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Ein Witz wird selten besser, wenn man ihn immer wieder erzählt – da muß die Pointe schon besonders gut sein.

Ein Beispiel für diese Theorie stellt sicherlich die neueste Version von „The Texas Chainsaw Massacre“ dar, das den bezeichnenden Beititel „The Beginning“ trägt, als das Prequel zu Nispels Remake und nach Möglichkeit auch zu Hoopers Original darstellen soll, obwohl zu letzterem die Personenkonstellation innerhalb der pervertierten Familie nicht passt.
Hier sollen endlich die Hintergründe erkundet werden, die Herkunft von Leatherface ans Licht gezerrt und die Auslöser für den Kannibalismus geklärt. Ein durchaus hehres Ziel…

Was Jonathan Liebesman, Regisseur des immerhin passablen „Darkness Falls“, jedoch hier abliefert, ist wenig mehr als ein Alibi-Anhängsel für nur eines: das fast deckungsgleiche Re-Do des Nispel-Remakes.
Die Hintergründe nehmen bestenfalls ein Sechstel des Films ein, angefangen von Leatherfaces Geburt und „Adoption“ bis zu seinem „Ausscheiden“ aus der Fleischfirma, dem wirtschaftlichen Niedergang der Region und der Schließung der Schlachtfirma, wobei letztere Infos schon aus Hoopers Original bekannt waren und in diesem Fall keine Resonanz in momentanen gesellschaftlichen Zustand finden.
Der Kannibalismus wird auf ein Familienmitglied mit Verweis auf den Koreakrieg zurückgeführt, warum hier alle samt und sonders pervers oder degeneriert sind und nicht alle auf der Pfanne haben, bleibt Mutmaßung (Inzest, verminderte Zellteilung?).

Ansonsten haben wir das alles schon vor drei Jahren gesehen: zwei Pärchen, ein Überfall, eine Panne und schon hängt man bei den Verrückten im Schuppen und muß sich seiner Haut wehren. Wieder ist ein fesch Mädele am längsten auf freiem Fuß, wieder gibt es eine Tischszene, das Zersägen eines Opfers im Keller, das Geschleiche durchs und das Gerenne ums Haus und am Ende trifft man sich dann natürlich auch im alten Schlachthaus wieder.

Abgesehen von diesem Wiedererkennungseffekt ist das jedoch kein Markenzeichen für Qualität, auch wenn man den Opfer in spe das politische Mäntelchen des Vietnamkriegs umgehängt hat, auch das ein nicht entwickelter Fingerzeig.

Gesteigert hat sich in diesem Film nur der Gore-Gehalt und der ist im Vergleich zu Nispel dann doch recht deftig, kann aber bisher nur in der unrated DVD-Version besichtigt werden, weil in Deutschland in der Kinofassung gute 8 Minuten fehlen.
Das macht den Film zwar nicht total kaputt, nähert ihn aber noch mehr Nispels Werk an, mit dem er in Sachen, Ausstattung, Sets, Beleuchtung und Inszenierungsstil fast identisch ist.

Immerhin: es gibt keine Schluderei, „TCM- The Beginning“ ist in beiden Versionen ein durchaus spannender und solider Horrorfilm – solange man von der Franchise noch nie was gehört hat bzw. den Horrorfan derlei Aufgüsse nicht stören. Die Splatterfans wird es sowieso freuen.
Insgesamt ist das Werk eine Enttäuschung und unterstreicht nur die Theorie, dass man Prequels in den meisten Fällen nun wirklich nicht braucht, weil man eh schon weiß, wie die Konstellation am Ende aussehen wird – und das das keine Entschuldigung für das kreative Tief, keine zündende Idee für die Weiterentwicklung eines gesellschaftlich ironisierten Horrorfilms zu haben.
Aber möglicherweise wollen die Kids das ja auch gar nicht. (5/10)

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