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Was erfolgreich ist, bekommt ein Sequel – selbst, wenn es sich beim Original um eine Parodie handelt. So geschehen auch bei der „Return of the Living Dead“-Reihe, die mit der Zeit ihre eigenen Charakteristika entfaltete und auch für sich selbst sprach anstatt für ein ganzes Genre.

Trotz der ziemlich endgültig erscheinenden, abrupten Pointe aus dem ersten Teil war es nicht sehr schwer, sich eine Fortsetzung zurechtzubiegen. Herausgekommen ist dabei letztendlich eine Mischung aus dem bewährten Rezept des Vorgängers und Kleinstadtidyllenhorror-Elementen. Die Gefahr geht mal wieder von einem der ominösen Militärkanister aus, die diesmal nicht in der Leichenhalle gelagert und von zwei dusseligen Mitarbeitern aus Versehen geöffnet wird, sondern der beim Transport vom Laster gefallen ist und kurze Zeit später von spielenden Kindern in einem alten Abwasserrohr gefunden wird. Dementsprechend mausert sich dann auch ein kleiner Knirps zum Hauptdarsteller des Films, was immer Geschmacksache ist, auf jeden Fall aber große Überraschungen verhindert. Mit anderen Worten, und da verrate ich wohl nicht zu viel, dieser Hauptdarsteller wird überleben. Überhaupt ist die Auswahl der Zombieopfer sehr vorhersehbar, weil die Gehirn-Lieferer meist nach ihren Sünden auserkoren werden. Was nicht mehr bedeutet, als dass derjenige seinen Kopf hinhalten darf, der zuvor irgendetwas verbrochen hat. Und zur Erhöhung der Opferzahl erwischt es außerdem noch ein paar Unschuldige, die sich aber dumm und naiv verhalten. Wer also lieber Opferrätsel spielen will, sollte sich den atmosphärisch ähnlichen „Der Blob“ zu Gemüte führen, der da weitaus unberechenbarer zu Werke geht.

Die Figuren sind für sich genommen gar nicht mal so uninteressant, allerdings kommen einem viele davon aus dem ersten Teil bekannt vor. Das gilt vor allem für die Grabräuber, als da wären ein alter Gauner, der quasi deckungsgleich mit dem Leichenhallenarbeiter ist, sein unentschlossener Gehilfe, der ebenso mit seinem Pendant, dem trotteligen Leichenhallen-Neuling übereinstimmt und seine Freundin, die funktional gesehen genauso die Freundin des Leichenhallen-Neulings sein könnte und optisch mit ihren roten Haaren sogar an die nackte Frau aus der Punk-Clique erinnert. Weiterhin steht ihnen sogar das gleiche Schicksal bevor, nämlich der Tod bei lebendigem Leibe. Übrigens wurde der alte Gauner im Deutschen von Norbert Gastell synchronisiert, und zwar mit einer sehr weinerlichen Stimme, weshalb man beim Ansehen des Films glaubt, man hätte die berühmte Zombie-Halloween-Episode der Simpsons im DVD-Player.

Die parodistischen Elemente halten sich weitestgehend in Grenzen und beziehen sich überwiegend auf das Original, das logischerweise mehr als nur eine Hommage erlebt. Der schleimige, schwarze Wackelzombie feiert ein kurzes, aber knackiges Comeback, die „Gehirn!“-Schreie ziehen sich durch den gesamten Film, und Zombie-Design sowie Atmosphäre werden dem Original ebenfalls gerecht. Wie schon dort spielt sich auch hier ein Großteil des Films in der Nacht ab, was die Möglichkeit gibt für eine große Anzahl an Schlüsselbildern. Hervorstechend dürfte das Bild sein, bei dem die Toten nachts aus ihren Gräbern kriechen – eine Szenerie, die nicht umsonst auch bei der besagten Simpsons-Halloween-Episode parodiert wurde, weil sie eben als Inbegriff für das Zombie-Subgenre gilt. Typisch für die „Return...“-Reihe wird das Ganze frech mit humoristischen Einlagen gewürzt, die wiederum an „Armee der Finsternis“ erinnern – wie etwa, wenn ein Zombie aus seinem Grab kriechen will und ihm von anderen umherschleichenden Zombies ständig auf die Hand und den Kopf getreten wird.
Was nun speziellere Werke betrifft, werden parodistische Elemente sehr spärlich eingesetzt. Am Ende ist kurz eine Anspielung auf das berüchtigte „Thriller“-Video von Michael Jackson zu erblicken, ansonsten bleibt das Aufbahren von Klischees zu parodistischen Zwecken zu allgemein, um etwas Spezielles anzusprechen.

