Review

Ein Meisterwerk unter den Anti-Kriegsfilmen mit Matthew Modine in der Hauptrolle.

Story:
Während des Vietnamkriegs in einem Ausbildungslager der Marines - eine Gruppe neuer Rekruten trifft ein, darunter der zukünftige Private "Joker" (Matthew Modine) und Private "Paula" (Vincent D'Onofrio). Frischfleisch für den gnadenlosen Ausbilder Sgt Hartman. Der soll aus Rekruten Soldaten machen, aus Menschen befehlsgehörige Killermaschinen. Dies zieht er mit einer Härte durch, die alles andere als menschenwürdig ist. Bei den meisten funktioniert es nach einiger Zeit, nur bei "Paula", der geistig etwas labil ist, wirkt die "Behandlung" zu gut. Er wird mit der Zeit immer verrückter und erschießt in einer verhängnisvollen Nacht schließlich Hartman und dann sich selbst.
In Vietnam angekommen, erlebt "Joker" die Hölle des Krieges als Reporter am eigenen Leib. Für ein Interview mit Stars & Stripes - das möglichst patriotisch und nicht unbedingt wahrheitsgetreu ausfallen soll - schließt er sich einer Gruppe Marines an, die schließlich in einen Hinterhalt geraten. Mehrere sterben und die Situation scheint so gut wie aussichtslos zu sein...

Viele (amerikanische) Kriegsfilme, vor allem der Neuzeit - wollen nur Unterhalten und lassen dabei oft historische Fakten völlig außer acht. Hauptsache, der Amiheld steht gut da und die Patriotismusfahne weht passend dazu im Wind. Nicht so bei "Full Metal Jacket". Hier geht's nicht um unbesiegbare Helden, sondern nur um Menschen, die durch ihre ganz persönliche Hölle gehen. Jeder erlebt den Krieg auf seine Weise und hat dazu etwas anderes zu sagen - mal positiv mal negativ.

Dabei verzichtet Kubrick auf großartiges Schlachtengetöße, sondern präsentiert dem Zuschauer nur zerbombte Ruinen einstiger Städte, in denen einst das Leben blühte. Hier und da gibt's dann auch mal blutige Schießereien, es artet aber nie in Materialschlachten aus. Ein Happyend a la Hollywood kommt dabei natürlich auch nicht zum Einsatz, die Hoffnungen auf einen Sieg, den die Soldaten teilweise noch haben, wird sich nicht erfüllen.

Die intensievsten Szenen stellt aber nach wie vor die Ausbildung dar. Diese knapp 45 Minuten zeigen vor allem eines deutlich: Das Militär hält nicht viel von Menschen und Individualismus ist nicht gefragt. Alles was zählt ist, den Willen der Obrigkeit durchzusetzen und nicht zu hinterfragen. Was dieser gnadenlose Drill und die Gehirnmanipulation aus Menschen machen können, zeigt sich am deutlichsten in der Szene, als der eine Soldat vom Hubschrauber aus wahllos Frauen und Kinder abschießt und sich dabei wie ein Held vorkommt. Wie kann ein Mensch eigentlich zu so was fähig sein? Ein Normaldenkender würde so etwas nicht tun, aber bei den Soldaten sind Skrupel schon längst ausgeschaltet.

Einen kleinen Punktabzug gibt's nur für die deutsche Synchro, die stellenweise unpassend wirkt und vor allem bei Sgt. Hartman zwar hart rüberkommt, aber dennoch kein Vergleich zum Originalton ist.

Fazit: Wenn schon Krieg als Thema eines Films, dann bitte so wie hier. Zusammen mit "Platoon" der beste Anti-Kriegsfilm aller Zeiten. Ohne Pathos und Patriotismus, dafür aber schonungslos ehrlich.

9 von 10 Punkten (deutsche Version)
10 von 10 Punkten (Originalversion)

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