World War II Abenteuer, dass vom Verleih als „die letzte noch nicht erzählte wahre Geschichte“ angepriesen wurde; und obwohl das doch ziemlich vollmundig ist und den Wahrheitsgehalt hinter dem Marketingkonzept vergisst, stimmt das irgendwie sogar. Zumindest war der Film beileibe nicht der Erste seiner Art, sondern fand in den vorangegangenen Jahren und und sogar Jahrzehnten ausgehend von Die Kanonen von Navarone [ 1960 ] Dutzende Vorgänger, die das gleiche Konzept aufwiesen und ebenfalls ein Kommandounternehmen in den Mittelpunkt der Handlung stellten.
Kürzlich hatte erst Andrew V. McLaglens Die Wildgänse kommen das Subgenre des Söldnerfilmes als eine der erfolgreichsten Produktionen des Jahres 1977 erneut ins Rollen gebracht und dabei auch nichts anderes erzählt als zum Beispiel Ein dreckiger Haufen [ 1968 ] oder die Kanonen für Cordoba [ 1970 ] die Jahre davor, aber das Eisen war immer noch heiss und sollte auch hier geschmiedet werden.
Statt den Wildgänsen kommen nun also die Seewölfe, vom Alter her noch betagter als es Burton, Moore, Harris und Granger schon waren und dann auch wirklich schon in Rente geschickt; sogar ganz offiziell im Film.
Ausserdem bezieht man sich hierbei wie auch bei Die Teufelsbrigade [ 1968 ] auf wahre Tatsachen und eine real existierende Einheit, ohne daraus aber nur einen einzigen Nutzen zu ziehen.
Die letzte noch nicht erzählte wahre Geschichte ist also eine, die man nicht unbedingt gebracht hätte; aber wenn man den Film schon mal zur Hand hat, kann man auch einen Blick hinein werfen. Manchmal ist es wenigstens zum Schmunzeln und am Ende wirds auch kurz spannender.
Als erstes sieht man, wie ein britisches Schiff im Indischen Ozean von einem offensichtlichen deutschen U – Boot angepeilt wird und ebenso offensichtlich besitzen die Deutschen genaue Informationen über ihr Zielobjekt und holt wie dieses nacheinander die alliierte Flotte auf den Grund des Meeres.
Das stinkt der Admiralítät, Col. Lewis Pugh [ Gregpry Peck ] und Capt. Gavin Stewart [ Roger Moore ] werden beauftragt, den Spion der Routen und den deutschen Sender auszuschalten.
Man erkundigt sich im Hafen von Goa und stösst auf die „Ehrenfels“, von wo aus die deutsche U-Boot-Waffe mit geheimen Informationen über die Zeiten und Orte alliierter Schiffe informiert wird und damit auch auf ein Problem.
Goa gehört zur portugiesischen Kolonie und ist damit neutral; man kann nicht einfach hinspazieren und das Boot sowie die auch dort liegenden „Drachenfels“ und „Braunfels“ in die Luft sprengen. Aber für grossartige Taktiken hat man keine Zeit. Also aktiviert man die Amateure, wenn die Profis versagen: Man holt die „Calcutta Light Horse“ aus ihrer Pension.
Hierbei kommt die Realität ins Spiel und die Absurdität gleich mit; die nun vollzogene Mission fand nämlich am 09.03.1943 tatsächlich statt und wurde auch erst 35 Jahre später offiziell mit James Leasors Roman „Boarding Party: The Last Action of the Calcutta Light Horse“ bestätigt, also kurz vor und entscheidend für den Drehbeginn.
Die Calcutta Light Horse sind eine halbzivile Einsatztruppe, die bereits 1759 in Indien von Engländern begründet wurde und zuletzt beim Burenkrieg 1899 - 1902 aktiv war. Die Mitglieder Col. W.H. Grice [ David Niven ], Jack Cartwright [ Trevor Howard ], Major 'Yogi' Crossley [ Patrick Macnee ], Charlie Wilton [ Kenneth Griffith ] etc. sind also seit Ewigkeiten ausser Dienst, „nicht ganz frisch, dünn und grau da oben und dick in der Mitte“, aber wollen trotzdem ihren Kriegsbeitrag leisten und melden sich deswegen nicht nur freiwillig, sondern rangeln sich geradezu darum.
Sehr löblich, aber das macht das nun folgende Geschehen nicht unbedingt plausibler, nicht ernstzunehmender und von Tempo und Inszenierung auch nicht wirklich besser; da man auf der Leinwand ständig gegen die altersbedingtem Wehwechen kämpft und dies mit einer dicken Dosis britischen Humor umspielen will. Dem Krieg seinen Hintergrund nimmt und einen Betriebsausflug vom Altersheim daraus macht; so wirken zumindest nicht nur die jetzigen Aktionen, sondern auch die Produktion gleich mit eher lächerlich und sehr nach Urgestein.