Geändert hat sich im Gegensatz zum Vorgänger, dass die Zombies an Schnelligkeit verloren haben, was sicherlich positiv aufgefasst werden kann. Denn erstens kann der wackelige und schlabbrige Gang der Untoten mehrmals zum Lachen anregen. Zweitens wird dadurch der Bezug zum Genre deutlicher, wie es bis dato war. Flinke Zombies in Parodien sind etwas für die neue Generation wie „Shaun of the Dead“, das auf ein Pensum zurückgreifen kann, welches bereits „28 Days Later“ und das „Dawn“-Remake umfasst.
Weiterhin ist aber das facettenreiche Design der lebenden Toten der große Trumpf der Reihe. Sieben oder acht Zombies sind sogar noch weitaus charakterstärker als der ein oder andere lebende Beteiligte, und selbst die gesichtslose Meute hat eine sehr schöne Maske mit verschiedensten Verwesungsstadien abbekommen. Relativ unblutig, aber trotzdem sehr eklig werden die Viecher zudem zur Strecke gebracht: Faust in den Kopf, Kiefer-Abriss, Kopfschüsse, Stange durch den Bauch und auf den Schädel, Kopf ab, Säure ins Gesicht, und letztendlich der Halbierer und die Idee mit den laufenden Beinen mit Rückgrat, die später in „Undead“ wieder aufgegriffen wurde. Dagegen stellen sich die Zombies gemäß ihres Zieles („Gehirrrrrrrn!!!“) richtig unkreativ an, indem sie nur daran interessiert sind, den Menschenschädel zu knacken.

Strukturell bewegt sich der Film in episodenhaften Zyklen, teils mit Parallelmontagen, um die Wege der einzelnen Protagonisten zusammen- oder auseinanderzuführen. Es handelt sich weniger um eine Verbarrikadierung in einem Refugium, sondern vielmehr um eine abwechslungsreiche Flucht im Freien durch die ganze Kleinstadt. Inklusive Familienhausbelagerung, Flucht über den Friedhof, Flucht durch die einzelnen Etagen eines Krankenhauses, Autofahrten etc. Das gibt die Gelegenheit für ein paar wirklich kreative Aufeinandertreffen mit den untoten Geschöpfen. Im Auto werden die Insassen beispielsweise von einer abgetrennten Hand belästigt, während im Krankenhaus ein Zombie am Mikrofon sitzt und die Flüchtenden herbeordert („Entschuldigung, können Sie mir sagen, wer der Präsident der Vereinigten Staaten ist?“ „Äääähmmm... Har-ry Tru-man...(Gehirrrn!)“)Die Storyline wird durch diesen Aufbau jedoch völlig unterschlagen. So kommt auch das Militär nur sporadisch zum Einsatz. Alles bewegt sich um die Fluchtsituation und mündet in einem „elektrisierenden“ Finale, ohne dass irgend ein weiterer Sinn erkennbar wäre. Aber das muss ja auch nicht immer sein.

So ist „Return of the Living Dead Part II“ mit seinen 86 Minuten Laufzeit eine kurzweilige, nicht allzu blutige Angelegenheit, die außer zu Unterhalten kein höheres Ziel besitzt. Der Parodiencharakter geht etwas unter und beschränkt sich auf einzelne Schlüsselbilder, die Entwicklung der Charaktere ist leider mehr als vorhersehbar. Dafür begeistern einmal mehr die liebevoll gestalteten Zombies, die in allen erdenklichen Farben und Formen auftauchen. Man möchte nicht dafür sterben, aber nett ist's allemal.

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