mitgenommen werden. Daheim im Dörfli ist alles so wie man das von „Unsere Kleine Farm“ oder „Rauchende Colts“ halt mit Westernstädtchen auf dem Studiogelände gewohnt ist.
Die Leute sind nett, nicht allzu religiös und dass die Tochter des Bürgermeisters a) stumm ist, b) in Träumen vorkommt und c) merkwürdige Wachspuppen anfertigt, die sie mit Stoffstücken der Neuankömmlinge schmückt, soll uns natürlich nicht stören.
Dass die Dorfholden schon vor dem Vorspann einmal eine Kirche abgefackelt haben, setzt natürlich den Ton, der dann an Bedeutung gewinnt, als Roy Thinnes mit seiner beruflichen Eignung dort das Interesse an einem neuen Priester erweckt, nicht zuletzt als er sich für das Örtchen auch noch gegen den Desperado Moon einsetzt, der die Einwohner um ihre Golderträge erpresst. Moon wird von Henry Silva in totalem Schwarz und mit sichtlich diabolischem Vergnügen gegeben und jeder seiner Auftritte sind echte Highlights gegen die des gottesfürchtigen Thinnes, der mit fortschreitender Laufzeit immer weniger Interesse an den Klagen seiner zunehmend an mysteriöser Migräne leidenden Ehefrau und mehr an der Anwesenheit der stummen Lorna entwickelt.
Mit den üblichen 73 Minuten Laufzeit ist „Black Noon“ kein überkomplexes Konstrukt und das Thema „impending doom“ hängt relativ schnell über dem Geschehen, mit düsteren Perspektiven und einer ebensolchen Ausführung, allerdings sind auf dem Weg durch den Plot ziemlich viele rote und grüne Heringe ausgestreut, so dass man immer mal wieder grübeln darf, wohin das alles führt.
Thinnes, den man aus „The Invaders“ kennen dürfte, ist sehr gut in seiner zwiespältigen Rolle, nur eben nicht das, was ich mir unter einem Prediger vorstellen würde und seine aufpeitschenden Reden fand ich eher lachhaft übertrieben. Yvette Mimieux hat als stumme Deliverance schon einen mysteriösen Charme und Ray Milland ist ja sowieso eine Bank. Warum man die Rolle der älteren Schwester der Hollywoodlegende Gloria Grahame gegeben hat – eine undankbarer und unwichtiger Part – wird nicht so ganz klar und ich hatte Mühe, sie überhaupt großartig auszumachen. Lynn Loring spielt die gehandicapte Mahnerin im Krankenbett, doch leider kann sie ihr Anliegen nie fokussiert klar machen, sondern muss ständig ihr Gefühl herausplärren, dass man ganz schnell weg müsste, das ist ein wenig simpel.
Vermutlich inspiriert von Filmen wie „Rosemary’s Baby“ sorgt der Film für solide und manchmal auch interessante Unterhaltung, hat außer der Atmospäre aber kaum etwas zu zeigen außer den unheimlichen Träumen, die den Reverend plagen, aber bisweilen ist Stimmung doch das Wichtigste und der Plot führt die Zuschauer ein paarmal in die Irre. Wer mag, möge den Film gern wiederentdecken, der immer mal wieder bei youtube vorliegt. (7/10)