Review

Unbehaglicher Terrorfilm als Hintergrund einer weiteren Tortur

Man sollte diesen Film einmal ganz neutral betrachten und das ganze Drumherum um Fassungen, Sequels, Originale, Prequels außer Acht lassen. Dann kann auch eine objektive Kritik gelingen, die an sich das Ziel einer jeden Review sein sollte. Nähern wir uns also dem Thema ganz behutsam und geben vor, bisher noch nie etwas aus dem Dunstkreis des Mannes mit der Ledermaske gehört oder gesehen zu haben. Nehmen wir weiter an, wir kennen nicht Tobe Hooper oder Michael Bay, und wir sind auch erst zarte zwanzig Jahre alt – denn so war es einst, als die erste Welle wirklich harter Filme ins Kino kam, selige Zeiten von „Halloween“, dem Beginn der Serien um Freitag und Alptraum…was hat man da nicht auf die nächste Blut-und-Mord-Szene gewartet, und es mußte immer noch blutiger sein…

Genau dieser Trend setzt sich im Kino der heutigen Zeit durch. Es geht ( fast ) nur noch darum, der Film mit den meisten blutigen Details zu sein, und auch die Werbung für das Horrorgenre setzt fast ausschließlich auf grobe Gewaltdarstellung. Dieser Wettbewerb aber kann in den nächsten Monaten nur Verlierer haben, denn was soll noch alles an Steigerungen kommen? In meinen Augen hat Clive Barker mit den ersten beiden Teilen der „Hellraiser“ – Serie Maßstäbe des Zeigbaren gesetzt, die nicht mehr übertroffen werden müssen. Wo liegt der Reiz einer minutenlangen Abfilmung einer Operation, wie sie derzeit bei „Saw 3“ zu sehen ist? Wie klein muß ein Opfer zerstückelt werden, bevor es genug ist? Der Trend stimmt nachdenklich…und versperrt den Blick auf die Qualität dieses insgesamt recht herben Schockers.

Denn die Feinheiten sind nicht etwa die Morde mit der Kettensäge oder das Abziehen von Haut, nein, die unangenehme Atmosphäre, die hier erzeugt wird, ist viel bedrohlicher und nachhaltiger als ein weiteres blutrünstiges Meucheln. Die Story gibt nicht sehr viel her…vier junge Menschen werden nach einem Unfall im texanischen Hinterland Opfer einer sehr merkwürdigen Familie. Punkt. Wer bei den jungen Darstellern großartige Leistungen erwartet, ist genau so im falschen Film wie jemand, der kein Blut sehen kann…nein, die Krone des Films gebührt Lee Ermey als Sheriff Hoyt, dessen Figur eine Mischung aus seinem Sergeant bei „Full Metal Jacket“ und völligem Psychopathen ist. Die Dialoge und Auftritte dieses Mannes sind bei weitem unerfreulicher als das blinde Metzeln des Mannes mit der Maske. Die Ausweglosigkeit des Geschehens ist vom ersten Moment spürbar, sämtliche Mitglieder der Familie von Sheriff Hoyt möchte man nicht zu seinen Bekannten zählen, da ist der irre Schlitzer mit der Maske nur ein weiterer Neffe…

Und so kommt es, daß sich der Blick wendet weg von den ( natürlich technisch perfekt getricksten ) blutigen Details und hin zu den Hintergründen der Sage um den Sägemörder. Es ist nett für den Fan, daß ein paar der Geschehnisse im späteren Leben der Familie durch dieses Prequel erklärt werden, wenngleich noch immer der Auslöser für die Taten sehr oberflächlich bleibt. Doch als Terrorkino funktioniert der Film sehr gut, da fügt sich alles zusammen…braunstichige Farben, häßliche Geräusche, unerquickliche Musik…und natürlich werden die Freunde von „Blut & Morde „ auch zufrieden sein. Kein Film für einsame und dunkle Nächte, für mich einen Tick besser als der zeitgleich erschienene „Saw 3“ und daher 8/10.

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