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Wenn Adam McKay und Will Ferrell zusammenarbeiten, dann darf man sich auf Eigenwilliges einstellen, so auch bei ihrer zweiten Kooperation nach „Anchorman“.
Die Titelfigur kommt auf dem Rücksitz eines Autos zur Welt, hat von Kindesbeinen an nur das schnelle Fahren im Sinn und landet bei der NASCAR – als Mechaniker. Nur durch Zufall kann Ricky Bobby (Will Ferrell) für einen Fahrer einspringen und wird zum Star, mit seinem besten Kumpel Cal Naughton Jr. (John C. Reilly) als zweiter Fahrer und Wasserträger seines Erfolgs. In wenigen Minuten tischt „Ricky Bobby“ fast jedes denkbare Klischee des (Renn-)Sportfilms auf, es ist klar was kommen muss: Der Fall.
Die Nemesis des uramerikanischen Ricky Bobby ist natürlich Franzose: Jean Girard (Sacha Baron Cohen). Doch der ist nur Franzose, sondern auch noch schwul und trotzdem ein schnellerer Fahrer. „If you’re not first, you’re last“ – so ist Rickys Devise, er dreht ab, verliert Frau und Familie, sogar Cal wendet sich gegen ihn…

„Tage des Donners“ im Blödel-Overdrive – so kann man sich „Ricky Bobby“ vorstellen. Die Geschichte ist dabei vollkommen klassisch erzählt, wie dereinst Tom Cruise muss auch Ricky Bobby erst Demut erlernen, ehe er wieder erfolgreich sein kann (und das auch noch als besserer Mensch). Dem „Tage des Donners“-Vorbild wird gar in einer Szene ganz offenkundig Tribut gezollt, wenn Ricky in einem Panikanfall „Help me, Tom Cruise! Help me, Tony Scott!“ brüllt.
Das Ganze ist dann auch weniger eine Parodie von „Tage des Donners“ oder des Sportfilms allgemein, sondern eine von jenen Gagparaden, die von der Ferrell/McKay-Kombo gewohnt ist. Darunter sind wahre Brüller (u.a. die Namensgebung von Rickys Söhnen, Walker und Texas Ranger, das Thanksgiving-Essen oder die Deklaration zu „Highlander“: „It won an Oscar for best movie ever made!“), allerdings auch einige mäßig zündende Kalauer, die in typischer Ferrell/McKay-Tradition ausgewalzt werden, etwa wenn Girard Rickys Arm zu brechen droht, sofern er nicht seine Liebe zu Crepes auszusprechen droht, und die Verhandlung über das, was Ricky sagen wird, in die Länge gezogen wird. Dabei teilt „Ricky Bobby“ wild in alle Richtungen aus, Jean Girard als mit heftigem Akzent sprechende Puderquaste kriegt ebenso sein Fett weg wie Ricky Bobby als prollig-ungebildeter Patriotentrottel, die verzogenen Gören ebenso wie Rickys Goldgräber-Ehefrau.

Ebenfalls eigenwillig sind die ausladenden Rennsequenzen des Films, denn Stunt Coordinator Spiro Razatos ist ein Meister seines Fachs, der für reichlich schicke Blechschäden und spektakuläre Fahrmanöver zu sorgen weiß. Gleichzeitig nimmt sich der Film trotz seiner komödiantischen Überhöhung in diesen Szenen immer zurück, scheint mehr an Schauwerten als an Comedy interessiert zu sein, und das ist bei einer reinrassigen Komödie schon etwas befremdlich, so viel die Rennszenen optisch auch hermachen.
Will Ferrell hat auch hier wieder große Freude an der Rolle des großmäuligen Volldeppen und bringt die Pointen in seiner gewohnten Art, die immer ein klein wenig neben der Spur liegt und auf ebendiese Weise selbst aus Uralt-Gags noch etwas rauszuholen weiß. Solide, aber klare zweite Geige ist John C. Reilly, der hiernach verstärkt in Klamaukkomödien mitspielen sollte, Sacha Baron Cohen brilliert als Rickys Rivale, während Amy Adams und Leslie Bibb eher als Eye Candy herhalten müssen. In kleinen Rollen sind Michael Clarke Duncan, Gary Cole, David Koechner sowie Regisseur Adam McKay zu sehen.

Von den bisherigen Ferrell/McKay-Filmen ist „Ricky Bobby“ der wohl schwächste, denn während der eigenwillige Humor der Hauptdarsteller/Regisseur-Kombo in vielen Szenen zündet, so ist die Trefferquote nicht so hoch wie in „Step Brothers“ oder „The Other Guys“ und die (zugegeben toll inszenierten) Rennszenen sind dann doch ein etwas zu große Ablenkung von der Comedy.

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