Bevor die USA in den ersten Weltkrieg eintraten, wurden eine Handvoll amerikanischer Piloten gen Frankreich gesandt, um die dortige Luftwaffe zu unterstützen. Diese wenig bekannte Geschichte aus der Kriegsgeschichte wurde bisher wahrlich noch nicht filmisch aufgearbeitet, was die Produktion „Flyboys" formal erst einmal rechtfertigt. Schaut man aber auf die inhaltliche Ebene dieses promilitaristischen Machwerks, hätte man die Kinoadaption basierend auf wahren Begebenheiten lieber sein lassen sollen.
Die Story: Frankreich 1916: Einige amerikanische Freiwillige - unter ihnen der Hitzkopf Rawlings (James Franco, „Tristan & Isolde") - meldet sich freiwillig bei dem Geschwader „Lafayette Escadrille" unter Leitung von Captain Thenault (Jean Reno, „Ruby & Quentin") zur Unterstützung der Franzosen im Krieg gegen die Deutschen. Im Laufe des Krieges - während zahlreicher Luftschlachten - lernen die alle anderweitig angeknacksten jungen Männer, was Ehre, Mut und Kameradschaft bedeuten.
Die mindere Klasse von „Flyboys" offenbart sich schon, sieht man sich den letzten Satz meiner knappen Inhaltsangabe an. Ein heldenmütiger Luftkampf folgt auf den anderen, die Männer halten sich wacker, immer wieder setzt eine immer andere penetrant pathetische Musik ein, die sich als Kit durch das ganze lose Konstrukt eines Films um Liebe, Kameradschaft, böse Deutsche und Ehre zieht. Sind die gut choreografierten und einwandfrei getricksten Luftschlachten zu Beginn noch unterhaltsam und Futter für die Augen, wandeln sie sich alsbald zu einer zähen Angelegenheit, die mit ihrem übersteigerten Pathos und der Propagierung militaristischer Tugenden nur noch nerven, wenn man darüber nachdenkt. Stellt man jedoch einmal den Denkapparat aus, sind diese durchaus spannend. Die interkulturelle Liebesgeschichte wirkt aufgesetzt und spätestens in den dümmlich-albernen Dialogen und einiger Situationskomik zeigt sich, dass „Flyboys" eine ganz passable Parodie auf den Militärbetrieb hätte werden können. Doch ach, nein, der ganze Schmarrn ist auch noch ernst gemeint. Und so wirkt der Film mit seinen klischeehaften, holzschnittartigen Figuren und seiner enorm einfallslosen Dramaturgie (Schlacht, Traurig-sein-und-mit-Alkohol-die-Sorgen-wegspülen, Liebe - und das Ganze immer wieder) wie ein fragwürdiges Abziehbild so flacher Kriegsfilme wie „Pearl Harbor".
Fazit: Die Armee, sie lebe hoch. „Flyboys" ist technisch solide inszeniert, stößt aber inhaltlich aufgrund seines unverfrorenen Pathos und Patriotismus sowie der Zelebrierung militärischer Tugenden bitter auf. Schauspielerisch hat der Film aufgrund seiner Stromlinienförmigkeit auch nichts zu bieten. Ziemlich mau, wenn auch als Trash-Unterhaltung aufgrund seiner Kurzweiligkeit sehr zu empfehlen.