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Mittlerweile ist die Staffelübergabe abgeschlossen. Ronald Cheng hat den bisherigen King of Comedy Stephen Chow sicherlich nicht abgelöst, sich aber als beständige Grösse etabliert und damit als Art inoffizieller Nachfolger bestätigt. Die in steter Abfolge produzierten Werke trotzen erfolgreich der Krise der Hong Konger Filmlandschaft, so dass die Suche nach einem verlässlichen Box Office Magneten auf dem Gebiet des Humors beendet werden kann. Der bisherige Hoffnungsträger Nick Cheung zog weder bei den Kritikern noch dem Publikum und ist in ernsten Rollen unter Johnnie To augenscheinlich auch weitaus besser aufgehoben.

Auch Cheng hatte es anfangs nicht einfach. Die Karriere startete nicht nur im falschen Genre, sondern auch mit ganz anderen Schwierigkeiten. Lange Zeit wurde an seinen Stärken vorbei inszeniert, er durfte wenig aus seiner Rolle heraus, konnte die Zuschauer nicht direkt animieren und wurde ganz einfach nicht be- oder nur mißachtet. Der Einstieg über Nebenrollen und eine zeitweilig stagnierende Musikkarriere sowie sehr schlechter Publicity - Cheng randalierte 2000 betrunken auf einem Auslandsflug - schien zu einem schnellen Aus zu führen. Nun ist der Herr Papa allerdings CEO bei EMI und war dies zuvor auch bei PolyGram und Universal Music; neben den Klüngelbeziehungen half dann letztlich auch, dass die Zuschauer nicht nur mangels anderer Alternativen auf seine Filme und die neu präsentierte Kunstfigur ansprangen und ihm inzwischen beharrliche Treue halten.

Sein vorübergehender Action - Ausflug in Jacky Wus Fatal Contact sorgt 2006 für erste grössere Akzeptanz im außerkantonesischen Sprachraum; auch Undercover Hidden Dragon hat ebenso wie sein Durchbruch Dragon Loaded und die Bekräftigung Dragon Reloaded Einiges an Martial Arts Einheiten zu bieten. Ist aber ansonsten und vor allem hauptsächlich ein halbflapsiges, halbtölpeliges Schmunzeleck, dass durch ehrenhafte Führungsqualitäten seitens der Doppelregie auch etwaige nutzlose Arbeitsgänge und unrationelle Tätigkeiten zumindest ausgleichen kann. Sowieso interessieren die Filmemacher hinter der Kamera der Jump-and-Run-Comedy mehr als die Darsteller vor ihr: Das Team Gordon Chan / Dante Lam hat seit 1990 eng zusammengearbeitet und in der langen Zeit für so unterschiedliche [Mini]Klassiker wie Fight Back to School 1+2, The Final Option, Fist of Legend, Thunderbolt, First Option, Option Zero, Beast Cops und 2000 A.D. gesorgt.

Auch hier beschafft man eine edlere, rücksichtsvoll gedämpfte Fotographie, die dem normalerweile schreiend bunten Szenario ein willkommen dezentes Halbdunkel mit spendablen Raumkonzepten verleiht. Bestimmt kein ästhetischer Hochgenuß, aber eine matte und dabei trotzdem technisch aufwändig realisierte Farbdramturgie mit finsterem Rahmen, diskreter Lichttechnik und schemenhafter Spiegelungen. Eine bis auf seltene Artikulationszeichen eher wenig enthusiastische, aber deswegen auch angenehm kühle Demonstration von stilistischen Verwandtschaften, die in ihren abschweifenden Beschreibungen und Reflexionen rein optisch einen geschickten Bogen zur entsprechenden Cop / Undercover / Triadenquelle machen:

Der Taugenichts Sunny Sun, genannt 'Fat Chai' [ Ronald Cheng ] wird sowohl von seinen Arbeitgebern als auch dem örtlichen Kleintriaden Brother Bomb [ Timmy Hung ] herumgeschubst und ausgenutzt. Einzig Kumpel und Mitbewohner Moon Pi [ Lam Tze-Chung ] hält zu ihm. Als Fat Besuch von der Police Intelligence Unit bekommt und ihm Senior Officer Madam Chong Ching [ Theresa Fu ] eröffnet, dass er ein Undercoverpolizist mit Amnesie ist, übernimmt er nur widerwillig die Aufgabe. Trotzdem kann er schnell das Aufsehen vom Zielobjekt Wing To [ ebenfalls Ronald Cheng ] erregen, der ihn unter die Fittiche nimmt und als Bodyguard für seine Frau Sharon [ Pace Wu ] abkommandiert. Dass Fat seit Jahren heimlich in die einstige Waffelverkäuferin verliebt ist, macht die Mission nicht gerade leichter.

