Review

Der "Wicker Man" existiert tatsächlich, die Kelten brachten ihren Göttern darin Menschenopfer, selbst heute huldigen noch viele Heiden damit ihren Gottheiten, allerdings ohne Menschenopfer. Übersetzt heisst es ja auch "Korbmann", so wird eine überdimensionale Figur geflechtet, in welche das Opfer gesperrt wird, schließlich wird das Ganze angezündet. 1973 faszinierte Robin Hardy mit seinem Mysteriethriller die Filmwelt, während das Remake reichlich überflüssig daherkommt. Immerhin war Nicolas Cage (Con Air, Face Off - Im Körper des Feindes) von der Idee begeistert und produzierte den Film zusammen mit der Schmiede Millenium Films. 35 Millionen Dollar schmiss man dafür zum Fenster raus, obendrein musste das PG-13 Rating angestrebt werden, meist der Genickbruch für einen Horrorfilm. Neil LaBute (Lakeview Terrace, Nurse Betty) führte nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Screenplay.

Der Polizist Edward Malus (Nicolas Cage) hat mit einem schrecklichen Erlebnis zu kämpfen und ist gerade ausser Dienst. Da erreicht ihn der Hilferuf seiner Exfreundin Willow Woodward (Kate Beahan) und sie berichtet, dass ihre kleine Tochter Rowan spurlos verschwunden sei. So begibt sich Edward auf die kleine Insel Summersisle, wo sich alle Menschen sehr seltsam benehmen. Jeder will ihm einreden Rowan hätte nie existiert, doch Edward kommt bald ein schrecklicher Verdacht. Soll Rowan bei einer Zeremonie heidnischen Gottheiten geopfert werden ? Edward muss das verhindern.

Ohne Frage klingt das Ganze interessant, doch die extrem langwierige Umsetzung macht einiges kaputt. Da wäre Verkehrspolizist Edward Malus, der einen schrecklichen Unfall miterleben musste, bei dem eine Frau und ein Kind ihr Leben ließen. Davon gezeichnet begibt er sich auf die unbekannte Insel Summersisle. Die ist nur mit einem Wasserflugzeug zu erreichen und die Leute sind sehr eigen. Auch hat Edward ständig Visionen und Alpträume, der Unfall verstärkt sein Verlangen die kleine Rowan zu finden. Doch leider hat "Wicker Man" in der ersten Stunde gar nichts zu bieten. Edward rennt wie ein aufgescheuchtes Huhn über die Insel, macht sich bei den Bewohnern mit seinen Wutausbrüchen immer unbeliebter und findet im Endeffekt gar nichts raus. Auch weiss man schon im Vorhinein, dass Rowan eigentlich Edwards Tochter ist, was uns LaBute hier als Überraschung verkaufen will. Das Ganze verläuft dermaßen ereignisarm, da können auch die vielen Panoramabilder der Insel kaum beeindrucken. Auch will es LaBute nicht gelingen die paradiesähnliche Insel unheimlich zu gestalten, die Bilder sind viel zu farbenfroh, hell und fröhlich. Der Score bietet nur wenig Unterstützung und bleibt über die gesamte Distanz austauschbar.

Immerhin darf das Remake noch ein wenig Fahrt aufnehmen, wenn der allergische Edward von Bienen fast zu Tode gestochen wird, in der Gruft eingeschlossen oder von einer der Schwestern angegriffen wird. Nur der Tod des Piloten ist unlogisch, so hat die Kolonie keinerlei Verbindung mehr zum Festland. So spitzt sich die Lage auf der Insel zu, der Zuschauer weiss es wird eine Zeremonie mit Menschenopfer geben und Edward steht unter Zeitdruck. Hier bietet "Wicker Man" endlich ein paar spannende Momente und gleichzeitig beeindruckende Bilder. Gekonnt filmt man um jede Brutalität herum, doch gerade der bösen Pointe hätte man mehr Intensität verleihen müssen. So lädt immerhin die letzte halbe Stunde zum mitfiebern, während sich Nicolas Cage als traumatisierter Cop recht passabel durchmogelt. An den Darstellern ist auch wirklich nichts auszusetzen, in weiteren Rollen Ellen Burstyn (Der Exorzist, Spiegelbilder), Leelee Sobieski (The Glass House, Joy Ride) und Molly Parker (Titanic, Deadwood).

Eigentlich schade um den gelungenen Plot, aber LaButes Remake mangelt es an Spannung, Tempo und visueller Überzeugnungskraft. Viel zu spät kommt "Wicker Man" in die Pötte, die finale Wendung rettet den Film vor dem Totalausfall, doch diese hat man aus dem Original geklaut. Wie so oft, wäre auch dieses Remake nicht nötig gewesen.

Details
Ähnliche Filme