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Children of Men

Im Jahr 2029 droht die Menschheit unterzugehen, da seit Jahren keine Kinder mehr geboren wurden. Chaos regiert und die Zivilisation bricht allmählich zusammen, lediglich in England bewahrt man noch halbwegs die Fassung und hält die Fahnen hoch. (Das heißt die Reichen bleiben reich und die Armen verdingen sich als Straßenräuber um zu überleben.)

Allerdings drängen die Menschen aus den Ländern, die langsam den Bach runtergehen auf die Insel um dort ein Stück vom Wohlstandkuchen abzukriegen. Darüber sind die Briten natürlich not amused und organisieren eine rigide vorgehende Einwanderungspolizei, die die ungebetenen illegalen Gäste (genannt Fugees) erbarmungslos jagt, zusammentreibt und abschiebt. Gegen diese inhumane Politik bilden sich diverse Widerstandsgruppe, die mit Terroraktionen gegen das System vorgeht.

Eines Tages erhält der versoffene Theo (Clive Owen) von seiner ehemaligem Flamme Julian (Julianne Moore) , die jetzt Kopf der Widerstandsgruppe Fishes ist, den Auftrag, die seit Jahren erste schwangere Frau aus dem Land zu schaffen, da man Angst hat, das Baby könne ihr von der Regierung weggenommen und für deren Zwecke verwendet werden. Um die Schwangere aus dem hermetisch abgeschirmten England herauszubekommen, soll Theo seine politischen Beziehungen spielen lassen um Transitpapiere zu besorgen. Ziel ist ein Schiff des sogenannte Human Project, ein geheimer Zusammenschluss von zivilen Wissenschaftlern, die im Auftrag einer mysteriösen Organisation am Fortbestand des Menschen forschen.

Zuerst hadert Theo noch, doch dank des Zuspruchs seines Alt-Hippie-Freundes Jasper (Michael Caine) nimmt er den Auftrag an (für Geld), aber bei der Aktion kommt es zum Streit innerhalb der Fishes, welche die Schwangerschaft der jungen Frau namens Kee jetzt für sich nutzen wollen. Da der Streit eskaliert und ein wenig herumgeballert wird, entschließt sich unser Theo jetzt alleine die Flucht Kees in die Hand zu nehmen. Gemeinsam mit ihr und einer Krankenschwester verdrückt er sich erstmal zu seinem Hippie-Kumpel, verfolgt von den "Fishes" und der Polizei.
Der Hippie Jasper bringt die Gruppe auf die Idee bringt, sich in ein Abschiebungslager für illegale Einwanderer einzuschleusen, die demnächst aus England rausgeschmissen werden. (Warum eigentlich nicht gleich so?). Gesagt, getan, mit Hilfe eines Polizisten, der gelegentlich etwas Rauchware von Jasper kauft, gelingt dieses Vorhaben und das Trio landet in einer verfallenen kaputten Küstenstadt, die zum Flüchtlingslager umgebaut wurde.

Da man ein wenig vom ursprünglichen Plan abgewichen ist, muß Theo einen neuen Treffpunkt mit dem Schiff des Human Projects ausmachen. Mit einem Boot sollen sich er und Kee an eine bestimmte Boje an der Küste begeben. Zwischenzeitlich entbindet Kee das Baby und wird dann von den ebenfalls im Lager anwesenden "Fishes" entführt. Es kommt zu einem erbitterten Häuserkampf zwischen der britischen Armee und den Aufständischen. Inmitten des ganzen Chaos kann Theo Kee und das Baby befreien und durch das Geschrei des Säuglings kommt es vor lauter Fassungslosigkeit aller Anwesenden zu einer kurzen Feuerpause. Dadurch können er, die Mutter und das Baby zu einem Ruderboot entkommen und das Schiff erreichen.Dramatischerweise stirbt Theo während der Fahrt an einer Schussverletzung, die er sich während des Häuserkampfes zugezogen hat.


Ein eindrucksvoller, apokalyptischer und pessimistischer Endzeit-Film! Die düstere Stimmung und Atmosphäre und die wunderbaren Bilder einer zerfallenden Zivilisation am Rande des Chaos, gepaart mit einem hervorragenden Soundtrack und einer guten Regie sorgen für ein echtes Filmerlebnis. Zwar hapert es an einigen Stellen mit der Logik und auch die Motivation der Hauptfiguren ist nicht immer so ganz nachvollziehbar, aber durch den stimmigen Gesamteindruck dieses recht spannenden und unterhaltsamen Films sei dies verziehen. Vielleicht liegt es ja daran, dass hier ein etwas umfangreicherer Roman auf das 100-Minuten-Filmformat zusammengedrückt wurde. Gelegentlich wird meiner Meinung nach das Melodramatische etwas übertrieben dargestellt, wie z. B. das Schreien des Babys beendet die Schießerei oder der Tod Theos zum Schluss des Filmes.

Visuell betrachtet ist dieser Film mit der großartig komponierten Bildsprache jedenfalls sehr gelungen. Ausstattung und Kameraarbeit sind vom allerfeinsten. Besonders beeindruckend ist das letzte Viertel des Films, der in einem Flüchtlingslager spielt, (eine abgewrackte Trümmerstadt) in der sich Soldaten der Regierung und Widerstandskämpfer bekämpfen. Die ganze Szenerie wirkt wie ein Bildbericht aus einem echten Kriegsgebiet. Auffällig ist, dass hier sehr lange Einstellungen gedreht wurden, was für den Doku-Touch sorgt.

Ein schauspielerisches Highlight bietet mal wieder Michael Caine als langhaariger kiffender Alt-Hippie. Auch Clive Owen als knorriger versoffener Underdog kommt gut rüber. Schön ist hier, dass er als Hauptfigur hier keinen ballernden Superhelden, sondern mehr einen Antiheld darstellt, der nicht mal auf die Idee kommt, eine Waffe anzufassen (Was den Protagonisten im Film sicherlich einiges erleichtert hätte...)

Das Ganze erinnert mich stellenweise von der Story her ein kleines bisschen an die Filme "Jahr 2022 - die überleben wollen", sowie "The ultimate warrior/New York antwortet nicht mehr" (alles tiefste 70er-Jahre-Produktionen) und ansatzweise an ein oder zwei italienische 80er-Jahre-Endzeitfilme die im Fahrwasser von "Mad Max" entstanden sind. Aber das tut diesem hervorragenden Film keinen Abbruch.

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