Kann die filmische Wiedervereinigung des „Scary Movie"-Teams gut gehen? Vor mittlerweile 5 Jahren bescherten uns die Gebrüder Wayans 2 niveauarme, aber unterhaltsame Parodien auf Slasher- und Horrorfilme, nun widmen sie sich mit „Little Man" wieder erfolgreich - der Film spielte in den ersten beiden Wochen nach Kinostart allein in den USA über 40 Mio. Dollar ein - dem Komödien-Genre. Schade, dass sie in Sachen Innovation und Originalität sowie schlicht und einfach Klasse auch mit „Little Man" nix dazugelernt zu haben scheinen.
Zur Story: Der kleinwüchsige Gauner Calvin (Marlon Wayans), frisch aus dem Knast entlassen, plant mit seinem Kumpel Perry schon das nächste krumme Ding: Sie berauben einen Juwelier und fliehen. Doch als sie von der Polizei verfolgt werden, muss der gestohlene Diamant irgendwo versteckt werden. Er landet in der Tasche von Vanessa, deren Ehemann (Shawn Wayans) sich sehnlich ein Kind wünscht. Also verkleidet sich Calvin als Baby, um sich als Findelkind zu der Wohnung der beiden Zutritt zu verschaffen. Doch aus dem Plan, den Klunker gleich wieder mitgehen zu lassen, wird vorerst nichts, da sich die vorübergehenden „Eltern" erst einmal sorgsam um ihn kümmern - Babysachen und Windeln inklusive.
Was sich anschließt, ist sowohl für Calvin als auch für den Zuschauer ein nicht enden wollendes Martyrium aus abgestandenen Furz-, Sex- und Brutalo-Witzchen, die schon vor 5 Jahren nicht mehr lustig waren. Immerhin stellt „Little Man" dabei aber einen Rekord auf: Ich glaube, so oft wie hier gab es noch in keinem Film buchstäblich auf die Nüsse. Das zeigt aber auch, wie unoriginell sich der über weite Strecken niveauarme Humor gestaltet. Weitere evidente Beispiele für Humor-Anflüge: Das vermeintliche Baby ist 1. schlicht stockhässlich und 2. notgeil wie Sau, so dass es permanent keine Möglichkeit verpassen will, mit primären weiblichen Geschlechtsmerkmalen in Berührung zu kommen und hat 3. ziemlich viel Kraft für ein Kleinkind, welche es an anderen Individuen immer wieder auslässt. Natürlich kommt keiner der Protagonisten auf die nahe liegende Idee, dass es sich dabei gar nicht um ein Baby handeln könnte. Aus all den unsäglichen Zoten ragen nur 4 wirklich heraus: Die Verarsche von „Candy Shop" von 50 Cent gleich zu Beginn, der misstrauische Opa, der brutale Besuch eines Eishockey-Spiels und die noch brutalere Version von Kinder-Football. Auch die Digitaleffekte, wo kleinwüchsigen Schauspielern einfach das Gesicht von Marlon Wayans aufgesetzt wurde, sind mehr schlecht als recht. Das ganze Treiben ist so pubertär und platt, dass sich der Zuschauer beinahe schon dafür schämen muss, über einige Gags wirklich gelacht zu haben. Doch angesichts der Klischees vom überfürsorglichen Dad in spe, der vorhersehbar-unsäglichen Handlung und des Happy Ends um den emotional vernachlässigten Gauner der Marke „Keiner liebt mich" dürfte das Schmunzeln einem Grübeln weichen. Bedenkt man dazu noch, dass Chazz Palminteri („Die üblichen Verdächtigen") als chargierender Gangsterboss in einer Nebenrolle und Rob Schneider („European Gigolo") in einem Gastauftritt als plüschige Kindergeburtstagsattraktion schlicht verheizt werden, fängt allerdings auch der erwachsene Zuschauer an zu quengeln.
Fazit: „Little Man" setzt die Tradition der Wayans-Brüder, abgestandene Furz- und Brutalo-Witze als Humor zu verkaufen, fort. Keenen Ivory Wayans auf dem Regiestuhl ist in Sachen Timing dabei ebenso untalentiert wie die Drehbuchautoren in Sachen Pointen und Story. Ein prä-pubertäres, niveauloses Spektakel für das Sommerloch, bei dem 3 oder 4 Witze wirklich zünden - im gesamten Film. Von den Darstellern sticht einzig Tracy Morgan als debiler Rapper heraus - wenn das schon nicht evident genug ist für die Klasse des Films.