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"Hui Buh, dass Schlossgespenst" dürfte für viele das Hörspielereignis aus ihrer Jugend sein. Noch bevor der Dickhäuter Benjamin und die Hexe Bibi Blocksberg die Kinderherzen eroberten, spukte Hui Buh, mit der Stimme von Hans Clarin, durch die Kinderzimmer vieler Mädchen und Jungen. Im Jahre 2006 soll nun, nach der erfolgreichen Kinoadaption von Bibi Blocksberg, auch Hui Buh seinen Leinwandauftritt erhalten. Doch schon als die Besetzung der Hauptrolle bekannt gegeben wurde war vielen klar, dass das nichts werden kann. Denn Tausendsassa Michael "Bully" Herbig konnte sich nun wirklich niemand als Hui Buh vorstellen. Dennoch wurde der Film fertiggestellt und von der Kritik natürlich zerrissen. Ich persönlich allerdings, bin leider nie mit der Hörspielreihe in Kontakt gekommen, bin aber sehr wohl ein überzeugter Fan von Bully & Co. Und somit konnte ich doch recht unvoreingenommen an die Sache herangehen und bin vielleicht auch deshalb nicht so mächtig enttäuscht, wie die meisten Kritikerstimmen. Doch etwas wirklich Unterhaltsames ist "Hui Buh" auch aus meiner Sicht nicht geworden.

Die Story ist dafür allerdings nicht zuständig, denn die passt eigentlich ziemlich gut, als naive Geistergeschichte in einem Kinderfilm. Schlossgespenst Hui Buh spukt seit vielen hundert Jahren auf Schloss Burgeck, als plötzlich der versnobte König Julius der 111. dort sein Quartier aufschlägt, um seiner angetrauten Gräfin Leonora zu Etepetete einen Heiratsantrag zu machen. Schnell versucht ihn Hui Buh aus seinem Gemach zu vertreiben, doch der Plan schlägt fehl und Hui Buh verliert zudem noch seine Spuklizenz. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass Julius eigentlich ein ganz netter König ist, der unserem Geist hilft diese Lizenz wieder zu erlangen. Unwissend allerdings, das seine Angetraute Leonora eigentlich finstere Pläne mit ihm vorhat... Ja, das klappt wirklich. Die Geschichte zum Hui Buh-Film muss man einfach gern haben. Sie steckt voller Fantasie, hat nett verschrobene Figuren zu bieten und hält sich durchgehend an die Regeln eines kindergerechten Spukspektakels. Es gibt einige finstere Szenen, aber natürlich keine wirklich dramatischen Vorgänge, die die Kiddies überfordern könnten. Kurzum, für kindergerechte Filmunterhaltung könnte, von Storywegen her, wirklich gesorgt sein.

Doch leider kann die Handlung nicht durchgehend überzeugen. Denn im Grunde wechseln sich hier typische Bully-Gags, mit einigen chaotischen Szenen, sowie seichtem Kindergrusel ab und das funktioniert mal mehr mal weniger. Wenn Hui Buh z. Bsp. wirklich jedes Mal für Chaos sorgt, wenn er durch die Lüfte saust, dann ist das beim ersten Mal vielleicht noch komisch, doch bei der x-ten Wiederholung geht es einem eher auf die Nerven, wenn "Herr Gespenst" mal wieder alles mögliche kaputt macht, weil er unbedingt durch die nächste Wand fliegen will. Nein, es gibt sogar immer wieder Stellen die regelrecht langweilig geraten sind.

Dazu halten sich auch die Gags als solches nicht immer auf dem gleichem Niveau. Während es einige Jokes gibt, die wirklich in bester Bully-Manier sind, so gibt es auch viel zu viele Blindgänger zu betrachten. Und das liegt dieses mal vor allem an derjenigen Person, welche die Gags gerade vorträgt. Wenn z. Bsp. der grandiose Christoph Maria Herbst, gerade besessen von Hui Buh, seine eigene Party ruiniert und dabei einen trockenen Spruch nach dem anderen loslässt, dann ist Brüllen garantiert. Genauso verhält sich mit Rick Kavanian, der hier einmal mehr sein grandioses Komikertalent unter Beweiß stellt und mit einer so genialen Mimik und Gestik strotzt, dass man selbst bei seiner blödesten Szene aus dem Lachen nicht mehr herauskommt. Ich jedenfalls musste mich ein ums andere Mal wirklich halten vor lachen, wenn er die Bühne betrat. Leider sind Herbst und Kavanian aber auch die einzigen wirklichen Lachgarantien in diesem Film.