Ein Teil Action, ein Teil Romantik, abgewürzt mit etwas Spannung und viel Klamauk und Durcheinander in bruchstückhafter Verbindung; die Blockbustermischung ist schnurstracks auf einen anlockenden Popcornleckerbissen hin ausgerichtet und hat so von vornherein sein Interesse an einer Übernahme der Kinocharts angemeldet. Wichtigste Wachstumsmotoren der wirtschaftlichen Konsequenzen sind natürlich Unterhaltung, Ablenkung, Belustigung und gute Laune. Wird auch erreicht, allerdings weniger in einem gehaltvollen Programm als vielmehr einer problematischen Dosierung von Vollgas und Leerlauf. Zwischendurch treten in der kommerziellen Nichtigkeit mit bizarren Zügen immer wieder gespenstische Löcher von Stillstand und Stupidität auf, in der sinnlos ausformulierte Monologe und Dialoge in kommunikativer Inkompetenz vorbeirauschen. Einmal triumphiert sogar der Pathos über die Ironie. Auch Tanz- und Singeinlagen nach Frank Farian Noten [ ! ] sind mehr als unnötig und besitzen ausser etwas banaler Popkultur und bemüht aktivem Zeitvertreib keinen weiteren Zweck. Mehr Nonsens als Konsens. Sichtlich vom Karnevalsvirus angesteckt, aber kein wirklich diebisches Vergnügen und auch weniger eine sporadische Veranstaltung.

Immerhin besitzt die restliche Geschichte abseits von motivischer Schlangenlinie und zusammengebastelten Szenenbilder-Zickzack soviel Schliff, sich mittig plötzlich zu teilen, vorübergehend einen ausgefallen-drolligen Superheldenplot in Sonderexistenz beizumischen und so über dem Springen auf verschiedenen Erzählebenen noch einmal für abwechslungsreichen, bisweilen cartoonhaften Schwung zu sorgen. Auch wenn diese Szenen wie als kleine, autarke Systeme nur die Kollektion an Witzen bereichern statt wirklich zur eigentlichen Geschichte beizutragen. Sowieso tut man vieles für einen guten Gag, ohne die Schlagzahl derer enorm in die Höhe zu treiben; mit einem bisschen Wartezeit und etwas gnädiger Geduld findet man aber sicherlich seine Highlights, die dann öfters in der Erwartung - Enttäuschung Methode ablaufen: Fat soll etwas leisten, verbaut dies aber entweder vollkommen oder geht einen ganz anderen, in seiner Ungewöhnlichkeit kuriosen Weg.

Cheng selber im Handlungszentrum werkelt dabei nach strikter Simplizissimus-Tradition, mit energischem Vertrauen auf die pantomimischen Qualitäten. In dem chaosreichen Getümmel und der betont naiven, zuweilen auch schmerzenden Abfolge aus Verkleidungen, Maskierungen, Tollpatschigkeiten, Selbstüberschätzung und dreisten Ausreden lässt sich unschwer ein junger Stephen Chow erkennen. Möglichst kein copy and paste von dem, was es schon gab, so werden Effekte mehr erarbeitet statt erhascht und kein Wert auf geschliffene Streitgespräche, Zynismus, schwarzer Humor und überdimensionalen Slapstick gelegt. Dennoch eine Einhaltung und Anwendung von altgedienten Prinzipien, so gibt auch Cheng das Kind im Manne, mit viel Gesten- und Gebärdenspiel, absurden Fantasien und Rollentausch. Ein hampelnder Schlacks mit Gummiknochen, der mit seinem fülligen sidekick statt mit einer Frau zusammenwohnt, höchstens mit seinen Stofftieren und Porno VCDs ins Bett geht und sein letztes Kondom vor drei Jahren hat ungenutzt ablaufen lassen. Der eher unfreiwillig anarchistische Klassen-Clown in der Opferrolle, der mit geringen Mitteln grosses Unheil anrichten vermag, dabei oft nicht weiss, wie ihm geschieht, aber trotz seinem einfachen Intellekt und mangelndem Gespür dennoch die schlimmsten Gefahren überstehen vermag.

Dazu gehören auch physischen Aktionen des Schauspielers, der sich den Schikanisierungen erst ausliefert, aber im Laufe der Zeit auch entsprechend gegenhalten muss. Die reinen akrobatischen Einlagen werden aber von Philip Ng vollzogen, der in drei Gelegenheiten seine Wing Chun, Hung Gar und Choy Lay Fut Kung-fu Kenntnisse anwenden darf und in diesen infight - Momenten nicht nur den Film an sich reisst, sondern durch Veränderungen in Dynamik, Hochdruck und Kraft und der Ausnutzung von Energien für einen Augenblick auch in etwas Anderes, Besseres verwandelt. Gegner werden in Autoscheiben geknallt, durch Glas gestossen und mit Schlagring malträtiert; ein kompromißloses und effektives Angriffssystem anhaltender Vorwärtsbewegung und Kraft aus kürzester Distanz, dessen Stil aus roher Gewalt und kompensierter Aggression man ruhig öfters und ausführlicher in Augenschein nehmen würde.
Ausserdem sind die Mädels als Beigabe alle recht grazil. Insgesamt laufen mit den zusätzlich gecasteten Ella Koon, Miki Yeung und Michelle Yip ganze fünf Blickfänge in Minirock oder enganliegendem Damenanzug herum, was sicherlich auch Verächtern des plumben Humbugs einige frohe Gedanken entlocken kann.

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