Sie sind bekannt für ihren Bad-Taste-Humor. Sie sind bekannt dafür, dass sie kein Blatt vor den Mund nehmen und das keiner ihrer Witze auch nur im entferntesten politisch korrekt, feinfühlig oder jugendfrei ist. Und sie sind bekannt dafür, dass sie deshalb immer wieder von den Kritikern in der Luft zerfetzt werden, egal was für einen Film sie auch drehen, sieht man einmal von "Scary Movie 1" ab: Die Wayans-Bros. Die drei schwarzen Komiker aus New York City machen seit sie denken können Humor von der ganz brachialen Sorte, der durchaus seine Fans hat, diese aber natürlich nicht in den Reihen der pingeligen Cineasten zu finden sind. Und nach "SM 2" und "White Chicks" muss sich natürlich auch "Little Man" von den Kritikern wieder als "Fäkalhumor der untersten Sorte" bezeichnen lassen oder als "geschmacklose Posse die nur für Idioten geschaffen ist". Dennoch war der heiß umwobene Platz 1 in den amerikanischen Charts drin, leider aber auch ein ganz hoher Platz in der Bottom-Liste der Imdb. Haben die Wayans-Bros. etwa nun doch ihre Fans verloren? Oder war der Humor dieses mal wirklich nicht der Humor, den sie uns sonst bescheren? Eigentlich nicht. Denn auch "Little Man" ist wieder typischer Wayans-Bros-Humor, der eigentlich bei den Fans durchaus ankommen müsste, wenn sie sich diesesmal dabei auch nicht unbedingt auf die Schenkel klopfen werden.
"Little Man" bietet mal wieder das üblich schamlose Humor-Potpourri, was man von den Brüdern seit je her gewohnt ist. Die Geschichte dazu ist natürlich alles andere als originell, wenn auch nicht unbedingt so abgekaut, wie sonst im heutigen Comedy-Bereich üblich. Es geht um den kleinwüchsigen Gangster Calvin, der einen gestohlenen Klunker, bei der Flucht vor der Polizei, in der Tasche einer Frau versteckt. Um dieses Schmuckstück wieder zu beschaffen, schleust er sich als Baby getarnt in die Familie der Frau ein. Diese nimmt ihn aber so liebevoll auf, das Calvin irgendwann Zweifel an seinem Vorhaben kommen. Doch sein Boss ist ihm schon auf den Fersen... Weder clever noch originell, zieht sich die Geschichte, wie bei den Wayans üblich, eigentlich einzig und allein an den Witzen hoch. Weder gibt es einen sonderlichen Spannungsbogen, noch irgendwelche gelungenen Plot-Kniffe zu beobachten, alles ist dünn, seicht und vorhersehbar geschrieben worden, um als nicht mehr, als ein Aufhänger für die Witzeflut herhalten zu können. Man darf sein Gehirn also wieder einmal ruhig zu Hause lassen und auf richtig böse Witze hoffen, die die Wayans in ihren früheren Filme auch meist gut getimet haben und deshalb trotz aller Derbheit funktionierten. Doch dieses mal ist das nur noch bedingt der Fall.
Und damit will ich jetzt nicht behaupten, dass die Jokes vielleicht an Deftigkeit oder ähnlichem abgenommen haben, denn das ist definitiv nicht der Fall. Auch in "Little Man" gibt es wieder die übliche Mischung aus politisch unkorrekten Witzen über Randgruppen, Jokes die sich an den Schmerzen der Protagonisten aufziehen, allerhand frechen Sexwitzchen, sowie auch dem ein oder anderen Fäkalhumor, wenn auch Letzterer, im Gegensatz zu den Angaben in der Presse, wieder eher eine Randgruppe darstellt (auser ein paar Pupserwitzen, einer vollgeschissenen Windel und einem "Hund-pinkelt-Baby an", gibt es in Sachen Fäkalhumor eigentlich nichts zu sehen). Alles vollkommen so schamlos und heftig, wie man es von den Brüdern kennt. Doch das Timing klappt dieses mal nicht ganz so gut und mindestens jeder zweite Witz bleibt auf halber Strecke liegen. Zudem spielen die Wayans dieses mal viel zu oft mit Wiederholungen, sprich sie lassen z. Bsp. ein Spielflugzeug ein ums andere Mal in die Weichteile der männlichen Darsteller fliegen, in der Hoffnung, dass man auch beim X-ten Mal noch darüber lacht. Oder die Jokes kommen an so unpassender und unerwarteter Stelle, dass man ebenfalls kaum über sie lachen kann. Schenkelklopfer, wie Calvins Klauen der Frühstücks-Plätzchen von Grandpa oder dem genauso brutalen wie abgefahrenen Football-Game im Garten, sind da eher die Seltenheit. Viel zu oft ermüden einen die schlecht getimten Witze und über die ganz auf Ekel abgefertigten Jokes, wie dem Keks den sich Kelvin in den Hintern schiebt, bevor ihn der Großvater aufisst, kann wohl selbst der augehärteste Bad-Taste-Freak kaum noch lachen. Schade, da hatten die Vorgänger doch deutlich mehr zu bieten, was zudem meist auch genauer ins Schwarze traf. Schade!
