Die Welt versinkt im Chaos. Seit 18 Jahren kam es zu keiner Geburt mehr. Eine seltsame und nicht weiter definierte Seuche raffte seinerzeit alle Kinder dahin. Die Menschheit ist unfruchtbar geworden und damit bar jedweder Hoffnung. Das England des Jahres 2027 wird regiert von einem rechtsnationalistischen System bzw. von einem Polizeistaat. Durch die noch chaotischeren Zustände der restlichen Welt, schottet sich England vor Asylströmen ab und bekämpft Einwanderer (abschätzig Fujis genannt) mit brutaler Unterdrückung und Gewalt. Sie werden hingerichtet oder in Gettos gepfercht wo sie unter unmenschlichen Zuständen leben und sterben müssen. Widerstand äußert sich in Form verschiedener, oft linksextrem orientierter, terroristischer Gruppierungen. Diese bekämpfen die Diktatur mit Terroranschlägen, die den Grausamkeiten der bekämpften Tyrannei in nichts nach stehen.
Die Ausgangssituation von „Children of Men“ ist eine grau triste und zutiefst pessimistische. Grausame, dreckige und erdrückende Bilder. Die hier „dokumentierten“ Zustände lassen ein Gefühl der Hilflosigkeit entstehen. Das Wunder der Geburt als Synonym der Hoffnung ist verschwunden. Die Existenzangst und Hoffungslosigkeit ist zum Nährboden für Terror, Tyrannei und Ausgrenzung geworden. Inmitten dieses kaum überschaubaren Sammelsuriums von Hass, Angst und Unterjochung steht Theo Faron (Clive Owen). Ein gebrochener, alkoholabhängiger, einst idealistischer Freiheitskämpfer gegen den unterdrückenden Staat. Der Alltag ist trostlos, zwischen Terroranschlägen, dem kultisch verehrten Fernsehprogramm und dessen „Helden“.
In einer Welt in der es keine Kinder geben kann, ist der immer jeweils Jüngste der bewunderte „Star“. An diesem gewöhnlich erscheinenden Tag trauert die Welt um „Baby“ Diego - dem einst jüngsten Menschen auf Erden - der bei einem Anschlag eines irren Fans ums Leben kam. Theo kümmert das wenig, zuvor noch knapp einem Bombenanschlag entkommen, gehen andere Dinge in ihm vor. Wenige Zeit später wird er von einigen vermummten Männern entführt. Zu seiner Überraschung, trifft er dabei seine einstige Ehefrau wieder, die einer Terrorgruppe angehört und seine Entführung zu Tarnungs- und Täuschungszwecken eingefädelt hat. Sie bittet, anspielend auf seine früher eingesetzten organisatorischen Fähigkeiten, um gefälschte Papiere für eine junge Frau. Eine schwangere, junge Frau, wie sich später herausstellen soll. Kee, so heißt sie, soll so bald als möglich an die Küste gebracht werden, wo ein Schiff mit Wissenschaftern auf sie wartet. Anfangs noch im Unklaren gelassen über die Schwere und Bedeutung seiner Aufgabe bzw. seiner Reisegefährtin, willigt Theo widerwillig und skeptisch gegenüber den Idealen seiner Exfrau ein. Fortan beginnt nun ein Kampf oder besser eine Flucht vor militanten Revolutionären, brutalen Soldaten des faschistischen Staates und den stets vorhandenen Feuergefechten beider Parteien.
„Children of Men“ ist eine in satte Grautöne getränkte und auf Realismus pochende Dystopie einer in Anarchie und Gewalt gehüllten Welt. Ein depressiver Blick in eine Zukunft, die heutige Zustände u.a. aus Dritte-Welt-Ländern bündelt und auch in die westliche Welt verfrachtet. Nur zu vertraut sind jene Bilder von klagenden und trauernden Müttern am Straßenrand, in Gettos/Flüchtlingslagern herrschendem Elend und Wahnsinn, zum heiligen Krieg aufrufende Fanatikern und all den bedrückenden Eindrücken eines Krieges. Regisseur Alfonso Cuarón strickt aus den Impressionen dieser jeden geläufigen Nachrichtenbilder ein grausam verstörendes aber stets nachvollziehbares Höllenszenario. Eine um jegliche Hoffnung gebrachte in furchtsame und furchtbare Erstarrung gefallene Welt.
