Im Jahr 2027 ist die Welt endgültig am Ende. Knapp 19 Jahre sind vergangen, seitdem das letzte Kind geboren wurde. Die Menschen leben in Lethargie und wachsender Anarchie. Großbritannien hat sich in einen Polizeistaat verwandelt, der mit allen Mitteln versucht, die sich verflüchtigende Ordnung aufrecht zu erhalten. Flüchtlinge, die aus dem nahezu komplett dem Chaos verfallen Resteuropa nach England zu gelangen suchen, werden eingesperrt und in ghettohafte Vororte deportiert. Auch Theo (Clive Owen) lebt in dieser Welt stumpf vor sich hin. Bis eines Tages seine Ex-Freundin Julianne (Julianne Moore) auftaucht und ihn um einen (gut bezahlten) Gefallen bittet: Er soll seine politischen Beziehungen spielen lassen, um Transitpapiere für die farbige Kee (Clare-Hope Ashitey) zu besorgen. Problem Nummer 1: Kee ist ein "Fuji" bzw. Flüchtling, der bei Entdeckung sofort in einem der Lager landen würde. Problem Nummer 2: Sie ist schwanger! Und vielleicht eine neue Hoffnung.
Ich verstehe weder die gesamten positiven Reviews bei ofdb, noch wie die wirklich gute Ausgangssituation, inklusive der durchaus interessanten Optik, so dermaßen in den Sand gesetzt werden konnte. Der Film zerstört sich von Beginn an durch zwei Dinge nahezu selbst. Zunächst schießt er einen Logikbock nach dem anderen. Die Fehler sind so unglaublich offensichtlich, daß sie sogar dem geneigtesten, anspruchslosesten Alleskonsumierer auffallen und dem Film nach spätestens 10 Minuten jeglichen Sinn und jeglichen nachvollziebaren Zusammenhang rauben. Warum Theo? Warum Transit-Papiere? Warum wollen die Rebellen Theo plötzlich töten? Was will die diktatorische Obrigkeit eigentlich? Was is das für ein hirnrissiges Verhältnis zu Julianne Moore? Was soll Michael Caine sein? Warum hockt die Tussi im Rollstuhl? Warum, wieso, weshalb. Die Liste ist endlos. Diese Fragen führen dann auch direkt zum nächsten Problem: Die Motivation der Personen. Die Beweggründe warum gerade etwas beschlossen oder gemacht wird sind konsequent unverständlich, unlogisch und absolut nicht nachvollziehbar. Clive Owen ist eine Null, sein Cousin sammelt Kunst (aus Gaudi?), eine Zigeunerin hilft halt einfach weil sie GUT ist, der werdenden Mutter ist es ziemlich wurscht, daß sie das erste Baby seit 18 Jahren auf die Welt bringt, die Rebellen sind halt Rebellen gegen das System. Zugegeben irgendwann wird mal angeschnitten, daß sie das Baby als Druckmittel für die Gleichberechtigung von Flüchtlingen einsetzen wollen. Aber das ist eine Randnotiz. Den Großteil des Films wird man mit blinkenden Fragezeichen über dem Kopf verbringen, die sich so langsam in stechende Unzufriedenheit in der Magengegend verwandeln.
Das allein tritt den Film schon ins Mittelmaß. Aber es gibt ja noch mehr. Clive Owen steht die Bocklosigkeit auf diesen Film förmlich ins Gesicht gemeißelt. Er stapft unmotiviert durch die (viel zu oberflächlich gezeichnete) Endzeitwelt und macht halt alles was man ihm sagt. Julianne Moore darf nach einem (wie so oft in dem Film) sinnlosen Auftritt und nach Ableisten einer der peinlichsten Szenen des Films (Tischtennisball) mal schnell wegsterben. Kee dürfte in die Kategorie "schlechteste Schauspielerin die wir gefunden haben" fallen und jeder normale Mensch würde ihr sofort das Sorgerecht entziehen. Die Tatsache, daß die Menschheit vor dem Aussterben steht macht eigentlich auch niemand wirkliche Sorgen. Das Ganze wird unterstützt durch eine unterirdische Synchro (speziell Kee), die man so normalerweise nur in manchen Animes findet und einen generell ziemlich eigenartigen, nicht wirklich homogenen Soundtrack.
Aber das alles könnte man vielleicht auch noch halbwegs verschmerzen, wenn einem der Film wenigstens einen kleinen Denkanstoß oder eine kleine Pointe für den Schluß bereithalten würde. Aber selbst das passiert nicht. So nichtig der Film, so nichtig das Ende. Nichtig, bedeutungsschwanger und lächerlich.
Eine andere Sache mag jetzt sehr verwerflich klingen, aber ganz ehrlich: Auf der einen Seite steht ein halbtotalitärer englischer Polizeistaat - auf der anderen Seite buddhistische Floskeln dreschende, pseudoidealistische Yoga-Hippies in Birkenstocksandalen...ich weiß ehrlich gesagt nicht, welche der Parteien mir unsympathischer war...
"Children of Men" ist sowas wie der kleine Bruder von "Doom". Letzterer lebte von einer einzigen Szene; nämlich von den 90 Sekunden Ego-Shooter Perspektive. "Children of men" lebt im Prinzip auch nur von Teilen des letzten Drittels des Films. Nämlich die an Battlefield 1942 erinnernden Schlußgemetzel. Ob einem dieses Computerspielflair jetzt allerdings gefällt, ist wiederum Geschmackssache. Für mich war es neben der eigentlich ansprechenden Optik das einzige, was einen Funken Aufmerksamkeit verdient hat. Ansonsten ein ziemlich zäher, massivst unlogischer Schinken mit relativ hohen Nervfaktor.