Mit Wilhelm bzw. William Dieterle, der weit über 80 Filme in verschiedenen Genres angefertigt hat, verbindet man gemeinhin zwei Sparten des Spielfilms: einerseits die biographischen Filme - angefangen mit "Ludwig der Zweite, König von Bayern" (1929) über "The Story of Louis Pasteur" (1936), "The Life of Emile Zola" (1937), "Juarez" (1939), "A Dispatch from Reuters" (1940), "Dr. Ehrlich's Magic Bullet" (1940) und "Tennessee Johnson" (1942) bis hin zum späten Wagner-Biopic "Magic Fire" (1955) - andererseits die phantastischen Filme, derer sich Dieterle vergleichsweise selten annahm: "A Midsummer Night's Dream" (1935) und der nur begrenzt zum phantastischen Film zu zählende "The Hunchback of Notre Dame" (1939) sind als Klassiker in die Filmgeschichte eingegangen - sein lange nur stark gekürzt erhältlicher "The Devil and Daniel Webster" blieb im Gegensatz zu ihnen etwas weniger populär, gilt aber ebenfalls als einer der hochwertigen Klassiker Dieterles.
Die Reihe an Vorbildern dieses Films ist relativ verzwickt. Zunächst wäre zu konstatieren, dass eine indirekte Quelle in Washington Irvings kurzer Erzählung "The Devil and Tom Walker" (1824) auszumachen ist. In diesem frühen Klassiker amerikanischer Literatur verfügt der Teufel über den Schatz des gehängten Piraten Kidd. Durch Zufall gerät Tom Walker, ein geiziger, habgieriger Mann, der mit einer nicht minder untugendhaften Frau in nicht gerade trauter Zweisamkeit zusammenlebt, an den den old scratch und lässt sich nach einigem Zögern auf einen Pakt ein: ihm gehört der Schatz Kidds, dem Teufel - dem vor allem jene Amerikaner anheimfallen, welche die Indianer mit zwielichten Geschäften betrogen und fleißig Sklavenhandeln betrieben haben! - gehört im Austausch Walkers Seele. (Von Walkers Frau, die in ihrer Habgier ebenfalls einen teuflischen Pakt abschließen will, bleibt indes nur Herz & Leber übrig, als der Teufel mit ihr fertig ist.) Fortan wird Walker immer wohlhabender: zwar lehnt er es immerhin ab, in den Sklavenhandel einzusteigen, lässt sich aber ohne größere Gewissensbisse zu einem erbarmungslosen Wucherer mutieren. Als ihn schließlich angesichts seines Pakts im Alter die Furcht umtreibt, wappnet er sich mit der Bibel, die er - durch den plötzlichen Besuch eines um Fristverlängerung bittenden, ja geradezu bettelnden Schuldners abgelenkt - einzustecken vergisst, als er seinem Besuch die Tür öffnet und ihm eines der dümmsten letzten Worte an den Kopf knallt: ihn solle doch der Teufel holen, wenn er jemals an seinen Schuldnern verdient hätte. Gesagt, getan.
1937 greift Steven Vincent Benét, dessen Epos "John Brown's Body" (1928) damals bereits als moderner amerikanischer Klassiker galt und dem Verfasser den Pulitzer-Preis einbrachte, Irvings Erzählung auf und variiert sie als "The Devil and Daniel Webster". Ein unüberlegt dahergesagter, folgenschwerer Satz besiegelt hier zwar nicht - wie bei Irving - das Schicksal des mit dem Teufel Paktierenden, macht aber Jabez Stone erst zu einem solchen: Stone ist ein fleißiger, ehrlicher Farmer, dem jedoch ein Unglück nach dem anderen widerfährt, woraufhin ihm schließlich der Satz herausrutscht, er würde schon für zwei Cent dem Teufel seine Seele verkaufen. Am Tag darauf erscheint schließlich der fremde Mr. Scratch in der Stadt und lässt Stone mit seinem Blut einen Pakt unterschreiben: Geld gegen Seele. Im nächsten Absatz sind Jahre vergangen: Stone ist reich geworden, als Unwetter seine Felder als einzige verschonen, eine Karriere im Senat steht in Aussicht und seine gesamte Familie ist glücklich und zufrieden - bloß Stone selbst leidet an seinem Pakt. Als er Mr. Scratch gegenüber seinen Pakt für nichtig erklären will, da er ja doch inzwischen als gottfürchtiger Mann lebe, trägt Scratch ihm nochmals den genauen Wortlaut vor und sieht keinen Ausweg für Stone - dafür flattert die Seele seines jüngsten Opfers in Gestalt einer kleinen Motte aus seinem Anzug, die Stone sein Schicksal vor Augen führt, derweil Mr. Scratch davon spricht, was für ein gewaltiges Exemplar die Seele des Daniel Webster in seiner Sammlung abgeben würde, die er nur zu gern erhaschen würde. Daniel Webster, eine etwas freie, vor allem aber überaus verherrlichende Variation des Politikers Daniel Webster (1782-1852), wird