Brian De Palmas Filme waren immer gezeichnet von Umwegen - von Finten, kleinen Stories, Film-Zitaten und scheinbar Nebensächlichem - alles Hilfsmittel, um uns Zuschauer von der eigentlichen Linie abzulenken. Wie ein Magier, der die eigentliche Lösung so verschleiert, daß wir sie nicht sehen können, obwohl sie offensichtlich vor unseren Augen stattfindet.
Hier erzählt er eine Geschichte, die sich auf einen Roman James Ellroys stützt, der sich wiederum auf einen realen Mord in Los Angeles 1947 bezieht. Ellroys Mutter war einem ähnlichen Verbrechen zum Opfer gefallen und Ellroy nutzte ( und brauchte) diese Vorlage, um die Abgründe zu beschreiben, die sich hinter der glänzenden Fassade von Los Angeles auftaten. Doch der Film ist weniger eine Literaturverfilmung, sondern vor allen Dingen ein Brian De Palma Film, ein Film in dem der Meister den Dingen nachgeht, die ihn am meisten interessieren - den Obsessionen der menschlichen Seele.
Dazu dient das schreckliche Verbrechen an der jungen Schauspielerin Elizabeth Short, die in zwei Teilen aufgefunden wird, ihr Gesicht zu einer lachenden Fratze geschnitten. Und so wie mit diesen beiden Teilen konfrontiert uns De Palma mit den Gegenpolen Schwarz und Weiß - nur was sich dahinter verbirgt können wir nicht erkennen.
Wir, das ist in diesem Fall Dwight "Bucky" Bleichert (Josh Hartnett), ein deutschstämmiger Boxer, der nach dem Krieg in den Polizeidienst gewechselt ist und aus dessen Sicht die gesamte Geschichte erzählt wird. Der Film läßt nur wenige Momente eines seitlichen Blickes auf das Geschehen um Bucky zu, oft sehen wir die Szenen direkt aus seinem subjektiven Blickwinkel, unterstützt noch von seiner Stimme aus dem Off.
Der Film fängt in ruhigem Tempo an und erzählt geradlinig die Geschichte der Freundschaft zwischen den beiden Boxern Bucky und Lee Blanchard (Aaron Eckhardt), die gemeinsam ein Ermittlerteam bei der Los Angeles Polizei bilden. Sie sind sehr erfolgreich und beliebt, aber besonders aufgewertet wird ihre Freundschaft durch Lees Lebensgefährtin Kay (Scarlett Johansson), einer immer in Weiß gekleideten blonden Schönheit. Gemeinsam verbringen sie schwerelose Tage und dieses erste Drittel des Films erinnert mehr an ein Zeitgemälde über Los Angeles 1947 mit seinen Parties, schönen Menschen und dem aufkommenden Reichtum nach dem Ende des zweiten Weltkrieges - atmosphärisch dicht, aber nur im Geheimen erkennt man die ersten schwarzen Schatten...
Doch so einfach strukturiert der Beginn ist, so komplex und geradezu verwirrend wird der Film im weiteren Verlauf - wie ein Strudel ,der die Protagonisten immer weiter in sich hineinzieht und entsprechend schwerer wird es für den Betrachter, dem Film zu folgen.
Ausgangspunkt für diese Änderung ist der Mord an Elizabeth Short, deren Auffinden der Leiche De Palma mit einer genialen Szene aus der Vogelperspektive verbindet, bei der Lee und Bucky in eine Schießerei verwickelt werden. Hier werden zwei Ereignisse verbunden, die real nichts miteinander zu tun haben, aber De Palma will uns damit zeigen - ab sofort hat Alles irgendwie mit Allem zu tun.
Lee und Bucky werden auf die Lösung des Mordes angesetzt, aber De Palma erzählt hier keinen klassischen Detektiv-Thriller ,ihn interessieren die persönlichen Verwicklungen und die psychischen Folgen der Protagonisten. Lee vergräbt sich immer fanatischer in die Person der Getöteten, während Buckley bei seiner Suche nach Spuren auf die schöne Madeleine Winscott (Hilary Swank) trifft , die immer schwarz gekleidet dem Mordopfer ,der "Schwarzen Dahlie" ,sehr ähnlich sieht.
Im letzten Drittel besteht der Film dann aus einer Aneinanderreihung von exzessiven Szenen, die Buckley und damit uns Zuschauer ständig in eine andere Sichtweise drängen - Weiß und Schwarz ist zu einfach - gemäß James Ellroy zeigt uns der Film die Abgründe ,die darunter verborgen sind. Wer diesen Szenen noch mit logischer Nachvollziehbarkeit folgen will, wird enttäuscht, hier geht es nur noch um eine Atmosphäre, die uns in absolute Finsternis führt und auch zum Schluß nicht erleichtert entläßt...
Fazit : mit Hinweisen und Zitaten an Hitchcock-Filme gespickter Film Noir, der seine Qualitäten in den hervorragenden Schauspielern hat und atmosphärisch so dicht ist, daß er uns stilvoll in diese Zeit mit schönen Frauen und starken Männern entführt. Doch das ist nur Fassade, Brian De Palma konfrontiert uns zunehmend mit menschlichen Abgründen und Obsessionen, deren Steigerung er konsequent bis zum Schluß durchhält.
Wer hier einen klassischen Thriller erwartet, wird enttäuscht - die Stärke des Films, der bewußt immer unübersichtlicher wird, liegt in dem strudelartigen Sog der Obsessionen, in den De Palma uns immer weiter hineinzieht - der Film ist dabei keine Sekunde lustig oder witzig amüsant ,sondern regelrecht todernst und hinterläßt zum Schluß ein schales Gefühl zwischen Hoffnungslosigkeit und Verwirrung mit Bildern vor Augen, die man vergessen möchte, aber nicht kann...(9/10).