Review

Über „Crank“ braucht man eigentlich nicht so viele Worte zu verlieren.
Man nehme das bereits zweimal erfolgreich („D.O.A.“) verfilmte Prinzip des Mannes, der vergiftet wurde und nur noch wenig Zeit zu leben hat, um seinen Mörder zu finden, verknappe die Zeit, löse sich von der Whodunit-Version und gebe den Mörder sofort bekannt und mache daraus einen Hochgeschwindigkeits-Actioner ohne jeden Anspruch auf Realismus.

Wer wäre für so einen Job besser geeignet als Jason Statham, der inzwischen wohl als einziger Anspruch auf den Titel „Erbe der 80er-Action-Heroes“ hat, weil er Haudrauf-Thematiken mit einem Maximum an ironischer Ausdruckfähigkeit und gekonntem Understatement verbindet und darüber hinaus noch sympathisch (bei Frauen mitunter vielleicht sogar: erotisch) rüberkommt.

Vergiftet mit einem asiatischen Chemiecocktail kann sich Statham hier nur am Leben erhalten, wenn er seinen Körper ständig in Bewegung hält und Adrenalinersätze hinzuführt, was die Suche nach den Killern beständig ergänzt, weil sich die verschiedensten Drogen, Wut und sexuelle Erregung als Streckungsmittel verwenden lassen.
Das führt zu einigen kuriosen Taten und Reaktionen, etwa spontanem Lebensrettungs-Sex mitten in Chinatown auf offener Straße vor Hunderten von Touristen.

Die Big-Budget-Regiedebutanten Neveldine und Taylor wissen ganz genau, wie sie ihre Minimalstory am besten in Szene setzen müssen, um den höchstmöglichen Effekt zu erzielen.
Dazu zählt vor allem: scheiß auf die Logik (Statham könnte zwischendurch jederzeit einfach so ausgeknipst werden). Und Tempo, nichts als Tempo.
Der ganze Film ist nicht mehr und nicht weniger als ein Hochgeschwindigkeits-Amoklauf, entweder auf der Suche nach den Verantwortlichen oder nach Ephinedrin, das dem Protagonisten die dringend benötigten Aufschübe verschafft.
Also saugt er sich reihenweise Nasenspray rein, schluckt Koks, säuft bis zum Erbrechen Energydrinks und wirft alles ein, was irgendwie geht, was ihn selbst natürlich auf einen Trip nach dem anderen schickt.
Das alles ist aber nur Grundlage für reichlich komische Szenen, wenn er etwa im Adrenalinrausch auf einem Polizeimotorrad freihändiges Fahren (im Stehen) probiert, obwohl er nicht mehr trägt als ein OP-Hemd.

Selbst das relativ naive Blondchen, dargestellt von Amy Smart, erhöht den Nervfaktor keinesfalls, denn das Skript geht relativ flott damit um, alle Schwierigkeiten nicht zur dramatischen Bremse werden zu lassen. Gewürzt mit Sprüchen und makabrem Humor (den El Kaida-Joke mit dem Taxifahrer darf in einem US-Film auch wirklich nur ein Engländer machen) und nicht gerade wenig Blut, werden die Actionfreunde einen Heidenspaß haben.

Auf ein Standardpublikum negativ auswirken könnte sich die hektische Kamera- und Schnittarbeit, denn wo „Snatch“ (eindeutig das „role model“ für die Inszenierung) die Kamera kreisen ließ, wirkt „Crank“ wie Extasy-Angriff auf den Sehnerv, es dreht sich und wirbelt, springt vor und zurück, erbricht Splitscreens und blendet an den irrwitzigsten Momenten Schrifzüge ein.
Damit kann das adrenalingesteuerte Geschehen auch stylistisch inszeniert werden, sorgt aber dafür, dass das aufgeputschte Publikum am Ende fast genauso totmüde ist wie der Protagonist selbst.

Konsequent bis zuletzt wird das Konzept durchgedroschen und wer sich auf den Trip begeben will, hat eine schön hektische Zeit vor sich. „Langsam sterben war gestern!“ mahnt das Plakat. Wie wahr, Herr Willis, wie wahr. (8/10)

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