Ein österreichischer Redneck mit finnischem Akzent und ein Sado-Maso-Paar, optisch auf „Natural Born Killers“ getrimmt, stehen im Mittelpunkt dieser Horror-Groteske aus dem Land des Bergkäses.
Käse ist dieser allerdings in keiner Hinsicht, man ist im Verlauf eher überrascht, mit welch starker Optik und skurrilen Einfällen dieser kleine Independent-Film punkten kann.
Romeo und Julia entscheiden sich nach einem Quickie zum Kauf einer heruntergekommenen Fabrikhalle als neues Zuhause, doch bei der Geldübergabe bringt Romeo den schmierigen Makler kurzerhand um. Als er dessen Leiche vergraben will, wird er jedoch selbst bis zum Hals eingebuddelt, denn ein Verrückter hat es nicht nur auf Romeo abgesehen…
Nach einem etwas unorthodoxen Einstieg merkwürdig abgehackter Sequenzen, die zunächst kaum für sich stehen können, ist man zunächst geneigt, den Stoff als Möchtegern-Tarantino abzustempeln, doch rasch wird aus dem Belächeln ein immer wieder aufflackerndes Schmunzeln, wenn oft auch ein Bitterböses.
Romeo ist ein Glatzkopf weniger Worte: Polizisten schüchtert er bisweilen nur durch Blicke ein und Sex funktioniert bei ihm ohne Vorwarnung auf die harte, emotionslose Tour, - entsprechend folgt einer Liebesbotschaft per Handy ein schlichtes „Fick dich!“.
Dass ihm schon bald ein noch ungehobelterer Flegel gegenübersteht, ist von der Erzählung her nur konsequent.
Allein der Akzent und die tiefe Stimme des Verrückten, die zuweilen an ein typisches Intro von „Rammstein“ erinnern (er könnte äußerlich der Onkel des Sängers sein), dazu weit aufgerissene Augen, eine füllige Statur und ein Mund, von dem man gar nicht wissen möchte, was da alles so rein – und rausgeht: Eine schlichte, aber wirkungsvolle Erscheinung.
Dieser Kerl treibt eine ganze Weile ein perfides Spiel mit dem eingebuddelten Romeo, - ob draufpinkeln oder Tell-mäßig die Dose vom Kopf schießen – sicher ist der Bewegungsunfähige vor den unberechenbaren Attacken nie, selbst als Julia ein wenig später ebenfalls auf dem Hinterhof eintrifft.
Dabei kommt es bis auf einen saftigen Kehlenschnitt nicht allzu sehr aufs Blutvergießen an, sondern auf die ungewöhnlich bedrückende Stimmung. Das Filmmaterial wurde komplett auf MiniDV gedreht und mit zahlreichen Filtern digital und langwierig nachgebessert, was der Optik eindeutig zugute kommt. Der Hinterhof verwandelt sich, auch mit entsprechender musikalischer Untermalung, zeitweise in eine Wild West Szenerie, wobei die Kamera ruhig arbeitet und aus verschiedenen Blickwinkeln effektive Bilder liefert.
Später, als kleine Verfolgungsjagden im Vordergrund stehen und mit Zeitraffer gearbeitet wird, fühlt man sich nicht selten an die alten Tom & Jerry – Zeiten erinnert, auch hier wird der Eindruck durch die Musik untermauert.
Zwar hätte sich der komödiantische Anteil noch ein wenig häufiger vom ernst gemeinten Psycho-Terror abgrenzen können und Nebenfiguren etwas mehr Raum bieten dürfen, doch die recht abgedrehte Mischung unterhält mit frischem Wind im Genre, oder besser, dem was über den Tellerrand hinaus geht.
Auch wenn der Kern der Story – in den Fängen eines Rednecks – nicht allzu viele Überraschungen mit sich bringt (außer dem Ende mit Schmunzelfaktor), hat man auf Niveau niedrigen Budgets eine ansprechende Mischung kreiert.
Beim Psychopathen-Treff erfährt man, was ein toter BH ist und auf welch unsinnige, aber sarkastische Ideen einer kommt, der nur noch seinen Kopf bewegen kann.
Das ist darstellerisch, wenn auch mit manchmal etwas zu deutlichem Overacting, durchaus ansprechend und weit ab vom Mainstream ein ungewöhnlicher Streifen, der mit einer Mischung aus Terror, Slapstick und optischen Finessen überzeugen kann.
Dreckig (aber nur selten ekelig), überdreht (aber fast gar nicht albern) und vor allem ambitioniert.
Angenehm strange für Freunde des Independent-Horrors.
7 von 10