Review

Manchmal kommen einem so kleine Independent-Perlen unter, die man sich gerne zweimal ansieht.
„Pale Blue Moon“ gehört für mich zweifelsohne dazu, denn Regieneuling und Autor Mark Hosack weiß mit seiner Geschichte über einen durchgeknallten Typen, der an die feindliche Übernahme durch Aliens glaubt, von Beginn an zu fesseln.

Wahrscheinlich ist es die gelungene Mischung aus verrückten Charakteren, abwechslungsreicher Musik, zahlreichen Stimmungsschwankungen von Lachen bis Entsetzen und ein paar einprägsamen Kameraeinstellungen. Szenen, die lange hängen bleiben, wie es mir zuletzt bei „Garden State“ ähnlich positiv auffiel.

Wir begleiten Simon Applewhite, der für etwas Unruhe sorgte, woraufhin er im Knast landet.
Im Verhör erzählt er von seinen abstrusen Theorien, über die „Moonies“, die Mondbewohner, die das nahe gelegene Poco Rio in Texas einnehmen wollen. Er selbst wäre schon zwei, drei mal von den Außerirdischen entführt worden.
Kurzum, keiner will ihm glauben, so soll Simon in die Psychiatrie gebracht werden und zwar von Det. John Lefsburg. Doch die Fahrt nimmt eine unerwartete Wendung…

Eigentlich mag ich diese abgedroschenen Akte-X-Ripp-Offs nicht mehr sehen. Einmal mehr von Aliens entführte Leute, die davon besessen sind, den Boss in Menschengestalt, - in diesem Fall einen angesehenen Geschäftsmann – zu killen, um die Menschheit zu retten, oder zumindest die in Poco Rio.

Aber ganz so einfach hat es sich Hosack nicht gemacht, denn seine Geschichte bietet weitaus mehr, als den üblichen außerirdischen Mysterykram.
Mit Simon wird man sofort warm, schon allein, weil Ice Mrozek ihn mit unglaublicher Kraft, spielfreudig und facettenreich ausstattet. Diesen durchgeknallten Typen muss man einfach gern haben, der immer auf seinen Sichtschutz (Sonnenbrille, aber aus einem Guss, wie er sagt) achtet.
Außerirdische erkennt er an der rechten Brustwarze und er besteht grundsätzlich darauf, die seines Gegenübers zu sehen, ansonsten singt er laut und in den schiefsten Tönen.
Schlüssel mag er nicht, die wirft er grundsätzlich weg, so dass Det. John vergeblich nach ihnen sucht, während Simon mit Steinchen auf eine Flasche wirft und dabei laut mitzählt (er kommt auf eine sechsstellige Zahl).
Ein ganz schräger Vogel ist das, aber seine abgedrehten Eigenheiten bringen viel Anlass zum Schmunzeln, manchmal auch Losprusten.

Das hat anfangs schon Ausmaße eines Buddy Movies, denn die gegensätzlichen Charaktere bringen eine Menge Spaß.
Dabei belässt Hosack es allerdings nicht, sondern flechtet noch weitere Handlungsstränge mit ein, die zuweilen leider nicht so konsequent verfolgt werden.
Da gibt es noch die psychisch labile Ehefrau des Detectives, die den Tod der gemeinsamen Tochter nicht verkraften kann und sich in eine Puppenwelt flüchtet, einen Arbeitskollegen von John, der ihm so furchtbar dankbar ist, weil er ihn vorm Erstickungstod gerettet hat, ein entführtes Mädchen, ein Koma, das nach kurzer Zeit beendet ist und keine Spuren hinterlässt, eine angestrebte Ballonfahrt nach Indien, Diskussionen über die Serie „Magnum“.

„Pale Blue moon“ enthält unheimlich viel unterhaltsames Zeug und erfreulicherweise ist das handwerklich ausgezeichnet erfasst worden.
Manchmal werden leichte Blaufilter eingesetzt, die Kamera bringt ein paar ausgeklügelte Perspektiven und umwerfende Fahrten und ein paar Flashbacks wurden sorgfältig geschnitten. Dazu umfasst die Musik eine breite Palette von Jazz über Country-Ballade bishin zu „Dead can Dance“- ähnlichen Songs.

Anfangs weiß man nicht so recht, wohin das führen soll, ist Simon einfach nur durchgeknallt oder gibt es tatsächlich extraterrestrisches Treiben?
Der Zuschauer wird möglicherweise ordentlich an der Nase herumgeführt, doch das Ende ist in jeder Hinsicht überraschend, zugleich bitterböse und hat zumindest mir eine ziemliche Gänsehaut verursacht.
Danach habe ich gleich noch mal den Anfang gesehen und es fügt sich alles lückenlos ein. Da mögen im Nachhinein allenfalls ein paar Nebensächlichkeiten etwas ungereimt erscheinen.

Dieses Debüt bietet von allem etwas und beschert dem Zuschauer Abwechslung mit erinnerungswürdigen Szenen, einer guten Portion Humor und einer insgesamt sauberen Inszenierung.
Starke Bilder, starke Story, nur mit Schwächen in den Nebenhandlungssträngen und gut aufgelegte Darsteller.
Hoffentlich ist von Mark Hosack noch einiges zu erwarten, denn dieser Film macht eindeutig Lust auf mehr.
8,5 von 10

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