von Benét eingeführt als ein Mensch von enormer rednerischer Macht, der selbst reißende Flüsse in Grund und Boden zu reden vermag und dem die Einheit von Nord- und Südstaaten sein größtes Anliegen war - und er ist bei Benét ein alter Nachbar Stones, der dem berühmt gewordenen, reichen Mann mit Inbrunst zur Seite steht, als dieser bei dem tatkräftigen, redegewaltigen Mann nach Hilfe sucht: flugs lässt Webster seine Pferde Constitution und Constellation anspannen, um sich mit Mr. Scratch anzulegen - wenn zwei Männer aus New Hampshire nicht gegen den Teufel ankämen, dann könne man das Land auch gleich wieder den Indianern überlassen.[1] Da dieser sich als durchweg amerikanische Erscheinung versteht - schließlich war er bei den ersten eingeschifften Sklaven ebenso dabei, wie bei der Vertreibung der Indianer, während in den Gotteshäusern stets von ihm die Rede sei! -, kann Webster, der zunächst erklärt hatte, er werde seinen Mandanten keinesfalls einem fremdländischen Fürsten überlassen, ihn immerhin überreden, sich auf ein Gerichtsverfahren einzulassen: Scratch lässt daraufhin die berüchtigsten und verdorbensten Figuren amerikanischer Geschichte aus der Hölle aufsteigen, um aus ihnen Jury und Richter zusammenzusetzen. Doch Webster kann in der feindlich gesinnten Jury - indem er sie nicht argumentativ zu überzeugen versucht, sondern sie in einer patriotischen Rede als Amerikaner anerkennt und sie am Stolz und am Streben und an der Freiheit teilhaben lässt, die Stone und jeden übrigen Amerikaner gleichermaßen zukomme - Mitgefühl und Solidarität hervorrufen. Stones Vertrag mit dem Teufel wird nicht anerkannt, Webster befördert den Teufel mit einem Tritt aus dem Raum, schenkt ihm aber angesichts seines Gewinsels die Freiheit - und bekommt von ihm zum Dank aus der Hand gelesen: Webster werde seine Söhne im Krieg verlieren, nie Präsident werden, vor seinem Tod erhebliche Anfeindungen erleben und die Vereinigung von Nord und Süd nicht mehr erleben, gleichwohl sie sich nach seinem Tod ereignen werde. Die Prophezeiungen nimmt Webster gelassen auf: die Söhne blieben trotzdem seine geliebten Söhne, er selbst bleibe zumindest - auch ohne Präsident zu werden - er selbst, das Geschwätz anderer interessiere ihn ohnehin nicht und die Vereinigung von Nord und Süd erfreue ihn, auch wenn er sie nicht mehr selbst erleben dürfe.
Benét und Drehbuchautor Dan Totheroh haben für die Verfilmung ein Drehbuch verfasst, das Elemente aus beiden Texten aufgreift. Überwiegend orientiert man sich an Benéts eigener Kurzgeschichte, schmückt diese jedoch erheblich aus und verleiht der Figur des Farmers Stone neuartige Züge: während die Familie Stones in der Vorlage nur in einem einzigen Satz erwähnt und zudem als glückliche Familie beschrieben wird, wird das Familienleben zu einem zentralen Handlungsstrang des Films: eine stille, zurückhaltende Gattin, eine gläubige, moralisierende Mutter und bald auch ein - nach Daniel Webster 'Daniel' benanntes - Kind zählen zu Stones engstem Umfeld, das jedoch nach seinem Vertrag mit dem Teufel alles andere als glücklich ist; spätestens mit dem Einzug einer teuflisch verführerischen Fremden mit dem passenden Namen Belle, die bei den Stones als Dienstmädchen anfängt, aber sehr bald zu Stones ständiger, stilvoll gekleideter Gefährtin gerät, mit der er Ausritte, Jagden, Schlittenfahrten, Tänze und noch einiges mehr genießt, während seine eher schlicht gekleidete Frau immer stärker an den Rand gedrängt und selbst vom eigenen Sohn immer weniger geliebt wird, befindet sich Stones Familienleben in einer gravierenden Krise. Die in der Vorlage keinerlei Rolle spielende Belle nahm auf den ersten Filmplakaten sogar die größte und zentrale Rolle ein und wird als Bedrohung des zumeist unter ihr platzierten Ehepaares präsentiert. Simone Simon, nach ihrer Rolle in Renoirs "La Bête humaine" (1938) zum gefragten Star avanciert, füllt die Rolle der Belle mit einer erstaunlichen Anrüchigkeit aus und bietet Schönheit, Verdorbenheit, Hinterlist und Missgunst in harmonischer Vermischung dar: selbst ihr Auftritt in Tourneurs "Cat People" (1942) im Folgejahr bietet nicht dieses enorme Ausmaß gefährlicher, erotischer Ausstrahlung, das in "The Devil and Daniel Webster" von ihr ausgeht.