Einiges entschädigen kann dafür allerdings die Inszenierung, die den Wayans doch wieder recht gut gelungen ist. Vor allem die Schrumpfung von Marlon Wayans auf 80 cm Körpergröße funktioniert wirklich einwandfrei. Zu jedem Zeitpunkt nimmt man ihn den Kleinwuchs ab und das dahinter eigentlich nur ein Computertrick steckt, merkt man wirklich nur an den seltensten Stellen. Dazu passt auch das Umfeld soweit, sprich Kamera, Schnitt und Ausstattung gehen soweit in Ordnung. Und auch die Musikuntermahlung ist flott und passend ausgewählt worden. Gut so!
Desweiteren kann man auch mit den Darstellern soweit zufrieden sein. Die Gebrüder Marlon und Shawn Wayans sind einmal mehr ein recht gut eingespieltes Team, die ihre Rollen soweit glaubwürdig und mit viel Charme und Sympathie herüberbringen. Dazu eine schnuckelige Kerry Washington als liebevolle Karrierefrau Vanessa, sowie allerhand Bad-Taste-Humor-Abonnenten wie Lochlyn Munro, der bis jetzt in fast jedem Wayans-Bros-Film aufgetreten ist, Rob Schneider als Animateur im Dinokostüm und Molly Shannon, die hier allerdings wieder einmal absolut furchtbar überzogen agiert. Das beste Gesicht macht allerdings Chazz Palminteri, der hier wieder den kaltblütigen Widerling in Perfektion gibt. Auch wenn er in so einen Quatsch eigentlich nicht so recht reinpasst, so macht der Film doch immer noch am meisten Spaß, wenn er zum Zuge kommt. Denn komisch ist er allemal.
Fazit: Nach "Scary Movie 1+2" und "White Chicks" ist "Little Man" nun die nächste Bad-Taste-Komödie der Wayans Bros., die sich zu keinem Moment an die Regeln des guten Geschmacks hält und somit wieder einen Schmerz-, Sex- und Pupswitz nach dem anderen serviert, damit dieses mal aber selbst bei den Fans des Humor nicht immer auf Lacher hoffen kann. Zu abgedroschen sind die Witze zum Teil, nur selten mal wirklich pointiniert und leider auch zu Abwechslungsarm, als das man wirklich durchgehend über sie lachen könnte. Schmunzeln ist bei Wayans-Fans zwar immer noch drin und einige Schenkelklopfer sind auch durchaus auszumachen, doch alles in allem bleibt "Little Man" hinter den früheren Filmen der Gebrüder zurück. Für einen biergetränkten Filmabend unter Freunden, mit ähnlich rabiaten Humorgeschmack (alle anderen sollten sich sowieso von solchen Filmen fernhalten), reicht das zwar immer noch aus, fürs Kino aber leider nicht mehr. Hoffen wir mal, dass es bei dem Wayans-Remake zum TV-Klassiker "The Munsters", sowie bei Keenens nächster Regiearbeit "Homey the Clown", mit dem vierten Wayans-Bruder Damon in der Hauptrolle, wieder mehr zu lachen gibt.
Wertung: 5/10 Punkte