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Ähnlich wie Django, Santana oder Ringo war Sartana ein gern genutzter Name des Spaghettiwesterns. Von Letztgenannten dürfte es so an die 20 Filmtitel geben - plus Dunkelziffer (deutsche Synchronisationen erschufen damals gern Namen, die so im Original nicht vorhanden waren). Der „richtige“ Sartana war jedoch Gianni Garko in insgesamt sieben Filmen, wobei der erste „Sartana" herzlich wenig mit den sechs folgenden Streifen zu tun hat. Garkos Charakter ist dort noch ein Bösewicht und tritt erst im hier besprochenen „Sartana – Bete um deinen Tod“ als mysteriöser, schweigsamer Revolverheld auf.

In inszenatorischer Hinsicht steht „Sabata“ - Regisseur Gianfranco Parolini seinem Kollegen Giuliano Carnimeo (drehte vier der indirekten Fortsetzungen , meist mit Garko) in Nichts nach. „Sartana – Bete um Deinen Tod“ ist von Grund auf ein solider Genrebeitrag, der weder sonderlich positiv, noch negativ auffällt, weil sich Pro und Contra in etwa die Waage halten.

Das Objekt der Begierde stellt hier ein Goldtransport, der gleich zu Beginn zweifach den Besitzer wechselt und auch infolge für reichlich Trubel sorgen wird, weil sich vom Bankier, über den neuen Bürgermeister bis hin zum fetten, mexikanischen General (Idealbesetzung: Fernando Sancho) alle den Schatz unter den Nagel reißen und obwohl sie eigentlich miteinander arbeiten, sich nicht vertrauen und gegenseitig zu betrügen versuchen. Wie wir spätestens seit „Für eine Handvoll Dollar“ wissen, ist das der ideale Nährboden für einen schweigsamen Revolverschwinger...

Diese Ränkespielen bleiben lange etwas verworren, weswegen man als Zuschauer zu Beginn seine Probleme hat die Figuren und ihre Ziele richtig zuzuordnen, ausreichend Abwechslung wird jedoch stets dank Sartana (Gianni Garko, „Ein Halleluja für Camposanto“, „Ein Halleluja für Spirito Santo“) geboten. Denn der Fremde zieht nicht nur wie ein geölter Blitz und schickt seine Gegner gleich im Dutzend in die Särge, sondern ist sich auch für ein Pokerspiel (inklusive spektakuläres Kartenmischen) im vom Rauchschwaden durchzogenen Saloon nicht zu schade. Nie um eine Möglichkeit verlegen den für die Interessentruppe Bankier/Bürgermeister/General arbeitenden Gauner Lasky (William Berger, „Heute ich... morgen du!“, „Keoma“) zu provozieren und in Unsicherheit zu wiegen, erzwingt er geradezu bleihaltige Luft. Stets mit der Folge, dass Laskys Männer ins Gras beißen.

Trotz des überraschend hohen Bodycounts (nahezu die Hälfte davon per Headshot) und den wie erwartend tadellos agierenden Gianni Garko (mit Drei-Tage-Bart und schwarzen Klamotten ungemein cool) und William Berger (Klaus Kinskis Nebenrolle ist leider viel zu klein) reicht es insgesamt nur zum Prädikat überdurchschnittlich. Regisseur Gianfranco Parolini ist ein durchaus solider Handwerker, aber abseits von wenigen guten Ideen (die Spiegelszene beim Barbier) fällt ihm nicht viel ein. Der zynischer Unterton ist nur selten präsent und für spannende Revolverduelle fehlt ihm völlig das Händchen. Nun stand hier zwar auch kein Ennio Morricone, sondern nur der vielbeschäftigte Piero Piccioni musikalisch zur Verfügung, besonders das finale Duell hätte aber weitaus intensiver zelebriert werden dürfen.

Nichtsdestotrotz bleibt zumindest der Unterhaltungswert beständig. Sartana liefert sich regelmäßig Duelle mit zahlenmäßig weit überlegenen Schergenhorden, sieht die Schachzüge seiner Gegner schon vorher und stellt ihnen Fallen (sein Trick mit dem Seil und dem Schaukelstuhl ist besonders putzig), während Lasky mittels Gatling auch zweimal für das große Reinemachen zuständig ist – je weniger Beteiligte, desto besser lässt sich bekanntlich teilen. Hin und wieder gibt es dabei auch wirklich gelungene Momente, wie die beiden atmosphärischen Besuche im düsteren, verstaubten Sargmacherschuppen.


Fazit:
Fans der gepflegten Italowesternunterhaltung machen mit „Sartana – Bete um deinen Tod“ im Grunde nichts falsch. Zu den Highlights, die das Genre seinerzeit hervorbrachte, fehlt zwar einiges, dennoch handelt es sich hier um einen unterhaltsamen Western mit ausreichend bleihaltiger Luft, guten Schauspielern und authentischem Look. Die Abstriche handelt sich Gianfranco Parolinis Werk nur dank seiner unattraktiv erzählten Geschichte, der nur durchschnittlichen Musikbegleitung und fehlender inszenatorischer Klasse ein.

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