Review

Irgendwie erinnert der Boom an Verfilmungen von "Werken" des vor einigen Jahren verstorbenen Thriller-Autoren Robert Ludlum ein bißchen an das Schicksal des schon länger verblichenen Kollegen Ian Fleming: Aus - so empfinde ich das jedenfalls - eher biederen Romanen und teilweise nur Fragmenten werden trendige Thriller, die mit den Vorlagen wenig bis gar nichts zu tun haben. Im Kino hat das zuletzt mit den "Bourne"-Filmen zumindest kommerziell funktioniert; der Versuch, mit einer Umsetzung der posthumen "Covert One"-Stories televisionär gleichzuziehen, bleibt dagegen allenfalls solides Mittelmaß, kann zu aktuellen Spitzenserien wie "24" nicht aufschließen.

Vielleicht liegts ja am Thema, denn auch hier gilt: "Jack Bauer was already here". Ein gefährlicher Killervirus bedroht mal wieder die armen, armen USA, und wenn schon nicht die CTU zur Stelle ist , dann "Covert One" (klingt in der deutschen TV-Synchro irgendwie doof, so wie "Koowärt"). Für diese streng geheime (was sonst) Supertruppe treten an Stephen Dorff als Ex-Agent John Smith (!), Mira Sorvino als Natürlich-Nicht-Verräterin, und ein paar dubiose Hintermänner. Potentielle Bösewichter sind die üblichen Verdächtigen, soll heißen reichlich Araber, die gewohnten Falschspieler, die CIA und ein Pharma-Konzern.

165 Minuten Spannung aus einem derart bewährten (oder abgehangenen ?) Szenario zu gewinnen, sollte eigentlich nicht zu schwer sein, gelingt dies den Serienkollegen doch über fast 1000 Minuten, und das schon mehrere Staffeln lang. So recht will es hier aber nicht hinhauen; die Exposition (in der deutschen Aufteilung: die erste Folge) baut zwar ansehnlich Spannung auf, braucht dafür aber arg lange. In der zweiten Folge überschlagen sich dann die Ereignisse, innerhalb von gerade mal 15 Filmminuten sind die Protagonisten ist den USA, Afghanistan und wieder in den USA. Bösewichte laufen zwar reihenweise herum, wer dabei aber genau welche Rolle spielt, was das Ganze im Einzelnen nun soll und wie die Sache nun endgültig gelöst wird, wird allenfalls andeutungsweise und zu guten Teilen gar nicht geklärt (nur mal als Beispiel: Wer hat den Killer geschickt, der von Sorvino in der U-Bahn gegrillt wird ? Und wer die schwarze Spionin in dem Militärlabor ? ).

O.K., Thriller können verwirrend, aber trotzdem gut sein, das weiß man spätestens seit den 3 Tagen des Condor. Dazu muss aber das Timing stimmen, die Action allemal, spannende Einzelsituationen lassen über Logikschwächen schon mal hinwegsehen. Fangen wir mal mit den Action-Szenen an: Außer einer mittelmäßigen und dramaturgisch mal wieder eher unerklärlichen Autoverfolgung wird da über die gesamte Laufzeit nicht allzuviel zu geboten. Es werden zwar reichlich Leute gekillt, meist aber so fix, dass von Action kaum gesprochen werden kann, Dorff als potentielle Zentralfigur bleibt irgendwie verblüffend untätig (mal verglichen mit Kollege Sutherland), und die Katastrophenelemente (der Virusausbruch) werden erst gar nicht visualisiert. Im eher mauen Finale darf dann noch ein einsamer Alibi-Badguy erschossen werden (oder auch nicht, ich befürchte ein Sequel), das wars.

Gänzlich unspannend ist das zugegeben alles nicht. Der visuelle Stil ist nicht übel, irgendwo zwischen dem überhektischen "Bourne 2" und der eher altmodischen TV-Schule. Ein paar Einzelszenen sind ansehnlich; insbesondere wenn Sorvino durch Europa gehetzt wird, ergeben sich einige brauchbare Thrills (mit eher geringem Realitätsgehalt, aber bitte ...). Irgendwie wartet man nach der ersten Hälfte durchaus mit einer gewissen Ungeduld, dass die verschiedenen Handlungsstränge, insbesondere der mit Dorff und der mit Sorvino endlich zusammengeführt werden und dabei auch so einiges erklärt wird (letzteres eher eine vergeblich Hoffnung). In dem Augenblick, in dem die beiden in Afghanistan dann endlich zusammentreffen, ist die Luft aus der Sache aber schlagartig raus. Weder die Rache-Story noch die Frage, wer Sorvino hereinlegen wollte, werden zu einem sinnvollen Schluss geführt.

Und schauspielerisch ? Eher "Na, ja". Dorff als Held ist schon gewöhnungsbedürftig, und bei Sorvino frage ich mich seit längerem, wie die mal einen Oskar bekommen konnte. Aber vielleicht liegts ja auch an der mäßigen deutschen Synchronisation, dass einige der Helden eher wie Pappkameraden klingen. Verlässliche Nebendarsteller wie Colm Meaney oder Anjelica Huston reißen das aber teilweise wieder raus.

Fazit: Modisch herausgeputzte, aber doch nur mittelmäßige Verfilmung eines ziemlich überschätzten Thriller-Autors - und so gesehen dann schon wieder eine adäquate Umsetzung. Vom Spannungsaufbau her gar nicht übel, aber spätestens zur Halbzeit, wenns eigentlich richtig losgehen soll, ist die Luft schon fast wieder raus, werden die Handlungsfäden entweder blitzartig abgehakt oder völlig in der Luft hängen gelassen.
Und nun Sie, Mr. Bauer.

Details
Ähnliche Filme