Die Figur der Belle ist aber nicht bloß als Starvehikel gedacht, sondern auch als Punkt, die zunehmende Charakterlosigkeit der Hauptfigur zu verdeutlichen. Im Gegensatz zur Vorlage wird Stone nach dem Verkauf seiner Seele nämlich zu einem erstaunlichen Unsympath, zu einem neuen irvingschen Tom Walker, der etwa nach einem Hagelschauer, welcher die Ernte seiner Nachbarn und ehemaligen Freunde ruiniert (und seine freilich unberührt lässt), die Bestürzung seiner Mitmenschen mit schadenfroher Heiterkeit quittiert; und trotz Verbot fischende Wegelagerer verjagt er eiskalt, heimst dann aber deren Beute ein. Und seine Bewunderung gegenüber Daniel Webster - der eine gute Bekanntschaft der Eltern seiner Frau ist und dem er schon früh im Film begegnet und sich begeistert zu dessen Fürsprecher macht - schlägt nach und nach in Unmut für diesen Mann um, der sich engagiert für die Armen einsetzt. Erst am Ende des Films besinnt sich Stone dann angesichts seines eigenen nahenden Endes, an welchem seine Seele dem Teufel gehören soll (der übrigens von Walter Huston mit süffisantem Lächeln, einer kumpelhaften Zudringlichkeit, listigem Blick und souveräner körperlicher Gewandtheit, Haltung & Gestik beeindruckend verkörpert wird).
Der Gram, den Stone bei Gattin und Mutter hervorruft, lässt an Hauffs "Das kalte Herz" (1827) denken, in welchem Kohlenmunk-Peter für schnöden Reichtum sein eigenes Herz gegen ein steinernes eintauscht und fortan entsprechend hart- & kaltherzig seine Mitmenschen behandelt, was seiner Mutter schwer zusetzt und seine Frau ins frühe Grab bringt; vermutlich haben auch die Autoren beim Schreiben, sicherlich aber der deutsche Emigrant Dieterle beim Inszenieren der leidgeprüften, vorwurfsvollen Blicke und Worte der Mutter an Hauffs Erzählung gedacht, deren Struktur derjenigen des Films entspricht, welche Irvings Tom Walker und Benéts Jabez Stone in eine einzige, sich extrem wandelnde Figur zu füllen versteht.
