Das Cabinet des Dr. Caligari von Robert Wiene ist einer der großen Horrorklassiker des frühen deutschen Films. Seine Inszenierung inspiriert bis heute Filme.
Im Jahr 2005 wurde das Remake gedreht. Per Computer und Green-Screen wurden die neuen Darsteller in die alten Settings hineinkopiert. Das sieht meist sehr toll aus, nur in einigen Szenen, als sich etwa der Somnambule an einer Wand entlang bewegt, ist zu erkennen, dass diese Wand beim Dreh nicht existiert hat.
Im Grunde versucht die Neuverfilmung die erste Version nachzuerzählen, möglichst nah am Original. Das gelingt auch über weite Strecken, die neu geschriebenen Dialoge ergänzen die Schrifttafeln des Originals gut, ohne dabei originell zu sein.
Optisch ist David Lee Fishers Remake durchaus gelungen, nur der Weichzeichner - besonders auf den Gesichtern der Protagonisten erkennbar - nervt auf die Dauer.
Die Darsteller machen ihre Sache gut. Vor allem ist Daamen J. Krall als Dr. Caligari hervorzuheben, denn seine Darstellung ist grandios und kann sich mit dem Original messen. Kralls sonore Stimme verleiht Dr. Caligari endlich ein bösärtige Akutsik. Auch der Sound passt gut zum Film.
Insgesamt ist die Neuverfilmung ein guter Einstieg für all diejenigen, die mit Stummfilmen nichts anfangen können. sich aber der filmsichen Asthetik des Originals widmen möchten. Denn diese ist sehenswert und unübertroffen. Für die Cineasten ist das Remake eine Ergänzung der eigenen Filmsammlung und sicher kein Fehlkauf - aber auch kein Muss. Die DVD gibt es für relativ wenig Geld leider nur in Amerika, läuft aber auch auf deutschen Playern.
Fazit: Fishers Remake ist im Grunde ein Film, den die Welt nicht braucht, denn das Original ist nun mal das Original und unerreichbar. Dennoch hat das Remake seinen Zauber, ist technisch gelungen und sicher eine willkommene Abwechslung, den Film mit Ton zu sehen. Auch wenn ihn keiner braucht, ist er sehenswert.
6/10