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Ähnlich wie bei "Bullet in the Head" benutzt Regisseur John Woo (Harte Ziele) in "Windtalkers" den Krieg lediglich als Schauplatz seines Films. Denn im Gegensatz zu "Platoon" und "Der Soldat James Ryan" ist der Film kein wirklicher Anti-Kriegsfilm, sondern vielmehr ein Actionfilm mit historischem Hintergrund.

Sergeant Joe Enders (Nicolas Cage) wird mit dem Schutz des Navajo-Indianers Ben Yahzee (Adam Beach) beauftragt, der den einzigen Code beherrscht, den der japanische Feind bisher nicht knacken konnte: den Navajo-Code. Zwischen den beiden entsteht eine Freundschaft, doch wie weit wird Enders gehen, um das wichtigste Militär-Geheimnis zu retten?

Nicolas Cage (Face/Off) und Christian Slater (Broken Arrow) arbeiten hier zum zweiten Mal mit John Woo zusammen. Allerdings wird diesmal ihr Gegner nicht von John Travolta verkörpert. Beide spielen die Beschützer der Navajo-Indianer, was sie recht gut machen. Dabei ist Cages Charakter natürlich die Hauptfigur und hat so mehr Screentime als Slater. Hinzu kommt, dass man der Figur des Enders' wesentlich mehr Charaktertiefe eingeräumt hat als den restlichen Charakteren. Slaters Figur ist eher ein Nebencharakter, hat aber auch seine Momente. Adam Beach (Mystery, Alaska) macht ebenfalls einen recht ordentlichen Job und bringt den Navajo-Indianer gut rüber, was auch auf Roger Willie (Adaption.) zutrifft. Der Nebencast ist mit Peter Stormare (Constantine), Noah Emmerich (Cop Land), Mark Ruffalo (Collateral), Brian Van Holt (S.W.A.T.) sowie Martin Henderson (Hart am Limit) ordentlich besetzt worden. Lediglich Frances O'Connor (Teuflisch) wirkt irgendwie überflüssig.

Die Begebenheit, dass "Windtalkers" auf einer wahren Geschichte beruht und den Pazifik-Kampf des Zweiten Weltkriegs als Hintergrund hat, verleihen dem Film eine gewisse Authentizität. Jedoch konzentriert sich Woo mehr auf die Action sowie seine bekannten Motive wie Ehre, Freundschaft und Liebe, als dass er dieses Potential genügend ausnutzt. Zwischendurch wird noch was über Rassismus und Religion philosophiert. So wird den Navajos nicht wirklich viel Platz eingeräumt und leicht pathetische Dialoge dürfen als Lückenfüller dienen. Glücklicherweise wird hier nicht gleich der Pathos- & Patriotismus-Holzhammer rausgeholt, wie das in Gibsons Vietnam-Amoklauf "Wir waren Helden" oder Michael Bays hirnlosem KrachWummBum-Spektakel "Pearl Harbor" der Fall war. Deshalb sind die Dialoge sowie die Handlung an sich leichter verträglich. Als störend erweißt sich die leichte Romanze zwischen Enders und der Krankenschwester, da sie für den Film selber mehr oder weniger überflüssig und unnötig ist. Beim Rest konzentriert sich John Woo wieder auf das, was er wirklich kann: die Action! Es wird reichlich mit der Thompson geballert und mit dem Flammenwerfer geröstet. Aber auch Dolch, Wurfmesser und Bajonett kommen zum blutigen Einsatz. Denn anders wie in seinen braven Filmen a'la "Paycheck" und "M:I-2" hält Woo hier voll drauf und das Blut spritzt literweise. Hin und wieder geht auch das eine oder andere Körperteil stiften. Fast wie in den alten HK-Tagen sowie "Harte Ziele". Hinzu kommen wirklich großartige Explosionen, die sogar ihre Kollegen aus "Pearl Harbor" übertreffen. Woo weiß wie man Explosionen wirkungsvoll in Szene setzt und benutzt sie nicht als blosse Lückenfüller oder optische Ausschmücken, wie das Herr Bay in seinen Filmen gerne macht.

Um einiges besser als "Wir waren Helden" und "Pearl Harbor", aber auch kein echter Anti-Kriegsfilm, gestaltet sich "Windtalkers als effektiver Action-Knüller mit ordentlichen Darstellern und historischem Hintergrund, auch wenn Letzterer nur als Mittel zum Zweck dient.

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