Nun ist die Geschichte ja wahr und deswegen kann man den Wahrscheinlichkeitsgrad schlecht angehen; dabei gewesen und nachprüfen geht nicht, aber Skript und Regie kann man ihre Fehler ankreiden.
Wie so oft bei häufig reproduzierten Plots ist der Überraschungseffekt gleich raus und wie bei Filmen über Kommandounternehmen üblich ist auch hier der Weg das Ziel. Also wird erst ausgekundschaftet, das übernehmen Pugh und Stewart; wobei sich Stewart als zwar schon jüngster, aber auch nicht mehr tauffrischer Hecht unbedingt eine halb so alte deutsche Spionin an Land ziehen muss. Unwissend von ihrer wahren Identität auch noch; hat man später im Verlaufe noch genug Zeit auf Vertrau mir – Spielchen und dem Antreiben von etwaigem Suspense. Ausserdem darf Darsteller Roger Moore hier sowieso viel Bondness frönen: Spielt Roulette, läuft im Smoking herum und versprüht seine seltsamen Flirtversuche; die bei der Angebetenen Mrs. Cromwell [ Barbara Kellerman ] zwar erst auf Ablehnung stossen – „Ich finde dieses Charmegetue peinlich und dumm“ –, aber sie nicht daran hindern, sich pflücken zu lassen.
Moore ist also in seinem anscheinend vertraglich zugesicherten Element, der Zuschauer da schon nicht mehr so richtig. Das Spionageschehen vor Ort ist eher plump in Szene gesetzt und soll später nur für kleinere Actioneinheiten dienen; Betonung auf kleinere. Dazu kommt eben das Scharmützel mit der Frau. Zeitgleich gehen die rüstigen Rentner zweigeteilt auf Reise nach Goa; die einen klauen ein mieses kleines Flussboot und schippern mit dem Sprengstoff an Bord dahin; der Grossteil nimmt den Zug und steigt erst später dazu.
Warum wird nicht gesagt; auch nicht warum man nicht agilere Zivilisten genommen hat oder gleich ganz die Kavallerie. Wenn schon so eine wichtige Aufgabe ansteht und man bei Entdeckung der Ruheständler eigentlich den gleichen Ärger hätte wie bei Wehrdiensttätigkeiten, kann man doch gleich zur stärkeren Wirkung greifen.
Aber dann hätte man das Vergnügen nicht, der Altherrentruppe zuzusehen, wie man sich gegenseitig neckt und aufzieht, seekrank wird, über der Reling hängt und am liebsten einen Whiskey nach dem anderen zu sich nehmen würde, um wieder Leben in den archaischen Körper zu pumpen.
Museumsstücke allerorten; das Dumme ist aber, dass es nun wirklich eine Weile dauert, bis man so richtig in die Gänge kommt. Das Reaktionsvermögen der Filmemacher ist analog zu seinen Protagonisten etwas eingerostet; was auf der einen Seite auch irgendwie schon angemessen ist, aber es trotzdem nicht packender macht.
McLaglen war noch nie der fähigste Regisseur, ein purer Routinier; und den richtigen Umgang mit britischen Humor war ihm trotz der Geburt in London sicherlich auch nicht die Wiege gelegt worden - oder bei der jahrelangen Tätigkeit mit John Wayne in den USA abhanden gekommen.
So schippert man in dem einen Szenario nur herum, und in dem anderen schmust man etwas; beides sollte schon zur Drehzeit 1980 eingemottet auf das zahlenden Publikum wirken und ist es heutzutage dann erst recht. Und man sollte sich schon entscheiden, in welche Richtung Atmosphäre man nun will; harte Action und milde Komödie gleichzeitig geht nicht oder nur unter einem besseren Skript samt Regisseur. Jedenfalls ist die Aufführung der Kukidentklamotte nicht skurril oder augenzwinkernd genug, um die Schwächen zu übertrumpfen und auch lange nicht so kernig wie noch bei den angegrauten Wildgänsen.
Bezüglich der Fragwürdigkeit der Einsatztruppe wird natürlich keinerlei Kommentar gemacht, aber das hat auch niemand wirklich erwartet; aber man hätte den Stoff schon von einer anderen Warte her aufziehen müssen, um das Interesse daran aufmerksam zu halten.
Wenn am Ende die “Ehrenfels” geentert, einige Schiessereien und Explosionen ausbrechen und die Mission erfolgreich über die Runden gebracht wird, kann man dem Produktionsteam nicht automatisch gleich mit gratulieren; dazu agiert man die meiste Zeit zu hüftsteif. Ähnlich wie bei Bei Roy Budds Score – der das „Warschauer Konzert“ für Klavier und Orchester von Richard Addinsell adaptiert - zeigt sich hier keinerlei stilistische Weiterentwicklung, sondern eher Stillstand und angesichts der fortgeschrittenen Zeit sogar eher noch Rückgang.
Man ist nur ein blasser, gemächlichler Nachzügler; selbst die aufgebotenen Altstars helfen da nicht viel. Wirken auch nur...alt.