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Großbritannien im Jahre 2027: Seit 18 Jahren herrscht auf der ganzen Welt eine unerklärliche Unfruchtbarkeit. Die Menschheit steht am Rande des Aussterbens, die Welt liegt in Trümmern, England hat sich in einen totalitären, faschistischen Polizeistaat verwandelt. In dieser Situation wird der ehemalige Polit-Aktivist Theo (Clive Owen) in eine gefährliche Geschichte verwickelt: Er soll einer jungen Einwanderin Ausreisepapiere besorgen und sie außer Landes schaffen. Er übernimmt den Job, stellt aber bald fest, welcher gewaltigen Aufgabe er sich gestellt hat: Die junge Frau ist schwanger - und somit die letzte Hoffnung der Menschheit.

"Children of Men" kann sich in eine Reihe mit Gesellschafts-Dystropien stellen wie "Fahrenheit 451", "1984" oder "Equilibrium". Selten in den vergangenen Kinojahren wurde eine so intelligente Parabel auf schleichenden Faschismus in unserer modernen Gesellschaft erzählt wie in diesem Film. Dabei ist er keineswegs als Science-Fiction zu verstehen: Die hier immer wieder erscheinenden Nachrichtensprecher erinnern in ihrer Art an die Berichterstattung der deutschen Medien der 70er-Jahre zum Thema RAF-Terrorismus. Die brutalen Methoden, mit denen die Polizei gegen illegale Einwanderer vorgeht, kennt man traurigerweise von der europäischen Flüchtlingspolitik, auch wenn die krasse Gewalttätigkeit und der Zustand der Flüchtlingslager im Film definitiv eher an die Methoden des Dritten Reiches angelehnt sind. Hinzu kommt die Atmosphäre ständiger Überwachung und politischer Lähmung oppositioneller Gedanken - alles in allem stellt der Film eine durch und durch gelungene Vision einer totalitären Gesellschaft dar, einfach indem er bereits existierende Verhältnisse um ein weniges überhöht. So entsteht eine überaus beängstigende und diskussionswürdige Gesellschafts-Metapher.

Und auch die Grundidee ist so einfach wie genial: Keine Atomkriege oder andere Katastrophen löschen die Menschheit mit einem Schlag aus; nein, stattdessen wird ein langsames Dahinsiechen gezeigt, in dessen Verlauf gängige Wert- und Moralvorstellungen immer stärker verloren gehen. Und wieder sind die Parallelen zum heutigen Zustand unserer Gesellschaft überdeutlich.

Darüber hinaus überzeugt "Children of Men" auch in rein filmischer Hinsicht. Mit großem Aufwand und glaubwürdigen Settings wurde eine Zivilisation am Abgrund inszeniert. Und die Kameraarbeit ist einfach brillant: Die wichtigsten Actionsequenzen werden stets als Plansequenzen, also ohne sichtbare Schnitte, inszeniert. So entstehen spektakuläre Szenen mit Autoverfolgungsjagden oder im finalen Schlachtfeld eines großen Immigranten-Ghettos. Der konsequente Verzicht auf modernste Tricktechnik zugunsten klassischer krachender Action wirkt in Zeiten von "Matrix" und "Transformers" überaus erleichternd. So stellt der Film insgesamt einen gelungenen Balanceakt zwischen intelligentem Kopf- und spannendem Unterhaltungskino her.

Zuletzt überzeugt auch Clive Owen in seiner Rolle als verbitterter Polit-Kämpfer. Zwar gibt es im Zuge seiner Figurencharakterisierung das eine oder andere Klischee, doch schaden können solche kleinen Schwächen dem Film nicht. Als Mixtur aus packendem Actionkino und kluger Zukunftsvision ist "Children of Men" auf ganzer Linie gelungen.

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