College-Komödien und kein Ende…
Fünf Jahre nach dem ultraflachen Brachialklaumauk „Van Wilder“ schob man jetzt ein Sequel nach, allerdings mit einem beinahe restlos veränderten Cast. Der im ersten Teil als Nebendarsteller agierende Kal Penn wird nun in die Hauptrolle gerückt nachdem Hauptdarsteller Ryan Reynolds genauso wie Tara Reid nicht mehr zu haben war (rein storytechnisch aufgrund des Filmendes in Teil 1 aber auch ganz logisch nicht mehr dabei). Sowohl der Perspektivenwechsel des Hauptprotagonisten als auch das nach England gewechselte Setting heben die Fortsetzung überraschenderweise deutlich über den schwachen Erstling. „Party Animals 2“ ist eine solide Produktion mit dem Label National Lampoon und kann trotz extremer Substanzlosigkeit routiniert unterhalten. Das liegt vor allem an Kal Penn, der seine Rolle inzwischen perfektionierte und auch in „Harold & Kumar“ die prinzipiell gleiche Figur verkörperte.
Auch im zweiten Teil kann man sich trotz deutlich gesteigertem Niveau eine gewisse Portion Gross-Out nicht verkneifen und lässt abermals Hundesperma fließen, begibt sich aber nicht in die Niederungen, die man im Vorgänger geradezu zelebrierte. Wer erinnert sich nicht an die abartige ‚Hundespermasequenz’ und die plumpe Überschreitung der Ekelgrenze, in der sich jene Szene abgrundtief suhlte. Solch maßlose Entgleisungen finden sich glücklicherweise nicht mehr in „Van Wilder 2“, auch mit Kiffer- und Sex-Witzchen hält sich das Drehbuch von David Drew Gallagher (bisher nur als Schauspieler in Erscheinung getreten) angenehm zurück. Vielmehr bauen zahlreiche Witze auf den unterschiedlichen Akzenten und dem daraus resultierenden Wortwitz – hochgestochenes Englisch trifft hier auf indischen, irischen und herben Cockneyakzent.
Oftmals wird diesem Humor, dem sich „Van Wilder 2“ ausgiebig bedient, als rassistisch verunglimpft da angeblich Minoritätenklischees bösartig ausgebeutet werden. Ein solcher Vorwurf greift zumindest in vorliegendem Film keineswegs da sich die Witze gekonnt auf den kulturellen Background seiner Protagonisten beziehen ohne natürlich jemals einen Anspruch an den Zuschauer zu setzen. Im Übrigen ist die Besetzung gut gewählt und die College-Atmosphäre bestens eingefangen, die Figuren sind (typisch für National Lampoon) haltlos überzogen, basieren aber wie immer auf realen Klischeebildern, die jeder von uns aus dem eigenen Leben kennt.
Mort Nathan (hat bereits jahrelange Erfahrung als Drehbuchautor von mittelprächtigen Komödien und Sitcoms) inszeniert seinen Film temporeich und lässt keine Langeweile aufkommen, auch wenn es keinerlei Überraschungen gibt. Dennoch beweist er ein besseres Timing als in seinem unsäglichen Debüt „Boat Trip“, lässt seinen gut gelaunten Darstellern viel Freiheit zur Entfaltung. So gefällt der Film nicht durch seine einfallslose Story, kann aber in den gelungensten Szenen für einige laute Lacher sorgen. Leider bleibt aber immer noch „Animal House“ der einzig wahre Film, der den Geist von National Lampoon erfolgreich in einem guten Spielfilm auszudrücken wusste.
Fazit: Wenn auch keine echte Bereicherung für das Genre, lässt „Van Wilder 2“ zumindest den ersten Teil weit hinter sich ohne selbst nennenswerte Akzente setzen zu können. Aufgrund ausgelassener Atmosphäre, abwechslungsreichem Soundtrack und einem gut aufgelegten Kal Penn in der Hauptrolle kann man sich den Film zwischendurch ansehen ohne größeren geistigen Schaden davon zu tragen, sofern man keinen allzu hohen Anspruch an den flachen Humor setzt. Seine Zielgruppe dürfte er aber allemal erreichen.
4,5 / 10