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Und noch ein "Horror-Mystery-Thriller der Sonderklasse voller Rachsucht und Spannung". Zumindest behauptet das der Infotext auf dem Cover. Dabei sagt man, Bescheidenheit sei eine Zier, die den Großen besonders gut stehe - eine Aussage, die sich in der Tat an manchem Referenzwerk belegen lässt.  So weckt die werbeträchtige Selbstbeweihräucherung eher Skepsis, liefert jedoch zumindest eine überprüfbare Behauptung an der sich ein Urteil festmachen lässt.

Horror, Mystery und Thriller Elemente machen zu etwa gleichen Anteilen die Mischung von "Haunted Village" aus und wie so oft geht es auch mal wieder um Rache aus dem Reich der Toten. Damit hat es sich aber auch schon mit den Übereinstimmungen mit dem Covertext, denn leider zieht sich die Suche des reichlich jugendlich wirkenden Polizistengespanns So-Young (Charakterisierungsmerkmal: süß, aber tough) und Hyung-Gi (Charakterisierungsmerkmal: niedlicher Nerd) nach dem Mörder furchtbar schleppend und unspannend. Den beiden Hauptdarstellern will man einfach nicht ihre Rollen als Ermittler abnehmen, so wirkt gerade Song-Yoon-ah in ihrer Rolle als erwarte man von Nastassja Kinski in die Fußspuren von Götz George zu treten und dabei eine überzeugende Performance als Horst Schimanski abzuliefern. Schauspielerisch kocht die Suppe ohnehin auf Sparflamme.

Ferner wurden in Bezug auf die Verhaltensweisen der beiden Polizisten einfach gängige Klischees aus klassischen Copfilmen übernommen ohne Rücksicht, ob die entsprechenden Darstellungen überhaupt zu den Rollen in "Haunted Village" passen. Die Krimihandlung selbst ist weit weniger komplex als eine durchschnittliche "Tatort"-Folge und trägt nur scheinbar über anderthalb Stunden, weil sich die Aufdröselung als tumbe Schnitzeljagd geriert: Ermittler rennt zu Person A, erhält Hinweis auf Person B und so weiter und so fort. Schließlich wirkt die Story selbst in ihrer Gesamtheit überaus unglaubwürdig, was sich lange vor der letzten Enthüllung andeutet und der Tatsache geschuldet ist, dass einem der beiden Ermittler eine Schlüsselrolle bei der Auflösung zukommt. Diese persönliche Verwicklung in den Fall lässt die ganze Geschichte jedoch reichlich konstruiert erscheinen, was ein zusätzlicher Stimmungskiller ist.

Als Horrorthriller setzt "Haunted Village" in erster Linie auf die Karte plötzlicher Geistererscheinungen. Also taucht alle Elle lang ein entsprechend langmähniges Geistermädchen wie aus dem Nichts auf und versucht mt verzerrtem Gesichtsausdruck, blutigen Augen oder einer unergonomischen Körperhaltung zu schocken. Allein dies dürfte allerdings bei den meisten Zuschauern der Zielgruppe nicht (mehr) funktionieren, auch weil viele dieser Situationen sich visuell oder akustisch ankündigen. Selbst in besseren Vertretern des Genres hat sich gezeigt, dass derartige Schreckmomente kaum dazu taugen, um nachhaltig Spannung zu erzeugen. Die ganze Geschichte beruht auf einem 400 Jahre alten Volksmärchen, was für die Wirkung der modernisierten Filmfassung jedoch keinen Unterschied macht. Der Titel "Haunted Village" hat zudem keinen erkennbaren inhaltlichen Bezug zur Handlung, klingt aber wohl berechenbarer als der Originaltitel und eindrucksvoller als "Das verwunschene Salzhaus".

Fazit: Muss man nicht gesehen haben.

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