Stürzen wir uns mal auf ein Remake, weil den meisten von uns das Original nur vom Titel her ein Begriff ist.
Nicolas Cage kennt das Original von 1973 auch und war sofort Feuer und Flamme, dem Weidenmann als Produzent zu dienen, - und natürlich als Hauptdarsteller.
Als Regisseur fungierte Neil LaBute, der aus dem Stoff leider nicht annähernd das volle Potential herausholen konnte.
Cage spielt den traumatisierten Streifencop Edward, der nach dem Unfalltod einer Mutter mit Kind erstmal eine Auszeit benötigt.
Diese wird beendet, als er einen Brief seiner Ex-Verlobten Willow erhält, in dem sie ihn bittet, nach ihrer verschwundenen Tochter zu suchen.
Kurz darauf befindet sich Edward auf der Privatinsel Summersisle, die von einem (in)sektenartigen Volk bewohnt wird. Niemand der Bewohner steht ihm bei seiner Suche zur Seite, seine Ex kann oder will ihm keine Hilfe anbieten und schon bald wird er Teil eines fiesen Spiels.
Stichwort „Hinterwäldler“, und schon befindet man sich inmitten keltischer Rituale und heidnischer Gebräuche.
Die Insulaner wirken von Beginn an alles andere als gastfreundlich, reagieren ablehnend und verfolgen strikt das Leben aus dem Jahre Eins. Keine Technik, eingeschränkter Wortschatz und eine Lebensform, die der der Bienen gleicht: Die Männer fungieren als Dronen und haben ansonsten die Klappe zu halten, die Frauen kümmern sich wie die fleißigen Bienchen um den Rest und schwingen das Zepter.
Sehr spezielle Leute und mittendrin ein Nikolaus Käfig, der mit seinen Nachforschungen eine Menge Leerlauf und Langeweile entstehen lässt.
Ohnehin fragt man sich schon mal, warum Cage die Insel allein entert und keine Kollegen dabei hat, die im Verlauf auch nicht in Erscheinung treten, obgleich sich der Cop über recht lange Zeit überhaupt nicht meldet. Dass dann wenig später das Handy kein Netz hat, versteht sich von selbst.
Aber auch die vielen Flashbacks von Halluzinationen und Visionen, die ihm durch den Unfalltod des Kindes und dessen Mutter erscheinen, haben nicht direkt etwas mit dem Inselgeschehen zu tun und führen zu nichts, - dennoch werden sie übermäßig oft eingebunden.
Dazu kommen Fragen auf, zu denen es nur teilweise Antworten gibt: Eine Lehrerin, die ausschließlich Mädchen unterrichtet (es gibt hier überhaupt keine Jungs) und duldet, dass ein Rabe in einem Pult gefangen gehalten wird, viele Zwillinge, die parallel die gleichen Worte von sich geben, eine merkwürdige Fotografin, einen blutigen Leinensack, einen Bienenangriff auf einen Allergiker und Rituale mit Tiermasken, bei denen sich das Oberhaupt wie „Braveheart“ schminkt.
Cage trägt das dröge Geschehen recht gut, auch wenn der schon bessere Tage erlebt hat, ist er immer noch viel besser als sämtliche Inselbewohnerinnen, die weder Ausstrahlung, noch Leidenschaft mitbringen.
So muss man dem armen Cage dabei zusehen, wie er mal verzweifelt, mal hysterisch quer über die Insel streunt und ein kleines Mädchen sucht, ohne dass dabei Spannung oder Atmosphäre aufkommt.
Nur zu Beginn wirkt diese „Gehen sie bevor es zu spät ist“ Stimmung, aber sobald die lächerlichen Rituale einsetzen, wirkt das Geschehen nur noch albern.
Die Kulisse ist nett, aber nicht angsteinflössend, die Musik von Badalamenti gefällig, aber nicht herausragend, die Kamera fängt ein paar brauchbare Vogelperspektiven ein, ist sonst aber viel zu zurückhaltend.
Was dem Streifen aber den Punkt zum Mittelmaß raubt, ist das völlig unzufrieden stellende Finale.
- SPOILER –
Cage stellt fest, dass er von sämtlichen Bewohnern, auch seiner Frau und seiner(!) Tochter, hinters Licht geführt wurde und er selbst als Ritualopfer dienen soll, was dann auch fast ohne Gegenwehr geschieht und er qualvoll im Weidenmann-Totem verbrennt
So wird der Zuschauer um seine Genugtuung gebracht, die er kurz zuvor bei einigen Faustschlägen und Tritte gegen die Sektenmitglieder erfahren durfte.
Ein Happy End wäre ein blutiger Gegenschlag gegen die Insulaner gewesen, so ist es ein schmerzhaft unbefriedigendes Gefühl für den Betrachter.
- SPOILER ENDE –
Aus dem Stoff hätte sich in jeder Hinsicht mehr machen lassen, ob nun Sozialkritik an Randgruppen (oder deren Gegner) oder spannende, tempogeladene Konfrontationen mit den Sektenweibern, - das bleibt alles aus.
Stattdessen verfolgen wir einen nur halbwegs brauchbaren Cage, der ständig auf der Insel herumdamelt, auf der sich zumindest noch ein paar kleine Plot-Twists ergeben.
Und immerhin bringt das Rätselraten bis zum Finale noch ein wenig Unterhaltung – wenn auch eher im Freundeskreis als durch das Geschehen auf der Leinwand.
4 von 10