Das Hoffnung und Heilbringende in Form einer schwangeren Frau wirkt in jener Welt doppelt so fragil. Die Revolutionäre endgültig in einer ideologischen Sackgasse angekommen, wollen es für ihre Ziele instrumentalisieren und gehen stetig über Leichen, und der Rassismus und Xenophobie propagandierende Staat könnte die Schmach nicht erdulden, dass ausgerechnet von einer Asylantin das „heilige“ Kind für eine aussichtsreiche Zukunft kommen sollte und würde es dementsprechend vertuschen. Es liegt also an Theo und Kee zwischen diesen beiden unglaublich brutalen Parteien nicht zerrieben zu werden.
Die religiöse Metaphorik, mit der Alfonso Cuarón hier spielt wird schnell deutlich. Vor allem Kee als wandelndes Marienbildnis lässt klar christliche Assoziationen aufkommen. Auch wie die hochschwangere Kee und Theo zerlumpt nach einer Unterkunft suchen, lassen wohl nicht zufällig Vergleiche zu der Herebergssuche von Josef und Maria augenscheinlich werden. Glücklicherweise umschiffen jene Szenen jeglichen Kitsch und verfallen niemals in zu aufdringlichen oder moralisch verwertbaren Symbolismus. Diese Verwebung mit dem Spirituellen funktioniert auch erstaunlich gut als Kontrast zu den bedrückend real wirkenden Bildern und gleichzeitig wird durch den Leidensweg ein Abbild einer apathisch mitleidlosen Gesellschaft verdeutlicht. Einer Gesellschaft, die aufgrund ihres drohenden Aussterbens in Panik, dem Wahnsinn verfallen ist und sich selbstkasteiend durch wilde tumultartige Gewalt sukzessive beginnt selbst auszulöschen.
Unter die Haut gehen vor allem jene Szenen, in denen das Terrorgeschehen ins Alltägliche übergeht. Die Menschen reagieren nicht mehr, schauen teilnahmslos dem Geschehen – ob Bombenterror oder dem sich längst angebahnten Massenmord an den für minderwertig erachteten Einwanderern - zu und erdulden die Qualen mit ängstlicher aber untätiger Mine.
Wie eine Insel der Seeligen in all dem Sumpf des grausamen Tagesgeschehens, wirkt Theos bester Freund Jasper (Michael Caine). Ebenso wie Theo war er einst ein Friedensaktivist und lebt nun mit seiner, nach einer Verhaftung mit wahrscheinlicher Folter, psychisch ge- und verstörten Frau in der Abgeschiedenheit eines Waldes. Jasper wirkt wie eine satirisch, unwirkliche Figur aus einer längst vergangenen und wohl auch vergessenen Zeit. Ein Alt-68er mit all den dazugehörigen Klischees, der es in diese Schreckenvision einer möglichen Zukunft geschafft hat. Auch die Figur des schwerreichen Kunstsammlers Nigel ist in seinem panischen Sammeln jeglichen Kulturguts, sei es Pink Floyds „fliegendes“ Schwein (Animals) oder Michelangelos David, als deutlich dargebrachter Abgesang auf die Kunst zu verstehen. Fern des ideellen Wertes hamstert er eins ums andere und lässt es zum bedeutungslosen Spielzeug einer sich in letzter Dekadenz suhlenden "Oberschicht" und zum unwichtigen Relikt einer irrerelevant gewordenen Kulturgeschichte verkommen.
Fazit: „Children of Men“ ist ein schonungsloser und kompromisslos ernüchternder Ausblick auf eine deprimierende und zutiefst negative Zukunft. Technisch geradezu perfekt - die Kameraarbeit ist ein wahrer Traum - vorzüglich besetzt und unglaublich packend in seiner stetig steigenden Dramaturgie. Mit Orwellscher Totalitarismusvision, einem anarchistisch kriegsähnlichen Gesellschaftsbild, satirisch bissigen Untertönen (erinnert teilweise an Terry Gilliams „Brazil“) und dokumentarisch-realistischen Bildern ist es Alfonso Cuaròn gelungen eine Ballung von existenten Gesellschaftsängsten und möglichen, schon heute abzusehenden, Bewegungen mit punktierter Beobachtungsgabe zusammenzufügen. Alleine der technischen Raffinesse wegen, ein Pflichtfilm der jüngeren Geschichte.