Ausflug des B - Westernregisseurs Boetticher in den Strassendschungel, wo ein straffes Psychoduell zwischen Cop und Killer abgeliefert wird, dass durchaus einige ganz gute Momente zu bieten hat. Leider wird das Skript durch einen Grundsatzstreit in der Ehe des Polizisten etwas erschwert und die Hüter des Gesetzes stellen sich auch eher unzeitgemäss an, wodurch der Polizist überhaupt erst in die Gefahrenzone des Killers kommt.
Angesichts der bloss 70min Laufzeit steigt der Film natürlich sehr schnell ein, ein Bankraub in der ersten Szene stellt bereits den Guten und den Bösen vor.
Als Antagonist fungiert der Bankangestelle Leon Poole [ Wendell Corey ] , der nach scheinbarer Abwehr eines Bankräubers telefonisch überwacht wird und so als Ideengeber der Tat enttarnt wird. Bei der Erstürmung seiner Wohnung schiesst Inspektor Sam Warner [ Joseph Cotten ] aus Versehen Poole's Frau über den Haufen, dieser ist wenig begeistert und schwört noch im Gerichtssaal bittere Rache. Drei Jahre später gelingt ihm auch die Flucht, trotz einem riesigen Aufgebot kommt er immer näher an Warner's Wohnung heran. Als dieser mitkriegt. dass nicht er, sondern seine Frau Lila [ Rhonda Fleming ] das eigentliche Ziel ist, schafft er sie zu einer Freundin und stellt Poole selber eine Falle. Doch so simpel ist das nicht.
Wie wahr. Mrs Warner ist nämlich leicht anstrengend und etwas unlogisch denkend geschrieben, wodurch die Diskussion um den gefährlichen Job ihres Mannes zu einem ewigen Konfliktpotential heranschwillt und sich durch den gesamten Film zieht. Beruhigungsversuche des irgendwie sehr unter dem Pantoffeln stehenden Inspectors arten zu Scheidungsorgien aus, mehrere Deadlines ihrerseits werden gesetzt. Nun wird sich Poole sicherlich nicht von der Ausübung seiner Rache abhalten lassen, wenn sein Feind plötzlich Schreibtischhengst wär; der Disput ist also schon mal zur falschen Zeit heraufbeschworen.
Poole selber ist dann auch der einzige Grund, der den Film vorantreibt; seine leicht merkwürdige Erscheinung erweckt bereits in den ersten unscheinbaren Momenten ein Gefühl des Aufpassen, so koscher ist der Mann nicht. Man erfährt, dass er bei der Armee stationiert war, dort den unrühmlichen Spitznamen "Corporal Blindschleiche" [ bzw. "Floppy" ] verpasst kam und wohl kaum eine fröhliche Zeit dort hatte. Sein Verhalten bei der Erstürmung seiner Wohnung macht den nächsten komischen Eindruck: Er steht in der Ecke gedrängt, während seine geliebte Frau anscheinend quer durch die Schussbahn lief. Eine wirkliche Reaktion wie Trauer, Wut, Hass oder dergleichen erfolgt auch nicht, nur die Sätze "Sie war nicht nur gut, sie war auch schön. Mein Leben hat erst mit ihr begonnen. Verstehen Sie jetzt, was für ein Unrecht es war, sie zu töten ?" werden an den Polizisten gerichtet. Auch die weiteren Aktionen bei und nach der Flucht wirken arg unterkühlt und unemotional, Poole agiert die ganze Zeit durchaus zielstrebig, aber behäbig und leicht naiv wirkend. Manchmal scheint er selbst überrascht von seinen Handlungen zu sein, als hole der bereits ausgeführte Gedanke erst nachträglich sein Bewusstsein ein; was ihn aber nicht daran hindert, mehrere Leute umzubringen und sich so vorwärts zu arbeiten.
Der Film nimmt nach dem einleitenden Bankraub ein raschen Sprung drei Jahre später vor und spielt dann auch nur die Stunden nach der Flucht bis zur grossangelegten Falle, die durchaus als exquisit aufgezogene Suspensesequenz gelten kann: Warner steckt in seinem Haus und erhält nur telefonisch Informationen von dem Geschehen ausserhalbs, einige Polizisten überwachen zwar die Strasse, aber insgeheim, so dass sie nicht wirklich ein gutes Blickfeld haben. Da erfährt Warner, dass sowohl seine Frau als auch der Killer ganz in der Nähe sind, kann aber selber nichts tun, ohne sich verdächtig zu machen.
Die effiziente Kameraarbeit von Lucien Ballard und die Tatsache, dass der Zuschauer mehr weiss als die Polizisten, ist dann auch noch das Beste am Film, der sich besonders ausstattungsmässig und bis auf Corey auch darstellerisch recht bieder niederschlägt und auch einige Freiheiten zuviel nimmt. So beruht Poole's Tarnung einzig und allein auf einer Brille, nimmt er die ab, scheint er sich anscheinend schon fast unsichtbar für die Gesetzeshüter bewegen zu können. Auch die finale Aktion ist leicht grotesk, wobei seine Verkleidung im besten Falle fast Vorausahnungen an Psycho bzw. Dressed to Kill machen kann und im schlechtesten als Travestie - Scherz herhalten muss. Cotton's Figur ist ein unendlich entscheidungsarmer Charakter, Fleming's eine Nervensäge, die sich zudem mehrmals wirklich sehr blöd verhält.
Dazu schaut die Inneneinrichtung und die gesamte Wohngegend wie aus einem Katalog abfotographiert aus: Willkommen in Pleasantville.
Wenn die 357er in Poole's Hand nicht wär.