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Einige Stoffe, die eigentlich vorgeben, Science-Fiction zu sein, erfahren mehr oder minder gewollt leider immer wieder traurige Aktualität. „Children of Men" ist ein solches Phänomen. Diese triste Zukunftswelt aus zerbombten Städten, eines allumfassenden Faschismus und Flüchtlingen sieht aus wie ein realistischer Bürgerkrieg, da beinahe gänzlich auf utopische Effekt-Spielereien verzichtet wurde. Die eigentliche Story indes könnte wiederum brisanter nicht sein.

Man schreibt das Jahr 2027. Mit Ausnahme von England ist jedes Land der Erde im Chaos versunken; Kriege und Gefechte sind an der Tagesordnung. Vor über 18 Jahren wurde - aufgrund danach plötzlich auftretender Unfruchtbarkeit - das letzte Kind geboren und die Gesellschaft droht, zu überaltern und auszusterben. In dieser Situation wird der in den Tag hinein lebende Journalist Theo (Clive Owen, "Hautnah") von Untergrundaktivistin Julian (Julianne Moore, „Hannibal") mit einer brisanten Aufgabe betraut: Er soll die schwarze illegale Einwanderin Kee in Sicherheit bringen. Nicht ahnend, dass Kee hochschwanger ist...

Eine überalternde Gesellschaft - heute traurige Gewissheit. Doch was „Harry Potter"-Regisseur Alfonso Cuarón daraus macht, ist keine wehleidige Betroffenheitsstudie, sondern ein beklemmender und packender, zuweilen brutaler Thriller mit apokalyptischer Atmosphäre. Die Action kommt dabei nicht zu kurz und „Children of Men" wartet dabei mit zwei äußerst anspruchsvollen Plansequenzen auf (mehrere Minuten lang ohne sichtbaren Schnitt), die - in Verbindung mit der teils wackeligen (Hand-)Kamera - den Eindruck von größtmöglichen Realismus noch verstärken. Die darstellerischen Glanzpunkte setzt indes nicht des eingangs erwähnte Paar Owen-Moore, sondern ein spleeniger Michael Caine („Gottes Werk und Teufels Beitrag") als kiffender Alt-Hippie. „Children of Men" gelingt es trotz dieser - spärlich gesähten - humoristischen Elemente, seinen ernsten Grundton beizubehalten und das suizidale Verhalten von Menschen zu zeigen, die den elementaren Glauben an das Leben verloren haben: Hoffnung. Bei dieser Brisanz verzeiht man einige wenige Anflüge von Pathos generiert durch die unverzichtbaren Arien-Gesänge gerne.

Fazit: Großartiges, grimmiges Sittengemälde einer Gesellschaft am Abgrund, das aktuelle Probleme beklemmend real widerspiegelt. „Children of Men" ist ein Highlight des Kino-Spätherbstes: Klug, unterhaltsam, technisch beeindruckend. Anschauen!

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