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Eher als Actionthriller mit hohen Heroic Bloodshed - Anlagen fundamentiertes Werk von actor goes director Wilson Tong, der in seiner Karriere mit der Zeit und so von erst Kung Fu zu Horror bis eben zu Filmen mit hohen Schusswaffengebrauch und Straßenschlägereien überging. Tong hat dabei seine Arbeiten stetig gut im Griff, ohne jetzt tatsächlich aus der Masse all der anderen Vertreter seiner Artgenossen heraus zu ragen, was den vorliegenden The Sniping gleichsam und auch vergleichbar zu damalig weiteren modern day Geschichten A Bloody Fight (1988), A Fiery Family (1989) und All Mighty Gambler (1991) betrifft. Die vertrauenswürdige Bank auf jeden Fall und problemlos, eine geheime überschwängliche Rendite aber nicht:

Bei dem planmäßigen Transport ihres Gefängnisbusses nutzen die Insassen Choi Dai-keung [ Norman Chu ], Ko Lai-sum [ Mang Ding-goh ] und Cheung Wai [ Huang Ha ] die Gunst der Stunde zur Flucht, nicht ohne mit dem Wärter Jackie [ Wilson Tong ] auch den Sohn des Leiters Chu [ Chor Yuen ] zu töten, und den weitgehend Unbeteiligten und Unwillen Tseng Han-tsi [ Eric Tsang ] zu entführen. Tseng Junior steht kurz vor der Entlassung, und hätte mit seinem Vater, dem Schwerreichen Tseng Senior [ Wu Fung ] auch die rosige Zukunft in naher sicht. Zwar ahnt der nun verantwortliche Sergeant Chan [ Chen Kuan-tai ] von der Unschuld des zufällig in die Schusslinie Geratenen, hat der wütende Chu allerdings bereits die Triaden unter Führung von Fa Ga [ Chu Tau ] auf die Flüchtigen und Mörder seines Sohnes angesetzt. Seitens des Milliardärs wird der Privatdetektiv Mantsi [ Alex Man ] engagiert, der Exfreund der zukünftigen Schwiegertochter Iling [ Irene Wan ], der die nunmehrige Bredouille auf seine Weise bereinigen soll.

Für Zeit und Herkunft ist man dabei gängig, vielleicht etwas im höherpreisigen Segment und mit einer Handvoll allseits bekannter Gesichter, nicht gerade den Stars selber, aber ihrem würdigen Ersatz besetzt. Der getragene Aufwand in der Ausstattung, dem Casting, aber auch dem allgemeinen Prozedere von Aufbau und Entwicklung der Geschichte ist durchaus wohlwollend Rechnung zu tragen, wird die Erzählung nicht gleich gänzlich vorhersehbar, wenn auch im Rahmen des Genre voran- und mit guten Beispielen in der Dramaturgie beigetrieben. Der Beginn vom Ausbruch aus dem Gefängnis und der allseits als Sperrkette dienenden Polizeikontrollen, die das uneinsichtige Gelände und ihre 'Bewohner' zur Falle umwandeln sollte, versprach allerdings ein wenig Mehr als das das weitere Geschehen diesem Hoffen Folge leisten kann. Zu springend die Perspektiven, zu sehr verklausuliert die Motive.

Denn ausgerechnet mit dem Eintreffen weiterer Parteien, die quasi als Unterstützung und Reserve die Drecksarbeit erledigen sollen, verlangsamt sich die Inszenierung auf Distanz und Intervall. Die ursprünglichen Motivationen werden de facto ausgesetzt und den Surrogaten überlassen, die anstatt zusätzlich und mehr Kraft und Gewicht zu bringen die Einsätze in die Länge ziehen. Die Killertruppe taucht natürlich nur sporadisch auf und sorgt dann für die Ausübung behänder Aktivitäten, aber der Privatdetektiv wandelt sich zur Hauptrolle um und bekommt sein eigenes Szenario zur Charakterisierung und emotionalen Wert.

Man, der auch ausgerechnet der Einzige im Auftritt ohne den Background der Ausbildung als Stuntman, Choreograph und Action extra, dafür hier wenigstens in einer positiven Funktion als Protagonist, also selten für ihn ist, wird zudem als Kreuzungspunkt all der Hetzjagd und als Seele der Gewissen benutzt. Ehemals der Freund der ihn nun ständig begleitenden, die Ohren voll lamentierenden Iling, die im Nachhinein noch Vorwürfe über die vormalige Beziehung und durch des Lobes voll über ihren neuen Freund sicher auch nicht die Tätigkeit leichter macht, steht er als Schlüsselfigur in der Aufmerksamkeit und durch das Abgleiten in Dialog und Monolog auch als Stoppschild in der Gegend.

Darüber hinaus nimmt er die Aufmerksamkeit von der Polizei, den Vollzugsbeamten und ihrem Hass und Klüngel und Beugen der Rechtsprechung sowie Ausübung von Selbstjustiz weg; das Thema der schwarzen Schafe in den Reihen der Gesetzeshüter wird in andere Hände gelegt, im anfänglichen Nebenbei behandelt oder unter den Tisch gekehrt, zu Gunsten der Austragung von temporären Kampfszenen immerhin. Beklagen kann man sich in dieser Quantität und Qualität der Choreographie (von Tong selber und Wong Chi-keung) bestimmt nicht; jederzeit fach- und kunstgerechtes Handgemenge, das auch mit dem Einsatz von diversen Hilfsmitteln wie Steinen, Holzkanten, Baseballschlägern und Schlagstöcken aus dem Polizeibesitz, und manchen gewandten Zeitlupen in dieser physischen Geschäftstüchtigkeit zusätzlichen Schmackes erhält. Das Deon Lam - Cameo bleibt allerdings das Einzige, was tatsächlich durch seine Akrobatik erpicht, im Rest wird sicherlich zuweilen auch mit Sprüngen und Stunts von Höhen herab oder in die Glasscheiben hinein geglänzt, aber doch mehr Wert auf violentes Machetenwerk gelegt. Ein ständiger Kampf gegen heranstürmende Massen, in dem man entweder nur blutbesudelt von oben bis unten oder gleich mit den Füssen voran und im Sarg aus dem Ärgernis hinausgeht.

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