Vorbemerkung:
In der Zeit des Hochmittelalters gab es auf Island ein sehr vielfältiges Literaturschaffen. Zu den interessantesten Genres, die damals ihre Blütezeit hatten, gehören die Isländersagas, die von dem rauhen, kampfbestimmten Leben isländischer Bauern handeln. Bis etwa zum Jahr 1000 gab es auf Island eine heidnische und quasi demokratische Gesellschaftsform, die aber dann allmählich unter die Dampfwalze der Christianisierung und Monarchisierung kam.
Der Film "The Viking Sagas" ist ein auf dem heidnischen Island angesiedelter Abenteuerfilm, der mit vielen Versatzstücken aus Isländersagas (v. a. Laxdoelar- und Njálssaga) angereichert ist, was sich vor allem bei den Personennamen bemerkbar macht. Die Handlung ist aber beileibe nicht so komplex wie in einer Saga, sondern eine typische Starke-Männer-Geschichte um Rache und Befreiung von Unterdrückten, in deren Mittelpunkt Muckibude Ralf Moeller als Kjarthan steht. Sein Gegner ist der Unterdrücker Ketil, der seinen Vater dem Opfertod überantwortete.
So einfach die Handlung auch ist, der Film läßt weder an Spannung noch an Atmosphäre zu wünschen übrig, wenn es sich hier auch um keinen Meilenstein der Filmgeschichte handeln dürfte - höchstens insofern ein Meilenstein, als hier einer faszinierende und höchst eigenständige Literaturtradition gehuldigt wird, was sehr anerkennenswert ist und vielleicht sogar den einen oder die andere dazu bewegt, selber mal eine Saga in die Hand zu nehmen (und sich nicht von den etwas trockenen Prologen aufhalten zu lassen...)
Ralf Moeller ist natürlich als Schauspieler keine Institution, zieht seine Rolle jedoch ohne große Peinlichkeiten durch. Erfreulich, daß er nicht von Anfang an als Superheld dargestellt wird, sondern erst mal eine Entwicklung durchmachen muß, wodurch der Film deutlich glaubwürdiger wirkt. Die anderen Schauspieler sind ebenfalls in Ordnung, wobei es sich bei vielen auch um echte Isländer mit entsprechend schönen Namen handelt. Eine Schauspielerin, die ein junges Mädchen vom Hof des Magnus spielt, hat leider eine etwas lächerliche Synchronstimme abbekommen.
Die zahlreichen Kampfhandlungen sind mit dem zugehörigen Blutgehalt versehen, und die Freigabe ab 18 ist durchaus gerechtfertigt, besonders was die Opferhandlung von Kjarthans Vater angeht...
Ein wirklich ordentlicher Abenteuerfilm, den es sich anzuschauen lohnt.