Auch der Fauststoff, der schon Irving inspiriert haben soll, wird bei Dieterle wieder sichtbar - wenn auch weniger im Hinblick auf ein literarisches, sondern eher im Hinblick auf ein filmisches Vorbild, auf Murnaus "Faust - eine deutsche Volkssage" (1926), in welchem Dieterle seinerzeit den Bruder Gretchens gespielt hatte: ob das bereits den - jeweils völlig anders inszenierten - Beginn beider Filme betrifft, in welchem der jeweilige Teufel das Objekt seiner Versuchung auskundschaftet (wie es etwa auf der IMDb nahegelegt wird), sei dahingestellt; sehr auffällig ist dagegen die Nähe von Dieterles Mary Stone zum Gretchen Murnaus: ähnlich ist die treue, liebende, fügsame Haltung beider Frauen, ähnlich sind die langen, gepflochtenen Zöpfe als Symbol der Reinheit und des inneren Einklangs beider Frauen, die unschuldige Opfer des teuflischen Einflusses auf den Mann sind (wengleich die Frau bei Dieterle zumindest ein bisschen Selbstbewusstsein beweisen darf). Noch deutlicher schlägt sich Murnaus "Sunrise - A Tale of Two Humans" (1927) nieder, der ein sehr ähnliches Frauenbild gegen die diabolisch-verführerische femme fatale aus der Großstadt ausspielt. Natürlich liegt die Gefahr nahe, in Dieterles Film wegen der früheren Zusammenarbeit mit Murnau einen murnauschen Einfluss entdecken zu wollen - oder wegen expressionistischer Eindrücke und der Teufelspakt-Thematik Murnaus Faust-Film und den zweiten "Student von Prag" (1926) als Inspirationsquellen übermäßig zu bewerten. Völlig eindeutig ist dagegen der Einfluss des expressionistischen Stummfilms insgesamt zu erkennen, der teilweise das Spiel von Licht und Schatten bestimmt: wie viele Horrorfilme der 30er (und teilweise auch der 40er) Jahre, wie der film noir greift auch "The Devil and Daniel Webster" auf ästhetische Aspekte des populären deutschen Films der frühen & mittleren 20er Jahre zurück - etwa bei dem Profil des Teufels, das sich hinter Webster als Schatten an der Wand abzeichnet, bei der grellen Beleuchtung, die den Teufel bei seiner ersten Erscheinung in Stones Scheune von hinten anstrahlt und die als gleißendes Kaminfeuer Belles ersten Auftritt in Stones Haus begleitet, bei den kontrastreichen Bildern, als unzählige Gesichter gegen Ende durch die Scheiben in Stones Anwesen starren, bei mehreren Nachtszenen und dem Finale der Verhandlung in der Scheune.
Dieterles Inszenierung weist im Gegensatz zu Benéts durch und durch amerikanischer Vorlage einen deutlichen europäischen Einfluss auf, der jedoch keinesfalls den enormen Patriotismus abmildert: Wie in der Vorlage wird auch hier der Hinweis des Teufels auf den Umgang mit Sklaven und Indianern ad absurdum geführt durch die Bemerkung, man könne das Land auch gleich wieder den Indianern überlassen, könnten sich nicht zwei Männer aus New Hampshire gegen den Teufel stellen. Hier heißen die Pferde Websters nicht mehr bloß Constitution und Constellation, sondern - noch eine Spur befremdlicher - Constitution und Bill of Rights. Und Websters Figur - in der Erzählung eher kurz umrissen - erhält im Film mehrere große Auftritte, in der sie ihre Moralvorstellung & Lebensphilosophie darlegen kann, in der sich der Film dann aber nochmals grundlegend von seiner Vorlage unterscheidet: Darauf zu achten, dass 'persönliche Freiheit' nicht die 'politische Freiheit' überlagert, dass Reichtum nicht eigenützig, sondern gemeinnützig genutzt wird, fordert Dieterles Webster mehrfach ein und liefert dem Film somit eine Basis, auf welcher auch das Schlussplädoyer nochmals klarer formuliert wird. Dass Stones Seele seiner Frau, seinem Sohn und seinem Land gehöre, spricht bei Dieterle eine weit deutlichere Sprache als das bloße Pochen auf Mitgefühl und das Verweisen auf die vermeintlichen Gemeinsamkeiten zwischen allen Amerikanern in der Vorlage. Dieterle dürfte wohl weniger von dem US-amerikanischen Patriotismus, der diesen Zusammengehörigkeits- & Zusammenhaltsgedanken begleitet, beeindruckt gewesen sein, als vielmehr von der ethischen Forderung: dass man durchaus ein Recht habe, zufrieden leben zu können, dass man nicht wie Hiob - den Stones Mutter nicht übermäßig schätzt, wie eine frühe Bibellesung zu Beginn des Films zeigt - alle Schicksalsschläge demütig ertragen müsse, dass man aber bei seinem Verlangen nach Zufriedenheit keinesfalls dem Gemeinwohl zuwiderhandeln dürfe. Anders als in der Vorlage bleibt dementsprechend auch die Bedrohung der Versuchung am Ende allgegenwärtig: der Teufel wird nach dem gewonnenen Prozess weit weniger demütigend behandelt, er bleibt trotz kleiner Niederlage ganz der alte (und kann Webster mit dem Hinweis, dass er niemals Präsident werden würde, sogar zur Weißglut treiben, während Stones gesamter Besitz zeitgleich abfackelt) und zieht am Ende erneut los, um neue Opfer zu finden - etwa im Publikum, auf welches er seinen Zeigefinger richtet und das schon in einer einleitenden Texttafel explizit vor dem im Film vorgeführten Verhalten gewarnt worden war.
