Es ist lange her, dass mich ein Film wider Erwarten packen konnte. Und all das nicht wegen einer beeindruckenden Handlung oder einer packenden Inszenierung sondern allem voran wegen der Stimmung. Ja, das Zukunftsszenario, das uns in Children of Men serviert wird wirkt schon jetzt etwas veraltet. Wenn man sich die rasante Entwicklung allein der letzten zehn Jahre vor Augen hält, wirkt das was uns hier aufgetischt wird doch sehr verhalten. Allerdings: Warum sollte sich noch jemand bemühen weitere Entwicklungen voranzutreiben, wenn klar ist, dass es keine neue Generation geben wird, die diese auskosten kann ?
Children of Men beginnt mit dem gewaltsamen Tod des bis dato jüngsten Erdenbürgers. Er wurde 18 Jahre. Seither leidet die Menschheit unter einer mysteriösen Unfruchtbarkeit. Doch nun scheint es, als sei in dieser düsteren Zukunft ein Hoffnungsschimmer aufgeglommen. Eine Einwanderin ist hoch schwanger. Und so beginnt eine Rettungsmission quer durch England mit unbestimmtem Ausgang. Denn die Regierung darf nichts davon wissen, schließlich verfolgt sie die Immigranten, die sog. "Fugees", unbarmherzig um sie in Ghettos zu stecken und/oder zu töten. Wie könnte solch eine Regierung je zugeben, dass gerade Einer dieser Untermenschen die Hoffnung der ganzen Menschheit darstellt. Doch auch die Untergrundorganisation, die vordergründig für die Gleichberechtigung aller Menschen kämpfen, verfolgt düstere Ziele.
Das besondere an Children of Men ist seine ruhige, pessimistische Stimmung, die durch einen hervorragenden Soundtrack unterstrichen wird. Das ewig triste Wetter und die düstere Endzeitstimmung erschaffen eine Aura, die ich seit "28 days later" in dieser Form nicht mehr so überzeugend auf der Leinwand bewundern durfte. Die Schauspieler machen ihre Sache durchwegs gut, obwohl ich weder Clive Owen noch Julian Moore sonderlich mag. Richtig zur Höchstform läuft der Film aber in den ewig langen Kamerafahrten auf. Nie zuvor habe ich dermaßen perfekt gemachte und lange Einstellungen komplett ohne Schnitt gesehen. Naja gut, da gabs "Die russische Arche", den zähle ich aber dann doch eher zum Genre der Dokumentation. Durch diese Einstellungen erhält der Film eine ungemeine Authentizität. Hinzu kommt ein nicht zu gewagtes Bild der Welt in 25 Jahren, sodaß einen zu keinem Zeitpunkt das Gefühl von Übertreibung beschleicht. Eher fürchtet man, dass einen dieses Schicksal früher ereilen könnte als uns der Film Weis machen will.
Daher besser als sämtliche Phillip K. Dick Verfilmungen zusammen. Und (nicht nur) aus diesem Grund uneingeschränkt empfehlenswert.