"Das ist unser Tag. Heute ist unser Tag."
Das Deutsche Kino hatte auch in den Sechzigern und Siebzigern starke Jahrgänge, Anfang der Achtziger ging es wieder los mit dem Erfolg beim einheimischen Publikum, ein frisches Angebot, eine neue Generation. Sogar die Genres hat man zuweilen gewechselt, sich ausprobiert, u.a. in Sachen Thriller mit mehr oder weniger Action, mit dem Schielen zu den Franzosen, die sowas bereits seit Jahren erfolgreich probiert haben und sich zum Meister aufgeschwungen, der sich selbst hinter Hollywood nicht verstecken muss. Die Katze ist einer der Beispiele für offensiveres Filmemachen, für Spektakel auch und Explosionen, für eine Gaunergeschichte, mit bösen Überraschungen, mit einigen Toten; ein 'Verbrechen lohnt sich nicht', mit lodernden Höllen:
Jutta Ehser [ Gudrun Landgrebe ], die Frau des Bankfilialleiters Herbert Ehser [ Ulrich Gebauer ], hat eine wilde Affäre mit dem mysteriösen Probek [ Götz George ]; zusammen hecken beide auch einen Plan aus, der Probeks früheren Mitarbeiter Junghein [ Heinz Hoenig ] und dessen Kumpel Britz [ Ralf Richter ] involviert. Junghein und Britz nehmen Herr Ehser zusammen mit einigen Angestellten und ersten Kunden als Geisel, um groß Geld zu erpressen. Währenddessen zieht der Kriminalbeamte Voss [ Joachim Kenner ] mit seinem Kollegen Kramer [ Uli Krohm ] und einem Sonderkommando vor der Bank auf.
Dabei beginnt alles mit Liebe, seelisch und körperlich, mit dem wahren Leben, den ausgedrückten Gefühlen, mit den 'Good Times', nicht für alle allerdings; des einen Freude ist des anderen Leid. Eine Adaption von Uwe Erichsens "Das Leben einer Katze", veröffentlicht 1984, Erichsen (der damals schon für den Tatort geschrieben hat) auch am Drehbuch beteiligt, Dominik Graf 'nur' am Filmen. Die Kontrolle wird ausgeübt und behalten, sie wird geprüft, "In zwei Stunden ist da unten Krieg.", "Dein Mann wird sich vorkommen wie im Schützengraben.", Düsseldorf spielt das wieder, ein vertrautes Terrain, die Heimat der Kämpfer und die der Verlierer. Mitte Juni '87 schreibt man hier, die Stadt im Pott erwacht, das Schwarze wird zu Grau, "Der Sound macht's", eine Anspannung, eine Androhung, woanders wird noch gesungen und gelacht. Die Industriemetropole wird in Augenschein genommen, manchmal riesig groß, oft schäbig und klein, je nach Ortsteil und Lage, je nach Person, je nach Situation, es wird rasch die Waffe gezogen, es gibt verbalen Streit. Der Funk ist bereits eifrig am Arbeiten, es wird visuell und akustisch hantiert, es werden verschiedene Anläufe und Abläufe gemacht, es wird zentral ausgegangen und bis nach Hochdahl-Millrath geschielt.
Die Zeit ist entscheidend, es wird viel auf die Uhr gesehen, Genauigkeiten vorherrschend, präzises Timing, der Zug muss erreicht werden, die Bank genau bei der Öffnung gestürmt. Belogen und betrogen wird, moralisch nicht koscher, ein Verbrechen geplant, von langer Hand ausgetüftelt, von mehreren Faktoren abhängig, eine Ausnutzung gleichermaßen, schnell die ersten Fehler. Schnell eine Überforderung. Alles wegen "Kleingeldmist", scheinbar. Es wird laut und lauter, eine Geiselnahme im Gange, jede Person ist unterschiedlich informiert, die Gefangenen ruhiger als die Banditen, ein ungünstiger Moment, die Verbrecher haben die Pistolen.
Die uniformierte Truppe ist im Anmarsch, der Innenhof geräumt, die Energie hoch, das Tempo gefördert. Per Fernrohr wird beobachtet, um Ruhe wird gebeten, ordentlich Dampf gemacht, Profis sind am Handeln, dazu Anfänger, eine schlechte Mischung, die Einsatzleitstelle eingerichtet, Cops VS Robbers, alles in Perspektiven gesetzt. Reichlich Aufwand wird hier geboten, es herrscht Chaos auf den Straßen und in den Innenräumen, die Luft wird dick, die Luft wird dünner. "Zwei verschiedene Pole auf zwei verschiedene Seiten", eine Verhandlung eingeleitet, Forderungen und Gegenleistungen, ein Nervenspiel, ein psychologisches Duell. Ein Ultimatum wird gestellt, Spezialeinheiten im Warteeinsatz, die Bankräuber haben Milch und Kaffee bloß, der Initiator wenigstens eine Minibar.
Bald kreisen die Polizeihubschrauber, Die Sieger quasi am Landen, die SEK in Position, "die Killer oben auf dem Dach", die Nervosität am Brodeln, die Nervosität auch herausgekitzelt, es wird um die Verantwortung und die Zuständigkeiten gestritten, einmal noch beim Sex abgeregt. Vertrauen herrscht hier nicht vor, es gibt Plan A und Plan B und Plan C, eine "kleine Show" wird vorgezogen, Provokationen geleistet, Theater gespielt. Hochtechnisch ist das Ganze, die Tonspur auch entscheidend, der Blick auf verschiedene Monitore, jeder spielt auf volles Risiko, die Gespräche nur Vortäuschung. Auf Schnelligkeit kommt es zuweilen an, eine Großproduktion mit der Aufmerksamkeit auf eine Handvoll Personen, industriell gefertigt, es gibt ein ineinander greifendes Zahnrad, es gibt die ersten Stunts, die Vorboten einer Katastrophe. Eine Flammenhölle am Zündeln, "Kurzschluss am Kompressor", Feuer und Rauch und qualmendes Material zieht über das Zentrum. Ideen werden angestellt, Informationen zurückgehalten oder mittendrin geändert, Fahndungsakten herumgereicht, ein Phantom gejagt. Viel herum gekraxelt wird auch, "die halbe Bank fliegt uns um die Ohren", ab da an dämmert es einigen, ab da an wird bloß noch die Misere bedient, das Unausweichliche hinausgezögert, der Anfang vom Ende, einem blutigen Intermezzo geliefert.
Ein geräumtes Edelhotel, eine Großfahndung, Regisseur Graf spielt mit Unwägbarkeiten, ein fataler Kollateralschaden. Privat und beruflich überschneiden sich ständig, mehrere toxische Beziehungen, ein System des Offiziellen, viel Kommunikation, "ein ganz normales Geschäft, Menschen gegen Geld.", mehrere Aufträge und Ansagen, und das mitten in aufsteigender Hitze. Anders als Die Sieger ist das hier konzentrierter, mit teilweise gleichen, teilweise anderen (weniger beängstigenden) Mitteln auch, es wirkt konzentrierter, verschwitzter, dafür weniger beängstigend, weniger persönlich fast, die Bearbeitung einer fremden Idee, in Handwerklichkeit auch. Zudem übernimmt hier Hoenig viel die Initiative, dort war es Knaup als Hauptdarsteller, der Rest die zweite Garde nur, hier wird gerecht aufgeteilt, jeder bekommt seinen Anteil, seinen Szenenablauf, sein Parallelgeschehen, seine Zugehörigkeit und sein Glanzstück.