Review

Wie hofften doch alle Woo-Fans, dass dieser nach dem M:I 2 Debakel endlich zu seiner alten Form zurückfinden würde. Schließlich sollte es sich bei „Windtalkers“ um einen Kriegsfilm handeln, und da hatte er ja mit „Bullet in the Head“ schon mal einen sehr guten abgeliefert.
Doch irgendwie scheint es diesmal, wie bei fast allen seinen Hollywoodfilmen, wieder nicht richtig zu funktionieren. Der Film hat zwar kein gravierendes Manko, was ihn in den Abgrund zieht, wirkt aber dafür einfach nicht mehr wie seine früheren Meisterwerke und hebt sich nicht mehr sonderlich von anderen Hollywood Filmen ab. Aber fangen wir von vorne an...
Da wäre erst einmal die Story, die ein bisher unbeachtetes Kapitel der amerikanischen Kriegsgeschichte, nämlich die Navajo-Indianer und ihre Code-Sprache behandelt. Oder besser gesagt werden diese eigentlich nur als Aufhänger für eine Woo typische Geschichte von Freundschaft, Ehre und Mut benutzt, um die sich der ganze Film dreht. Und hier liegt auch gleich das erste Problem, welches meiner Meinung nach keins hätte sein müssen:
Die Charaktere werden viel zu wenig ausgearbeitet, sind teilweise einfach nur wandelnde Klischees und erreichen nicht einmal annähernd die Tiefe, die die Personen in Woo’s anderen Werken haben, wodurch die Geschichte eben einfach nicht richtig wirkt. Nehmen wir zum Beispiel die zart angedeutete Liebesgeschichte zwischen Nicolas Cage und der Krankenschwester: Nur in ein paar ganz kurzen Szenen merkt man überhaupt, dass zwischen den beiden was läuft! Auch die Liebesbriefe, die sie ihm an die Front schreibt, und die akustisch, ähnlich „Dem schmalen Grat“ einmal über das laufende Kampfgeschehen gelegt werden , wirken deplaziert, da man gar nichts von der innigen Beziehung, die die beiden ja haben müssten, wenn sie sich schon solche Briefe schreibt, mitgekriegt hat. Dass das aber nicht allein Woo’s Schuld ist, bemerkt man, wenn man sich ein paar Hintergrundinformationen zum Film besorgt. Dieser musste nämlich (wieder mal) vor dem Kinostart vom Regisseur um einige Handlungsszenen erleichtert werden, da er sonst zu lang geworden wäre. Im Trailer sieht man einige dieser Szenen noch andeutungsweise.
Die Charakterentwicklung bleibt also auf der Strecke, nur manchmal kann man erahnen, was möglich gewesen wäre wenn... Wo wir gerade bei den Charakteren sind, ich halte Nicolas Cage für eine krasse Fehlbesetzung und für das größte Manko von Windtalkers. Er läuft den ganzen Film lang mit diesem „Ihr kotzt mich alle an!“ Gesicht herum und schafft es seltsamerweise nie, seiner Figur irgendeine Art von Tiefe zu geben. Da er aber nun mal die Hauptrolle spielt, wirkt sich das sehr negativ auf das Gesamtbild aus. Was mich außerdem noch gestört hatte, war sein Rollenname: Joe Anderson. Sind den Drehbuchschreibern die Namen ausgegangen?? Immer wenn die Soldaten „Hey, Joe!“ riefen, hatte man fast das Gefühl, in einem drittklassigen Western zu sein, was wiederum unfreiwillig komisch wirkte. Christian Slater spielt sein Rolle gut, aber leider recht blass und fast schon zu positiv, ohne Ecken und Kanten. Genauso sieht’s bei den Indianern aus, die im Gegensatz zu den amerikanischen Soldaten sozusagen die „perfekten“ Menschen darstellen. Hier driftet der Film auch leider öfters in Klischees ab. Es ist zwar toll, wenn Woo das Rassismusproblem in Amerika anspricht, aber doch bitte nicht so! Während die Amerikaner den lieben Indianer am Anfang noch total feindlich gesinnt sind, sind sie am Ende die dicksten Freunde, was einfach unglaubwürdig wirkt.
Mit einem richtigen Anti-Kriegsfilm hat „Windtalkers“ übrigens nicht sonderlich viel zu tun, dazu ist er einfach zu unrealistisch und zu oberflächlich. Aber gegen Ersteres ist ja eigentlich nichts einzuwenden, da es John Woo immer nur darum geht, eine gute Geschichte zu erzählen und kein historisch realistisches Abbild der Zeit zu präsentieren. Doch da eben die Geschichte hier auf der Strecke bleibt, funktioniert das ganze nicht mehr, und der Film verkommt teilweise zu einem einfachen Action-Gestampfe. Dieses ist natürlich, auch wenn auf Zeitlupenschießereien verzichtet wurde, sehr gut inszeniert, aber nicht spannend und sehr unrealistisch (besonders die seltsamen Granatenexplosionen, die manchmal gigantische Feuerbälle und manchmal nur kleine Rauchwolken sind). Teilweise wirkt es auch leider einfach nur noch blödsinnig, wie zum Beispiel in der ersten kleinen Schlacht, wo die Amerikaner anstatt Deckung zu suchen, aufstehen und sich erschießen lassen. Später übernehmen diesen Part die Japaner, die hier, besonders gegen Ende hin, einfach nur als Kanonenfutter dienen. Nicolas Cage, der in diesem Film Störenderweise mit seiner MG immer nur aus der Hüfte schießt (im Gegensatz zu den meisten anderen Schauspielern), mäht die Feinde reihenweise nieder, während diese ihn nie treffen.
Der Film weiß also nicht richtig was er will und muss sich letztendlich mit dem Status „Actionfilm“ zufrieden geben, was für einen Woo Film meiner Meinung nach einfach zu wenig ist.
Bei all den negativen Punkten muss ich jetzt aber auch mal das große Plus des Films erwähnen, die traumhafte Kameraführung! Die Kamera ist sehr dynamisch, steht nie still und versetzt den Zuschauer so mitten in das Geschehen. Außerdem gibt es wenige Schnitte, so dass alles wie aus einem Guss wirkt. Also selbst wenn man den Rest des Films langweilig findet, an den Bildkompositionen und Kameraeinstellungen und -schwenks kann man sich einfach nicht satt sehen.
Für die Musik verpflichtete Woo James Horner, der hier ein echtes Armutszeugnis abliefert. Der Soundtrack ist eine platte Kopie alter Filmmusiken von ihm (zum Beispiel von „Duell – Enemy at the gates“) und ist stellenweise extrem unpassend, da entweder zu laut, heldenhaft und bombastisch oder einfach zu kitschig. Hier wäre etwas differenziertere, leisere, hintergründigere Musik mehr angebracht gewesen.
Nunja, insgesamt ist Windtalkers ein durchwachsener Film, der mit einigen Problemchen zu kämpfen hat, sich aber doch recht wacker zu schlagen weiß und wenigstens gute Unterhaltung mit einem Fünkchen Anspruch darstellt.
6/10

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