Review

Inmitten der vielen bunten, comichaften, durchgestylten und oft ironischen Sci-Fi-Filme sticht „Children of Men“ heraus, da man hier mal wieder eine düstere, ironiefreie Zukunftsvision auf die Leinwände bringt.
In dieser Bebilderung der Zukunft ist die Menschheit mal wieder am Rande einer Katastrophe, seit 18 Jahren wurde kein Kind mehr geboren. Doch anstatt wie so viele artverwandte Filme direkt die Postapokalypse im „Mad Max“-Stil auszurufen, bleibt „Children of Men“ erstaunlich normal. In vielen Staaten regiert der Terror, aber nicht in so großem Stil, in Großbritannien geht sogar alles seinen normalen Gang. Lediglich die verstärkte Militärpräsenz, die vor allem Immigranten abhalten soll, die dort nach einem ruhigeren Leben suchen – natürlich in großer Zahl.
Gegen das rigide System lehnen sich natürlich Revoluzzer auf – Theo Faron (Clive Owen) war früher einer von ihnen, ist jedoch nach Schicksalsschlägen ausgestiegen, hat inzwischen sogar gute Verbindung zu hohen Stellen. Aus diesem Grund tritt auch seine Ex-Frau Julian (Julianne Moore), immer noch im Untergrund aktiv, an ihn heran mit der Bitte Transitpapiere für eine junge Frau zu besorgen. An dieser Stelle tritt dann das Herz des sonst so kalten und zynischen Theo zutage, der seine Ex-Frau immer noch liebt, was ihn noch menschlicher erscheinen lässt.

Theo kann die Papiere bekommen, jedoch verlangen die Auflagen, dass er die Frau, Kee (Claire-Hope Ashitey), begleitet. Dabei muss er erstaunt feststellen, dass Kee schwanger ist. Doch diverse Gruppierungen wollen dieses Wunder politisch ausschlachten und das Baby in die Hände bekommen...
Um es gleich vorwegzunehmen: „Children of Men“ ist gelungen, doch wirklich Neues sollte man von der Zukunftsvision nicht erwarten. Die Story gab es in derartiger Form schon mehrfach, gerade der B-Actioner „American Cyborg“ ist doch sehr ähnlich. Jedoch fabriziert „Children of Men“ daraus eine überzeugende Geschichte, die solide Spannung bietet und sich dabei fast vollkommen auf die Flucht konzentriert. Dabei könnte der Film hier und da etwas temporeicher sein und auch viele Ansätze bleiben leider ungenutzt. So wird die Wirkung von der Nachricht des Babys kaum angesprochen und auch diverse Hintergründe werden nur schwammig erklärt (*SPOILER* z.B. wird das Thema der Verräter in Julians Organisation und ihre Motivation nur angerissen und auf das Nötigste reduziert *SPOILER ENDE*).

Ansonsten lässt „Children of Men“ jedoch kaum Ansatz zur Kritik, was vor allem an dem konsequent durchgezogenen Szenario liegt. Großartige fantastische Einschübe kennt der Film nicht, die Erde der Zukunft sieht nur geringfügig anders aus als die der Zukunft. Die Stimmung ist jedoch düster, die farbarmen, tristen Bilder tragen noch zum Flair bei und bei dieser Atmosphäre ist „Children of Men“ auch so strikt, dass man weder auf ein Happy End spekuliert oder die beliebte Erlösermythologie verbreitet wird (trotz einer andächtigen Szene in dieser Richtung kurz vor Ende).
Ebenfalls fantastisch ist die Kameraarbeit: Minutenlange Fahrten ohne Schnitt, eine davon in einem Auto, wofür man dann sogar ein Spezialauto baute, damit diese Kamerafahrt überhaupt erst möglich wurde. Ein weiteres Highlight ist sicherlich das Finale, in dem die Kamera Theo auch über lange Strecken ohne Schnitt folgt. Zudem ist das Finale packend gemacht, zeigt die Ausschreitungen in der Zukunft irgendwo zwischen Action und Abschreckung, doch trifft diesen schmalen Grat wirklich stilsicher.

Was „Children of Men“ jedoch ebenfalls auszeichnet ist seine starke Hauptfigur: Anfangs ist Theo noch der vom Leben gezeichnete, dem es im Gegensatz zum Rest der Menschheit egal ist, dass der bis dato jüngste Mensch der Welt bei Ausschreitungen nach einem Autogrammwunsch zu Tode kam – er nimmt sich deswegen aber trotzdem frei. Nach und nach kehrt seine menschliche Seite zurück, er muss sich als Revolutionär und quasi auch als Vater versuchen, obwohl er beide Tätigkeiten nach einem Schicksalsschlag niederlegte. Bei seiner Reise wird er jedoch gezeichnet, verliert was ihm lieb und teuer ist und hat auch seine schwachen Momente (ergreifend: das Begräbnis im Wald).
Letztere Qualität geht dann vor allem auf das famose Schauspiel Clive Owens zurück, der den Film über weite Strecken einfach allein tragen kann und den Rest der Besetzung an die Wand spielt. Julianne Moore ist OK, Michael Caine dreht in einer Nebenrolle richtig auf, doch ansonsten ist der Rest vom Fest eher auf solidem Niveau ohne wirklich herauszuragen.

Neu ist die Geschichte von „Children of Men“ nicht unbedingt und teilweise hätte man den Film auch spannender gestalten können, doch dank der famosen Inszenierung, einer genial erdachten und ebenso gut gespielten Hauptfigur und der stimmigen Atmosphäre bietet „Children of Men“ wirklich gelungenes Kino.

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