Keine Kinder, keine Hoffnung
Auch wenn Fans des südamerikanischen Films oder des jungen Zauberers mit der Narbe auf der Stirn der Name Alfonso Cuaron durchaus schon ein Begriff war, packte er sich meiner Meinung nach mit „Children of Men“ erst so richtig bleibend auf die Kinokarte. Ein weiterer moderner „Endzeitmeilenstein“, den ich mir passend während der Pandemie zu Beginn dieses Jahrzehnts auf den „Nochmal gucken!“-Stapel gelegt hatte und zu dem ich erst jetzt wieder kam. Nun habe ich ihn also seit locker 15 Jahren endlich wiedergesehen. Und noch immer für genial befunden - vielleicht sogar noch krasser und akuter als damals zu seinem Release! Erzählt wird von einer Menschheit im Jahr 2027, die seit fast zwei Jahrzehnten keinen Nachwuchs mehr bekommt. Das Ende ist nah, Anarchie droht, Zuversicht altert rapide. Doch ein Mann bekommt im London des Ausnahmezustands einen prekären Auftrag, eine wertvolle Fracht, die alles verändern könnte…
Impotenter Irrgarten
„Children of Men“ ist ein Brett und war ein moderner Klassiker, der in vielerlei Hinsicht seiner Zeit voraus war. Von der europäischen, asiatischen, britischen geschweige denn amerikanischen (Flüchtlings- oder 1-Kind-)Politik über Zukunftsängste und „Über-/Unterbevölkerung“ (er taugte auch gut als Double Feature mit „Soylent Green“) bis hin zu allerlei technischen Spielereien oder gar seinem unfassbaren Look samt etlicher sehr langer, kreativer Kamerafahrten - sie bleibt ein enorm einnehmendes und beeindruckendes Erlebnis, diese mal ganz andere Apokalypse! „Children of Men“ ist krass gut, ich kann's nicht anders sagen. Technisch perfekt, kompakte Laufzeit für solch ein (intimes) „Epos“, aus einer Zeit als Clive Owen noch als Hauptdarsteller taugte, fast poetisch endzeitlich, mit etlichen bekannten Gesichtern in Nebenrollen, voller Einsamkeit und Schönheit und Bitternis. Für mich ein Film, den die Leute auch 2127 hoffentlich noch fasziniert gucken und studieren werden. Ob sie dann darüber schmunzeln? Oder noch atemloser dasitzen als wir jetzt schon?
Immigranten unserer eigenen Zukunft
Fazit: eine mächtige, intelligente und von Beginn bis Ende komplett fesselnde moderne Bastion der bodenständigen Science Fiction - frisch, fordernd und fulminant!
The Last of Them