Review

Raue Cop-Action von Frankie Chan, der hier erstmal sowohl außerhalb der vorherigen Komödien- und Romanzenvarianten und sich auch gar nicht selbst, sondern den ewigen Polizistendarsteller Danny Lee in der üblichen Hauptrolle eines Officers im Alleingang inszeniert. Auch der Rest des Filmes entspricht den damals gewohnten Gegebenheiten, mit der Gewohnheit als Vorrang als auch als Aufmerksamkeit in der Inszenierung. Im Schoße der sicheren Achtziger, in der derlei robust aufgestellten Werke nicht nur in zahlreicher Anhäufung, sondern auch wie locker aus dem Ärmel geschüttelt erschienen:

Zufällig einen Waffenaufkauf von Kuo Ling-nan [ Dick Wei ] erlebend, erschießt Officer Li Ta-hsiu [ Danny Lee ] beim Einschreiten zwei dessen Männer, so dass der flüchtige Gangster prompt die Vergeltung schwört. Der Privatkrieg entbrennt, als er daraufhin ausgerechnet die Frau und das Baby des Polizisten ins Visier nimmt. Von seinem Vorgesetzten und Schwager Officer Hu Chih-yung [ Lau Chi-wing ] unterstützt, holt Li mithilfe seines diensteifrigen Kollegen Dummy [ Shing Fui-on ] den Kleinkriminellen Chu Yu-tsai [ Eric Tsang ] vorübergehend als Informanten aus dem Gefängnis und quartiert sich zu dessen Überwachung in der Wohnung seiner Modelfreundin Lina [ Nina Li Chi ] und des Schwiegervaters in spe Master Hou [ Kwan Hoi-san ] ein. Währenddessen stockt Kuo sein Arsenal mit schweren Geschütz und den Waffenbrüdern Ta Pao [ Wan Seung-lam ], Er Pao [ Paul Wong Kwan ] und San Pao [ Chung Wing ] auf.

Auch vor allem aufgrund der mangelnden Verbreitung und so fern des Zuwachses des Wissens erreicht die hiesige Lo Wei Motion Picture Co., Ltd. Produktion nicht den Bekannt- und Beliebtheitsgrad der nachfolgenden Burning Ambition (1989) bzw. The Outlaw Brothers (1990), darf sich aber in Bezug auf Machart und Umgang mit Leib und Leben und wie als übender Rohschliff durchaus zu den noch kommenden Versionen zählen. Auch hier ist zumindest am Anfang noch die Mischung schneller Lesart aus gröberen Humor und straffen Actionszenen gegeben; eine konstante Eigenart aus wenig Federlesens und schärferen Einschnitten, in der die eh schon tristen Bilder bald vollends destruktiven Charakter erreichen. So ist der Ansatz und die unterschiedliche Besetzung von hard boiled Cop Li und [hier noch anstrengenden] Komödiendarsteller Tsang de facto die beste Voraussetzung für ein buddy picture im 48 Hrs. Stil, dessen Mittel und Wege auch durchaus angedacht, dann aber eben nicht beschritten werden. Zwar gibt es zu Beginn die kleineren Reibereien zwischen den verschiedenen, allerdings voneinander abhängigen Individuen, wird aber niemals die Einsicht in dieser Paarung und auch nicht das Verständnis füreinander, sondern bloß eine für den Moment nötige Zweckgemeinschaft abseits eines Just for Fun / The Perfect Match erreicht.

Trotz zeitweiliger Bewachung rund um die Uhr und so ständiger Präsenz und nichtsdestotrotz mancher humoristisch gemeinter, aber eher brüsk und patzig wirkender Wortwechsel ist die Erzählung weiterhin die einer unbezwinglichen Einzeltat, in der der Andere nur die kurze Gastfreundschaft und auch bloß denselben Feind als Gemeinsamkeit und Zusammenhalt der Zweckgemeinschaft inne hat. Entsprechend dessen gestaltet sich dieser Abriss, geschrieben von Chan selber [im Verbund mit Joh Chung-Sing, Tony Wong Sau-hong und Chan Fai-hung] als der erwartbar ruppig angebundene Genrebeitrag mit police using violence Motiven und viel "Kollateralschaden". Das Streben nach einer Verhaftung bzw. analog dazu das Streben nach Rache bleibt im Vordergrund stehen, zu dessen Erlangung auch das Ganze der äußeren Welt zu seinen eigenstaatlichen Vorstellungen ummoduliert wird. Das absichtliche Ausnutzen und Verprügeln von Kriminellen ist dabei ebenso legitim wie das Eröffnen und Erwidern von Schusswechseln auf offener Strasse sowie das Widersetzen gegen vorher eigens gepredigte Regeln; sowieso zählt im Inhalt und in der Formulierung nicht Moral und Anstand, sondern nur die Wichtigkeit des Augenblickes. Selbst wenn dieser merkwürdig in das Extrem verzieht. [ Wie das Posen mit einer Leiche, der blutige Kinderwagen zu Beginn, oder auch einige graphische Detail wie Kopfschuss und abgerissenes Bein, die das eh schon grobe Umfeld nicht gerade weiter auflockern.]

Interessant in dem Fall sind auch zwei bis drei untypische Empfänglichkeiten für die geographische Lage, die politische und gesellschaftliche Verfassung und die mittlerweile längst vergangenen und ewig her scheinenden Bedeutung der Metropole Hong Kongs. Heute ein seichter Glitzerort im Dunstkreis von Mutterland China, wobei man sich auch immer mehr dessen filmischen Einfluss hin zur hellen Seichtigkeit angepasst hat. Hier ebenfalls blasse, aber wie abgeplatzt und weggkratzt aussehende Farben, und eine für Chan als Regisseur überraschend vortreffliche Befriedigung auch der wenigen ruhigen Stellen, in der der später nahezu gänzlich auf sich alleingestellte Criminal Hunter alkoholversunken auf einem Häuserdach über dem damalig noch vorhandenen Airport thront, während unweit davon und trotzdem gänzlich entfernt scheinend der Verbrecher seine ebenso isolierten Runden am Eisenbahntunnel zu einem Güterzuggleis dreht.

Zuguterletzt erreichen noch gerade die Actionszenen, obwohl oder auch weil anfangs recht kurz und wie im Nebenher und so scheinbar ohne näheres Interesse geraten, durch ihre Beiläufigkeit und trotzdem begreifliche Härte und Rasanz die dramaturgische Würze. Choreographiert von Phillip Kwok wird sich hier getreu Milieu und Besetzung vermehrt mit Schusswaffen, in einer ausufernden Destruktion einer beengten Wohneinheit allerdings auch mit Fäusten, einer Hellebarde und ansonsten allem verfügbar Herumstehenden und öfters im Einsatz mit reizbaren Stunts und dem Ausdruck von Schmerz und Blut duelliert. Eine einseitige Empfindungsart von plötzlich steilen Tempo, eckig forcierten Schnitt und physischen Attraktionen, in denen Feuergarben über die Verkehrszonen und in Passanten peitschen, durch Glasscheiben oder das nächste Mobiliar hinein geflogen und von Höhen herab auf Autos und Busse gesprungen wird.

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