Anders sieht es da nämlich bei unserer Hauptfigur aus, die dieses mal leider wirklich mehr als durchwachsen ist. Nicht nur das man sich mit der Idee, Herbig größtenteils nur als mäßig animierten Computergeist zu zeigen, ein Eigentor geschossen hat, so ist er hier leider auch nur hin und wieder mal wirklich komisch. Seine besten Szenen hat er da noch am Anfang, noch nicht animiert, als er bei einem gezinkten Skat-Spiel des Betrugs entlarvt wird und daraufhin vom Blitz getroffen wird. Diese, vielleicht 5 Minuten, sind bester Bullyhumor pur, da Bully sich hier wunderbar selber wiedergibt und wirklich der ist, den man nun schon seit so vielen Jahren aus dem deutschen Comedy-Geschäft kennt. Als animierter Gruselgeist hat er dann aber nur noch wenige witzige Szenen zu bieten, da es eben meist das pure Chaos ist, was er anrichtet und deshalb, auf die Dauer, nur noch bedingt witzig rüberkommt. Ob das aber die Hauptzielgruppe, die Kiddies, auch so sehen darf allerdings bezweifelt werden, zumindest in meiner Vorstellung haben sich einige selbst bei der albernsten und unwitzigsten Hui Buh-Szene noch vor lachen gekrümmt.

Nun gut, kommen wir zu den inszenatorischen Details, die zumeist recht überzeugend ausgefallen sind, sieht man einmal von der Animation Hui Buhs ab, die, zumindest in meinen Augen, nicht immer sonderlich gelungen wirkt. Nicht nur das einem das hyperaktive Gezappel von Buh irgendwann auf die Nerven fällt, so können die Animationen auch leider wirklich keinen Satz, gegen die schier genialen Computerfiguren z. Bsp. eines "Polarexpress" setzen. Zudem fragt man sich auch warum man überhaupt Hui Buh animieren musste, wenn doch alle anderen Gespenster nicht animiert wurden, sondern "nur" perfekt geschminkte Schauspieler sind. Denn was die Arbeit der Maskenbildner angeht, so kann man wirklich nur von perfekter Handarbeit sprechen, genauso wie die brillante Auswahl der altertümlichen Kostüme.

Sowieso wurde viel wert auf eine glaubwürdige Umgebung gesetzt. Die Kulissenauswahl ist schier perfekt geworden, genauso wie die Bauten, das Ambiente und die ganze Ausstattung des Schlosses. Ritterrüstungen, Äxte, Schwerter, Falltüren lassen doch eine recht gekonnte Atmosphäre aufkommen, die durch die perfekt funktionierende Ausleuchtung, einer cleveren Kameraarbeit, sowie manchem netten Special Effekt noch unterstreicht wird. Und auch die Musikauswahl kann sich soweit hören lassen.

Darstellermäßig habe ich mich ja nun schon zu einigen geäußert, doch ich mach dies gerne noch einmal. Wie schon erwähnt sind vor allem Herbst und Kavanian die absoluten Gewinner der Vorstellung. Über ihre Auftritte kann man wirklich jedes Mal aus vollen Halse lachen und auch die Darstellung ihrer Figuren klappt vorzüglich. Anders dagegen leider Michael Bully Herbig, der nur in den Anfangsminuten funktioniert, als Schlossgespenst aber nicht immer überzeugen kann. Des weiteren gibt es auch noch eine recht nervige Heike Makatsch zu betrachten, die, aus meiner Sicht, nach wie vor zu den überschätztesten deutschen Schauspielerinnen gehört und auch hier mal wieder exzellent beweist, dass man auch ohne großes Talent zum Film kommen kann. Und natürlich Hans Clarin, die eigentliche Stimme von Hui Buh, der hier seinen letzten Auftritt hat, bevor er letztes Jahr von uns gegangen ist. Mager und mit gebrochener Stimme kann er hier zwar als Butler dennoch überzeugen, aber eigentlich blutet einem jedes Mal das Herz, wenn man dem schon sehr kranken Mann dabei zusehen muss, wie er sich für seine Rolle abrackert. So gern man ihn auch zusieht, aber das hätte er wirklich nicht machen müssen. Aber nun gut. Als Cameos gibt es dann übrigens auch noch einige Auftritte des großen Wolfgang Völz zu betrachten, sowie eines blassen Oliver Pochers und eines dämlichen Michael Kesslers, die beide völlig für den Allerwertesten sind. Somit also ziemlich durchwachsen das Ganze!

Fazit: "Hui Buh, das Schlossgespenst" ist, aus der Sicht eines Nichtkenners, leider bei weitem nicht der große Wurf geworden, den man nach der (für einen deutschen Kinderfilm) groß angelegten Werbekampagne hätte erwarten können. Die Story und die Inszenierung funktionieren zwar soweit, dafür ist aber die Handlung ein ständiges auf und ab, genauso wie das Niveau der Witze. Während man bei Herbst und Kavanian manchmal aus dem Lachen nicht mehr herauskommen mag, ist Bully dieses mal nur für wenig gelungene Szenen gut, was aber auch an der völlig verkorksten und unnötigen Animationsidee liegt, die eigentlich komplett in die Hose gegangen ist. Dazu eine unterirdische Heike Makatsch, blöde Cameos von Pocher und Kessler und mit Hans Clarin der traurige Abschied von einem der größten und besten Schauspieler und Synchronsprecher, den Deutschland je gehabt hat. Wer mit seinen Kindern mal wieder ins Kino möchte, der macht hiermit bestimmt nicht viel falsch, Bully-Fans und (wahrscheinlich) alte Hui Buh-Fans werden aber doch eher unzufrieden sein!

Wertung: 5/10 Punkte

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