Der deutsche Actionfilm fährt seine Krallen aus!
Ich weiß noch, wie ich vor über 20 Jahren damals „Die Katze“ in der Videothek meines Vertrauens (die einzige, in die ich schon mit deutlich unter 18 Jahren hineinkam!) oft zwischen John Woo und John Carpenter, zwischen „Heat“, „Dog Day Afternoon“ und „Die Klapperschlange“ einsam herumstehen sah. Doch voreingenommen, stur und dumm wie man als jugendlicher Actionfan war, zog man das bewährte Zeug aus Übersee immer und immer und immer wieder vor. Zu arg waren schon damals die Befürchtungen doch nur einen minimal härteren „Tatort“ vorgesetzt zu bekommen. Und daher hatte ich „Die Katze“ bis heute nie ganz gesehen… Und der hartgekochte Thriller stand in der Videothek nicht umsonst zwischen solchen Größen und Ballermännern, er spielt heimelig im Rheinland und erzählt von einem Banküberfall, der gehörig schief läuft…
Heist, feist und dreist!
„Die Katze“ ist ein richtig großartiges, germanisches und garstiges Brett! Erst recht wenn man deutsche Standards ansetzt. Von damals. Besonders die verweichlichten und oft schlicht genrefeindlichen von heute. Schwitzig, monochrom, stahlblau. Mit leidenschaftlichem Sex und dicken Einschusslöchern, mit Wendungen und Finten, mit Pointen und Pistolen. Götz George ist abgefuckt, abgebrüht, abgerichtet. Die Nebenfiguren und bekannten Charakterfressen wie Ralf Richter gehen komplett durch die Decke. Manche Sprüche passen auf gar keine Kuhhaut mehr. Und teilweise meint man echt Michael Mann ist sehr nah. Königsallee Düsseldorf statt Miami Vice. Sparkasse statt Nakatomi Plaza. Butterbrot statt Kaviar. Betondschungel statt Côte d’Azur. Überall spiegelnde Flächen, immer alles auf Anspannung, mit einem erstaunlich rauen Ton und brutalen Finale. „Die Katze“ hat mich mit ihren messerscharfen Beisserchen im Nacken gepackt, öfters durchgeschüttelt und über die komplette Laufzeit nicht mehr losgelassen. Gut getarnt im sohlentiefen Morast der deutschen Actionkost - und jede Wiederentdeckung wert! Auf den Spuren von „Supermarkt“, „Blutiger Freitag“ und auch italienischem Gangsterschlock. Stur, pur, eine Kur (für die geschundene und ausgetrocknete deutsche Actionkinoseele). Keine Hampelmänner, nur (Möchtegern-)Profis. „Die Katze“ ist glasklar ein freches Kind der 80er und hat sich dennoch exzellent gehalten. Rotzige Sprüche, halbautomatische Waffen, dicke Schnäuzer, leere Tresore. Alles fühlt sich echt und ungestelzt an. Gerade in Sachen Dialoge ist das eine Wohltat und Seltenheit im deutschen Kino. Then and now. Unendlich mehr als ein flacher TV-Krimi. Beste Unterhaltung. Asozialste Vibes. Das kann sich sehen, hören und fühlen lassen - selbst wenn bis zur ganz obersten Güteklasse dann vielleicht doch noch etwas Härte, Eigenständigkeit, Charaktertiefe und Bösartigkeit fehlen…
„Zu kalt zum ficken“
Fazit: sexy, hart, standfest und ballernd… „Die Katze“ ist ein deutscher Kanonenklassiker der unterkühlten und bleihaltigen 80er!