Review
von Alex Kiensch
Im Horror-Genre kommt es öfters vor, dass Filmtitel mit Namen großer Regisseure oder Produzenten werben, obwohl diese nur bedingt an der Entstehung des Films beteiligt waren. Ähnlich dürfte es sich auch bei dem Low-Budget-Streifen "Clive Barkers Die Seuche" verhalten: Zwar basiert der Film auf einer Erzählung des Schriftstellers und Regisseurs, aber bei der Verfilmung war er nur einer der zahlreichen Produzenten. Dass Story und Inszenierung nicht von ihm inspiriert wurden, merkt man dem müden Film ziemlich schnell an.
Erzählt wird die Geschichte einer mysteriösen Katastrophe: Eines Tages fallen weltweit alle Kinder unter neun Jahren in ein Koma, aus dem sie zehn Jahre nicht mehr erwachen. Niemand hat eine Erklärung, niemand ein Gegenmittel. Völlig unvorhergesehen erwachen die Kinder schließlich doch wieder - haben sich aber in brutale Zombies verwandelt, die nun gnadenlos Jagd auf die Menschheit machen. Ein verzweifelter Kampf ums Überleben beginnt.
Und bei diesem Kampf bleibt es auch. Wer irgendeine Form von Erklärung oder Auflösung erwartet, läuft hier zielgerichtet ins Leere. Nachdem der Film in der ersten Viertelstunde eine durchaus düstere und bedrohliche Atmosphäre der Verunsicherung aufgebaut hat, beschränkt er sich spätestens mit Erwachen der mittlerweile erwachsenen Kinder auf eine simple Zombiefilm-Dramaturgie. Die Überlebenden verstecken sich vor den marodierenden Banden, flüchten, kämpfen und verstecken sich wieder - und hin und wieder bleibt natürlich jemand auf der Strecke. Das ist in einer Handvoll Szenen tatsächlich düster und etwas spannend, und auch die eine oder andere Schockszene lässt effektiv zusammenzucken. Diese erfolgreichen Horror-Sequenzen bleiben aber in der Minderheit. Die meiste Zeit plätschert die Handlung lustlos und überraschungsfrei vor sich hin. Und da hier auch nicht auf besonders heftige Gewaltexzesse Wert gelegt wird, bietet sich dem Genre-Freund eigentlich gar kein echter Höhepunkt.
Dafür macht sich die Story, wie bereits gesagt, nicht die Mühe, irgendetwas zu erklären. Gegen Ende werden immer mehr Mystik-Elemente eingeführt und das Finale soll wohl irgendeine Art esoterische Lösung in Form einer seltsamen, von einem Priester hinterlassenen Nachricht bieten, aber von logischen Zusammenhängen oder irgendeiner Art Begründung bleibt "Die Seuche" kilometerweit entfernt. Was im Zombie-Genre ja nicht ungewöhnlich ist; aber wo etwa die Zombie-Urmutter "The night of the living dead" das Fehlen einer echten Erklärung bewusst als Verunsicherungstaktik des Zuschauers einsetzte, hat man hier das Gefühl, dass die Drehbuchautoren einfach keine Lust mehr hatten. Oder keine Ideen.
Zumal "Die Seuche" ja auch kein reinrassiger Zombiefilm ist. Die Kinder fressen die Menschen nicht, sondern töten sie einfach und rauben ihnen (anscheinend) ihre Seelen. Dieser orientierungslose Genre-Hybrid vermengt dabei allerhand Grusel- und Mystery-Elemente sowie Motive aus Filmen wie "Das Dorf der Verdammten", ohne je eine einheitliche Richtung zu finden - geschweige denn ein eigenes Ganzes zu werden. Das alles wird mit meist uninspirierter Kameraführung, mittelmäßigen Darstellern und belanglosen, klischeehaften Dialogen umgesetzt. Von einem Horrorfilm, bei dem der Name Clive Barker drauf steht, kann man gewiss Originelleres erwarten.