Gelungener als die naive Aussage des Films, die das Vergnügen an der Suspense, Humor, Tragik, Erotik & Schauer gleichermaßen bietenden Handlung (und an zwei schillernden, dankbaren und lustvoll von Simone Simon und Walter Huston verkörperten Rollen) ein wenig schmälert, ist jedoch die Form, die einmal mehr Dieterles Größe unter Beweis stellt: Die Studiokulissen mit ihren matte paintings kreieren glaubwürdige, kleine Schauplätze, die je nach dramaturgischer Notwendigkeit eine unterschiedliche Dichte einzelner Elemente erzielen und mal idyllische, heimelige, mal schwarzromantisch-unheimliche, mal naturverbunden-bodenständige, mal dekadent-opulente Formen annehmen. Die Schattenspiele des deutschen expressionistischen Stummfilms werden in "The Devil and Daniel Webster" ebenso zielsicher eingesetzt wie Naturdarstellungen im Stil der Hudson River School oder Zusammenstellungen etlicher americana, woran die Beleuchtung einen erheblichen Anteil hat. Sehr bewusst wird mal mit harten Schnitten, mal mit langsamen Überblendungen gerarbeitet, rare Spezialeffekte sind sauber erarbeitet, die Kameraarbeit ist durchweg solide: allenfalls die Unschärfe, die gegen Ende das Erscheinen einiger teuflischer Gestalten begleitet, dürfte - obwohl keineswegs unwirksam - als gestalterisches Mittel eine Spur zu durchschaubar anmuten. Vereinzelte starke Szenen - etwa der taumelnde, infernalisch beschleunigte Todestanz, den Stones Bekannter Stevens mit Belle tanzt und dabei wie eine leblose Puppe in ihren Armen hängt, während um sie herum geisterhafte Gäste Belles tanzen - scheinen ihren Nachhall in späteren Filmen gefunden zu haben: z.B. im tödlichen Tanz in Powells und Pressburgers "The Red Shoes" (1948) oder auch im Horrorklassiker "Carnival of Souls" (1962). Erwähnenswert ist vor allem noch die Musik Bernard Herrmanns, die in ihren besten Momenten bereits die taumelnden, reißenden, strudelnden Qualitäten erreicht, die Herrmann in den Hitchcock-Filmen zur Perfektion getrieben hat.
Formal eine grundsolide, meist liebevoll in Szene gesetzte, kurzweilige Randerscheinung des phantastischen Films, angesiedelt zwischen Washington Irving und Benét, zwischen amerikanischer Populärkultur und europäischer Prägung durch Hauff und Murnau, mögen die naiven Moralvorstellungen und ganz besonders der dick aufgetragene Patriotismus den Genuss mehr oder weniger stark trüben, zumal eine zwischenzeitlich aufkommende kritische Haltung schnell wieder relativiert wird. Fantasy-affine Filmfans dürften aber - können sie sich mit den Kritikpunkten abfinden oder arrangieren - aus dem goldenen Zeitalter Hollywoods kaum ein Dutzend ähnlich guter (oder besserer) Vertreter dieser Sparte finden.
8/10
1.) Eine etwas irritierende Äußerung, welche die von Irving übernommene, hier jedoch vergleichsweise verhalten eingebaute Anklage der Sklaverei und des Umgangs mit Indianern recht heuchlerisch erscheinen lässt. Hinzukommt, dass der reale Daniel Webster sich durchaus mit der Sklaverei arrangieren wollte: auch dieser Punkt beraubt neben dem unübersehbar patriotischen Tonfall Benéts Erzählung jener moralischen Relevanz, die Irvings Erzählung noch auszeichnete. Das ist aber keine Schlamperei, sondern - fragwürdige - Berechnung: auch aus den teuflischen Beiträgen zur amerikanischen Geschichte sei jenes Amerika entstanden, dem als Einheit alle gleichermaßen angehören. Das Amerikanersein scheint schwerer zu wiegen als das - wie auch immer zu definierende - Gutsein; und es gibt gute Gründe zur Annahme, dass - zum Zeitpunkt der Handlung - Indianer und Negersklaven vom Amerikanersein ohnehin ausgeschlossen sind...